Aufbruch: Tipps und Tricks zum Auslandsaufenthalt

Die Vorteile eines Auslandssemesters sind immens: Es macht sich wunderbar im Lebenslauf, tut den Fremdsprachen-Kenntnissen gut und ist eine Erfahrung fürs Leben. Trotz allem gibt es das Eine oder Andere zu beachten, wie die zuständigen Adressen in Ostbelgien und Experten der RWTH Aachen wissen.
Von Nathanael Ullmann und Mario Vondegracht
Für Studenten gibt es folgende Möglichkeiten, ins Ausland zu fahren: ein Studienaufenthalt, ein Praktikum oder ein Forschungsaufenthalt. Die folgenden Informationen beziehen sich vor allem auf den Studienaufenthalt, bei dem man tatsächlich ein Semester oder länger an einer anderen Uni studieren kann. So ist es mit dem Erasmus-Programm möglich an einer anderen Univeristät, innerhalb Europas zu pauken. Außerdem gibt es noch innerbelgisch das Programm Erasmus Belgica für den Aufenthalt in einer anderen Sprachengemeinschaft in Belgien (Wallonie oder Flandern). Bist du Student der Autonomen Hochschule Eupen, dann ist das Erasmus-Programm eher nichts für dich. Trotzdem gibt es auch hier die Möglichkeit, sich in einem anderen Land fortzubilden.
Studieren im Ausland? Wir helfen euch! Foto: dpa

Studieren im Ausland? Wir helfen euch!

DIE ZEIT

Ein Auslandssemester sollten Interessierte im Idealfall ein dreiviertel Jahr bis ein Jahr vorher planen. In welchem Semester ein Student seinen Auslandsaufenthalt am besten macht, lässt sich pauschal nicht sagen. Bei Erasmus kann man sich allerdings erst zum dritten Bachelorsemester hin bewerben, damit man davor mindestens ein Jahr an der eigenen Uni war. Manche Studiengänge haben aber zum Beispiel auch ein „Mobilitätsfenster“. In diesem Zeitraum ist es besonders sinnvoll, das Auslandssemester zu machen.

PARTNERUNIS

Partneruniversitäten haben viele Vorteile. Zum einen gibt es bei ihnen schon festgelegte Verträge, es ist also alles geregelter. Dann ist es viel leichter, sich die Leistungen anerkennen zu lassen. Und es gibt mehr Ansprechpartner bei Partneruniversitäten. Aber auch wer keine Partneruniversität besuchen will, kann das gerne machen. Allerdings muss man sich dann mehr selbst organisieren, und nicht selten fallen dann auch Studiengebühren an.

CREDIT POINTS

Natürlich kann man sich auch Leistungen im Ausland zum Studium anrechnen lassen. Dazu füllt man bei Erasmus beispielsweise das Learning Agreement aus. Auf dem steht, welche Kurse man belegen wird, und welcher Kurs Creditpoints geben wird und welcher nicht. Allerdings geht das nicht bei allen Kursen. Ein Maschinenbauer kann sich zum Beispiel nicht einen Norwegisch-Kurs anrechnen lassen. Manche Auslandsstudenten wollen durch ihren Auslandsaufenthalt kein Semester verlieren. Für jene bietet es sich natürlich an, möglichst viele Kurse zu belegen, die angerechnet werden können. Andere legen ihren Fokus lieber darauf, Zusatzqualifikationen zu erwerben.

FINANZEN

Wer sich erfolgreich auf ein Auslandssemester in Europa beworben hat, der bekommt automatisch das Erasmus-Stipendium. Das ist ein kleiner Zuschuss, der je nach Land, in das der Studierende geht, variiert. Außerhalb von Europa ist das alles ein wenig anders. Manche Auslandsaufenthalte werden auch mit Stipendien vergeben, andere nur ohne, und dann gibt es auch noch reine Förderungen. Auch hier gilt: Nicht nur jemand mit einem genialen Durchschnitt hat hier Chancen.

ANSPRECHPARTNER

Bei Erasmus ist der erste Anlaufpunkt der Erasmus-Koordinator der jeweiligen Fakultät bzw. Fachbereich (für Deutschland). Der kann dann unter anderem auch alle akademischen Fragen beantworten: „Wann passt der Auslandsaufenthalt am besten rein?“, „Welche Leistungen werden mir anerkannt?“ usw. Davor sollten die Studierenden aber schon auf der Uni-Webseite geschaut haben, was es für Partneruniversitäten gibt. Die Partneruniversitäten außerhalb von Europa findet man dort übrigens aus. Dort müssten auch die Ansprechpartner innerhalb der Universität notiert sein. Außerdem gibt es im jedem Semester/Jahr auch noch Gruppenberatungen, also Infoveranstaltungen, zu denen Interessierte immer eingeladen sind.

VORAUSSETZUNG

Für ein Auslandssemester braucht es meistens gar nicht so viel. Im Grunde muss man nur die Arbeitssprache der Gasthochschule auf einem gewissen Level beherrschen. Meistens ist das vorgeschriebene Niveau B2. Das muss man aber bei der Bewerbung noch nicht haben, da reicht auch schon B1. Außerhalb der EU haben manche Universitäten auch noch andere Anforderungen. Bei sehr beliebten Universitäten ist das dann natürlich strenger, schließlich bewerben sich da viele Menschen um wenig Plätze. Beim Auswahlverfahren wird unter anderem auf die Durchschnittsnote im Vergleich zum Jahrgang und auf das Motivationsschreiben geachtet. Allerdings stehen die Chancen auf ein Auslandssemester nicht nur für „Elite-Studenten“ sehr gut.

TIPPS

Für alle, die mehr Infos wollen, lohnen sich die Erfahrungsberichte, die Interessierte in einer Datenbank beim International Office der RWTH Aachen (für Studenten in Deutschland besonders interessant) finden können. Hier beschreiben die Studenten ihre Erlebnisse, erzählen, wo sich die beste Bar befindet und wie man am besten an eine Wohnung kommt. Für die belgischen Studenten bieten die Infotreffs in St.Vith und Eupen sowie das Jugendbüro in Eupen eine besondere Beratung an. Falls es Erasmus sein soll: Da solltet ihr euch auf jeden Fall an das Erasmus-Büro an den Unis und Hochschulen wenden. Außerdem gibt es auch immer viele Infos von der Aufnahme-Universität.
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Mit dem Dirndl zur RDJ-Frühstückslounge

RDJ_Frühsoppen

Das Bild zeigt ganz links Martine Engels, die Vorsitzende des RDJ, und Julia Slot (Zweite von rechts), die Mitglied des Verwaltungsrates ist. Foto: GE-Archiv

Unter dem Motto „100 Dörfer – 1 Zukunft“ wird am Samstag von 10 bis 12 Uhr im Jugendheim in Amel bei einem kühlen Bierchen oder einem frischgebrühten Kaffee oder Saft, leckerem Eifler Brot, Käse, Wurst und Schinken UND, nicht zu vergessen, in traditioneller Tracht (Dirndl/ Lederhosen!) über die Zukunft junger Menschen in der Eifel gequatscht werden. Zu diesem “gemütlichen Plausch” lädt der Rat der deutschsprachigen Jugend (RDJ) ein. Vor allem folgende Fragen stehen im Zentrum des zweistündigen Beisammenseins:

  • Wie können wir die Mobilität verbessern?
  • Wie können wir das Dorfleben und den sozialen Zusammenhalt aufpeppeln?
  • … wie die Wirtschaft dort ankurbeln?

Alle Jugendlichen sind rechtherzlich eingeladen!

„Interstellar”, ein überwältigendes Science-Fiction-Epos

Christopher Nolan greift nach den Sternen: In „Interstellar” erzählt der Regisseur von einer hochdramatischen Reise in eine fremde Galaxie.

Von Matthias von Viereck, dpa

Kinostart - "Interstellar"

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Das Genre des Science-Fiction-Kinos ist geradezu beseelt von der Sehnsucht nach fremden, nach weit entfernten Welten. Selten aber war diese Suche mit so vielen Hoffnungen und Erwartungen verbunden wie in „Interstellar”, dem neuen Geniestreich von Regisseur Christopher Nolan. Es geht um nicht weniger als das Überleben der Menschheit. Nolan hat dafür eine prominente Besetzung, von Anne Hathaway über Matthew McConaughey und Jessica Chastain bis zu Michael Caine, zusammengetrommelt. Als kleine Überraschung tritt schließlich auch noch Matt Damon auf. Das Drehbuch zu „Interstellar” hat Nolan erneut, wie schon bei einigen anderen Filmen, zusammen mit seinem Bruder Jonathan Nolan verfasst.

Sandstürme, immer wieder Sandstürme. Nolan macht schnell deutlich, dass es schlecht steht um die Erde und ihre Bewohner. Auch Cooper (McConaughey) versucht als Bauer seinen Beitrag zum Überleben unserer Spezies zu leisten, früher mal hat der Witwer und Vater zweier Kinder als Ingenieur und Weltraumpilot gearbeitet. In Zeiten von globaler Nahrungsknappheit sind Farmer viel gefragter als Astronauten. Im Geheimen aber hat die Nasa weitergemacht, und Cooper soll nun helfen, als Leiter einer Weltraum-Mission: „Suchen Sie uns eine neue Heimat!”.

Mittels eines Wurmloches beim Planeten Saturn soll Coopers Team, so der Plan von Professor Brand (Caine), in ein fernes Sternensystem gelangen. Brands Tochter (Hathaway) unterstützt ihn bei der Suche nach einer zweiten Erde. Cooper steht vor der Entscheidung seines Lebens: Bleibt er bei seinen Kindern oder begibt er sich auf eine mehrjährige, höchst gefährliche Reise?

2012 hat Nolan mit „The Dark Knight Rises” seine Batman-Trilogie abgeschlossen, nun greift der Regisseur nach den Sternen. “Interstellar” ist eine Tour de Force mit vielen poetischen Momenten, in deren Mittelpunkt mit Ingenieur Cooper ein veritabler Überlebenskünstler und liebevoller Vater steht. McConaughey schmeißt sich mit Verve in seine Rolle; in bester amerikanischer Tradition ist sein Cooper besessen vom Entdecken neuer Welten. “Interstellar” weist Parallelen auf zu Nolans verrätseltem Traum-Drama „Inception”. Und ist doch ganz anders. Was bei „Inception” verschiedene Ebenen eines Traumes, das sind hier multiple Dimensionen.

Das Science-Fiction-Spektakel aber ist viel emotionaler und vielschichtiger: Nolan erzählt vom Überlebenstrieb des Menschen und dessen Egoismus, von der Kraft der Liebe. Wobei vor allem die Liebe Coopers zu seiner, unter anderem von Jessica Chastain verkörperten Tochter anrührt.

Der Film wurde diesmal nicht von Wally Pfister fotografiert, mit dem Nolan in allen seinen Filmen seit „Memento” (2000) zusammengearbeitet hatte. Für die Kamera verantwortlich ist Hoyte van Hoytema („Her”). Gedreht wurde etwa auf Island; ob Staubsturm, die vielleicht größte Welle der Filmgeschichte oder all die interstellaren Wunder, die man zu sehen bekommt: Stets ist die Bildgestaltung von ausgesuchter Finesse.

Foto: dpa

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Aber auch die kongeniale Tonkunst eines Hans Zimmer (“Der König der Löwen”) ist zu erwähnen, die dazu beiträgt, dass einen „Interstellar” so flugs in seinen Bann, ja bisweilen fast aus dem Kinosessel schlägt. Mal hypnotisch, mal donnernd und nur selten zu expressiv. Die Wirkmächtigkeit der Filmmusik wird hier ganz ausgespielt. Etwa in einer besonders schönen, nur mit feinen Klaviertönen unterlegten Sequenz, die das im Vergleich winzige Raumgefährt von Cooper und Co. vor den Ringen des Saturns zeigt. Nolan führt hier, wie auch an anderer Stelle, Klein und Groß, Laut und Leise virtuos zusammen.

165 Millionen US-Dollar (131 Mio. Euro) sollen die 169 Film-Minuten gekostet haben. Eine Investition, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit an den Kinokassen rentiert. Und die sich auch in künstlerischer Hinsicht auszahlt. „Interstellar” ist ein Gesamtkunstwerk, zusammengefügt aus den Ingredienzien großer Filme: tollen Darstellern, famoser Musik, einer so packenden wie bewegenden Story und nicht zuletzt Bildern von monumentaler Wucht.

Tierisch glücklich

Im Sommer erlitt Jonas Kirsch einen Rückfall, für eine Sekunde fiel er in ­seine alte Rolle zurück. In dieser Rolle aß er Fleisch und tierische Produkte und dachte vermutlich nicht einmal im Traum daran, eines Tages damit aufzuhören.

Von Annick Meys

In der Mittagspause schnell ein Döner, abends ein gutes Stück Fleisch und Wurst auf dem Brot: Der 26-Jährige war bis vor wenigen Monaten das, was man einen „normalen“ Esser nennt. Seit gut einem halben Jahr ernährt er sich vegan. Veganer verzichten nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf alle anderen tierischen Produkte. Das heißt: kein Honig, keine Eier – und keine Milchprodukte.
Jonas
Nur einmal hat er sich nicht daran gehalten, und das war ein Versehen. An einem schönen Sommertag auf einer Terrasse in Verviers schob sich Jonas wie selbstverständlich ein Stück Käse, das der Kellner zum Starkbier servierte, in den Mund. „Alte Gewohnheit“, meint der Raerener. Heute würde ihm das nicht mehr passieren. Nicht in erster Linie aus Mitgefühl für die Tiere, sondern aus Respekt vor dem eigenen Körper und aus Wut auf die Lebensmittelindustrie hat der 26-Jährige seine Ernährung radikal umgestellt. Er hatte keine Lust mehr, sich von gut durchdachten Marketingkonzepten weismachen zu lassen, was angeblich gut für ihn ist. Außerdem hat er angefangen, kritisch zu hinterfragen, was da vor ihm auf dem Teller liegt. „Kühe werden mit Antibiotika vollgepumpt, und wir essen später ihr Fleisch und trinken ihre Milch und haben die Medikamente dann auch in uns“, erklärt der 26-Jährige.
Von heute auf morgen stellte Jonas seine Essgewohnheiten um, las im Internet und in Büchern viel über vegane Ernährung und befreite den Vorratsschrank von allen „schlechten“ Lebensmitteln und füllte ihn mit veganem Brotaufstrich, Tofu, Mandelmilch und allen Zutaten, die man für die vegane Küche benötigt. „Auf Käse zu verzichten, war schon nicht einfach. Mittlerweile macht es mir aber überhaupt nichts mehr aus. Man gewöhnt sich daran und irgendwann fehlt es einem auch nicht mehr.“ Allerdings sei die Planung der Mahlzeiten  intensiver. Produkte müssen auf ihre Herkunft und Inhaltsstoffe überprüft werden. „Ich muss mir schon einen Tag vorher überlegen, was ich am nächsten Tag esse.“
Dass er das wirklich durchzieht, daran hat seine Freudin Sabrina anfangs nicht geglaubt. „Er hat so gerne Süßigkeiten gegessen.“ Die gibt es zwar auch für Veganer, aber sie sind teuer und schmecken nicht so gut. Sabrina ist selbst Vegetarierin, weiter möchte sie aber nicht gehen, auch wenn sie sich häufig vegan ernährt, da Jonas meistens das gemeinsame Abendessen vorbereitet. „Ich will nicht auf Joghurt verzichten, und die vegane Variante schmeckt einfach nicht.“
Die Auswahl veganer Lebensmittel in den Supermärkten und Bioläden der Region ist nicht riesig, dafür bieten Bioläden in Aachen eine Vielfalt solcher Produkte. Günstig sind die veganen Lebensmittel nicht. „Eine bewusste Ernährung hat eben ihren Preis, das gilt ja nicht nur für vegane Ernährung. Wer Bio-Produkte kauft, muss auch etwas mehr ausgeben“, meint Jonas.
Auch wenn vegane Ernährung für viele zunächst einmal nach Verzicht klingt – Jonas sieht das anders. „Es gibt Ersatzprodukte, die den gleichen Geschmack und die gleiche Konsistenz haben.“ Vieles davon kann man selber Zuhause zubereiten. Zum Beispiel vegane Mozzarella, Mayonnaise, die statt Ei eine gekochte Kartoffel als Bindemittel enthält oder Döner, der statt mit Fleisch mit Seitan, einem veganen Fleischersatz aus Weizeneiweiß, zubereitet wird. Allerdings gehen seinem Körper so auch Vitamine und Nährstoffe verloren, die nur in tierischen Lebensmitteln enthalten sind. Wer auf Fleisch oder gar auf tierische Produkte verzichtet, muss also vorbeugen. „Vor allem Vitamin B12 ist fast ausschließlich in Fleisch, Eiern und Milch enthalten. Wer darauf verzichtet, sollte entweder spezielle Lebensmittel kaufen, die mit Vitamin B12 angereichert sind, oder nahrungsergänzende Vitaminpräparate zu sich nehmen“, erklärt die Ernährungsexpertin Alina Sterz. „Wenn man sich als Veganer ausgewogen ernährt, kann das sehr gesund sein.“ Veganer seien weniger übergewichtig, litten weniger an Bluthochdruck und Diabetes, hätten einen niedrigeren Cholesterinspiegel und müssten sich seltener wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandeln lassen.
Jonas ist überzeugt, dass dem Veganismus die Zukunft gehört. Als Missionar geht er allerdings nicht durch die Welt, er ist kein fanatischer Veganer, der andere Menschen „bekehren“ will. „Ich möchte einfach nur, dass die Leute anfangen, sich Gedanken über ihr Essen machen. Danach entscheidet jeder für sich selbst.“ Dass seine Einstellung ihn zu einem besseren Menschen macht, findet er nicht. „Aber ich fühle mich besser“, erzählt der 26-Jährige. Seitdem er sich vegan ernährt, hat er bereits sechs Kilo abgenommen. Als Fleischesser fühlte er sich manchmal antriebslos und schwer. Heute hat sein Tatendrang zugelegt. „Früher hatte ich nach dem Essen immer ein Völlegefühl und habe mich einfach aufs Sofa fallen lassen, um noch etwas Fernsehen zu schauen. Jetzt könnte ich nach dem Essen noch eine Wanderung machen“, meint Jonas, und seine Freundin ergänzt lächelnd: „Mit ihm ist Fernsehen ohnehin nicht so einfach. Sobald Werbung kommt, schaltet er um.“ Der 26-Jährige hat eine Abneigung gegen Werbung entwickelt, weil sie in seinen Augen den Menschen eine falsche Welt vorgaukelt. Das Veganersein ist für Jonas eine Lebenseinstellung geworden, die weit über die Ernährung hinaus geht und die kann man in keinem Bioladen der Welt kaufen.

Ein Vegan-Gericht zum Nachkochen

PfanneSpinat-Quinoa-Pfanne

Für 1-2 Portionen
• 1 rote Zwiebel
• 1 Knoblauchzehe
• 4 EL Olivenöl
• 150g Quinoa
• 175 ml trockener Weißwein
• Meersalz
• schwarzer Pfeffer aus der Mühle
• 60g Babyspinat
• 75g Mandeln
• getrocknete Aprikosenstücke
• Rosinen

Zwiebel und Knoblauch schälen und fein hacken. Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen, Zwiebel und Knoblauch darin etwa zwei Minuten andünsten. Quinoa (Bioladen) dazugeben und zwei Minuten bei starker Hitze weiter dünsten. Mit Weißwein ablöschen und unter ständigem Rühren bei starker Hitze etwa vier Minuten einkochen. 300 ml Wasser hinzugießen und kurz aufkochen lassen. Hitze auf mittlere Stufe reduzieren und Quinoa unter stetigem Rühren weitere 10-15 Minuten köcheln lassen. Mit Meersalz und Pfeffer würzen. Den Babyspinat waschen, kurz abtropfen lassen und in die Pfanne geben. Mandeln grob hacken und hinzufügen. Verfeinern lässt sich das Ganze mit getrockneten Aprikosenstücken und Rosinen.

Das Rezept stammt aus dem Kochbuch: “Vegan for Fun – Junge vegetarische Küche” – Autor: Attila Hildmann

Kommentar: Allgemeine Sperrstunde für alle Kneipen ist kein Ansatz

Wir, eine junge und emanzipierte Eupener Rausgeh-Generation, müssen uns derzeit mit zahlreichen Schwierigkeiten herumschlagen. Nach dem Rauchverbot, das die Gäste zum Rauchen auf den Bürgersteig beförderte, soll jetzt auch noch die Sperrstunde strenger kontrolliert werden. Grund: Die Raucher auf den Bürgersteigen sind zu laut. Ha… dass ich nicht lache!
Wir werden zu unabhängigen und möglichst selbstständigen jungen Menschen erzogen, sollen aber jetzt nicht mehr selbst entscheiden dürfen, wann Schicht im Schacht ist? Es sollte meine eigene Entscheidung sein, ob ich um ein Uhr nach Hause gehe oder doch bis sechs Uhr bleibe, damit ich auch am nächsten Tag noch ein Andenken an den Vorabend habe.
Als Kellnerin kann ich auch die Wirte verstehen, die um ihre Existenz bangen. Oft sitzen bis 23 Uhr nur wenige Stammkunden an der Theke, bevor dann Schlag auf Schlag von überall her trinkfreudige Kundschaft angekrochen kommt, die einen dann bis früh morgens auf Trab hält und natürlich den Lohn in die Kasse trinkt.  Und dennoch… Eupen ist nicht das Carré. In einer Stadt wie Eupen kann nicht einfach zu jeder Tages- und Nachtzeit in den Straßen gefeiert, gegrölt und gesungen werden, denn es gibt fleißige, arbeitende Menschen, die verständlicherweise gerne abends ihre Ruhe und nachts ihren Schlaf hätten. Umherfliegende Blumenkübel, umgetretene Mülleimer und Schlägereien, bei denen die Besoffenen meist ihr Ziel nicht mehr treffen können, zeugen von Respektlosigkeit und selbstverständlich sollte dem Einhalt geboten werden. Allerdings ist eine allgemeine Sperrstunde für alle Kneipen hier der falsche Ansatz. Vielmehr sollten die wenigen Störenfriede, die ihr besoffenes und zerstörwütendes Klientel in den Straßen herumlaufen lassen, ermahnt und notfalls eben gemaßregelt werden. Dass die Polizei sich offen zeigt und bereit ist, bei beschwerdefreien Kneipen auch mal ein Auge zuzudrücken, statt den Laden um eine bestimmte Uhrzeit dicht zu machen, macht Hoffnung und zeigt, dass die Polizei eben doch unser aller Freund und Helfer ist.

 
desireeDésirée Radermacher ist freie Mitarbeitern des GEneration-Magazins und des GrenzEchos. Als Kellnerin in der Pigalle hört sie oft die Jugendlichen klagen über das Partyleben in Eupen.

Jugendliche kritisieren Eupener Sperrstunde

Erst das Rauchverbot, jetzt eine Sperrstunde. Vor wenigen Wochen sorgte eine Polizeiverordnung für große Aufregung an den Theken Eupens. Ab sofort sollten die vor Jahren festgelegten Sperrstunden – sprich 1 Uhr an Wochentagen, 2 Uhr an Wochenenden und 3 Uhr in der Zeit vor Karneval – strenger kontrolliert werden. Ein Grund, sich zu beschweren, finden viele Jugendliche und Kneipenbesitzer.

 

Von Désirée Radermacher

 

Denn dass die Sperrstunde an Kirmes- und Karnevalstagen entfällt, ist für die Betroffenen nicht mehr als ein kleines Trostpflaster.  Doch was hat es mit dieser Sperrstunde auf sich und stirbt Eupen jetzt völlig aus? Für Lars Brüll, Betreiber der Kultkneipe Pigalle, ist die Polizeiverordnung ein Schlag ins Gesicht: „Die Pigalle lebt von den Kunden, die spät abends und nachts kommen, und wenn einem dann von heute auf morgen die Lebensader abgeschnitten wird, wird es in Zukunft sehr schwer werden“, sorgt sich Brüll.  Grund für die strengeren Kontrollen seien Beschwerden wegen Lärmbelästigung und Sachbeschädigung gewesen, erklärt Kommissar Daniel Baltus.
Das Problem bestehe zum einen aus zu lauter Musik, zum anderen aber auch aus Lärm durch Rauchergruppen, die sich auf den Bürgersteigen versammeln und deren Gespräche mit steigendem Alkoholpegel stets lauter würden. Moment mal… Raucher sind also das Problem? Hat nicht gerade das Rauchverbot dafür gesorgt, dass überhaupt auf den Bürgersteigen geraucht wird? Ja, bestätigt Baltus, es ist paradox und wenig erfreulich für die Wirte. „Respekt ist das A und O in dieser Sache. Wenn die Wirte die Lautstärke der Musik im Rahmen halten und versuchen, die Gäste auf der Straße dazu zu bringen, sich ruhig zu verhalten, ist schon ein großer Schritt getan“, so der Kommissar. Dass alles eine Respektfrage ist, das sieht auch Pigalle-Wirt so. Brüll: „Wenn es bei uns mal zu laut sein sollte, rufen die Anwohner direkt bei uns an. Dann wird natürlich sofort am Lautstärkeregler gedreht, das ist eine Frage des gegenseitigen Respekts.“ Es sei bisher aber „sehr sehr selten“ vorgekommen, dass die Polizei wegen der Lautstärke zur Pigalle musste. „Jetzt wird aber alles über einen Kamm geschoren. Man sollte das Übel bei der Wurzel packen und nur da, wo auch wirklich Beschwerden sind, sollte man auch eingreifen“, so Brüll weiter.
Gregory MentiorGregory Mentior findet, dass man Wirten und jungen Leuten zu viele Steine in den Weg legt.
Kommissar Baltus bestätigt, dass tatsächlich nur gewisse Kneipen immer wieder für Ärger sorgen, allerdings sei es nicht einfach, nur diesen Kneipen Verordnungen aufzulegen. „Die Verordnung legt die Sperrstunde für alle Kneipen fest, da können wir nicht nur gewisse Kneipen kontrollieren, da wir sonst für Wettbewerbsverzerrung sorgen. Nur in Einzelfällen – also bei Schlägereien, Lärmbelästigung usw. – kann die Polizei einzelne Kneipen mithilfe des Polizeiamtsgesetzes schließen.“
Während Wirte sich vor allem um ihre Existenz sorgen, fühlen sich Gäste – insbesondere die Jugendlichen – vor allem in ihren Rausgehmöglichkeiten begrenzt: „Es gibt so schon kein Nachtleben in Eupen, und eine Sperrstunde würde dafür sorgen, dass die Jugendlichen in andere Städte fahren, um zu feiern“, meint Federico Bley aus Eupen. Sebastien Martin teilt diese Meinung: „Ich habe lange in Frankreich gearbeitet. Da gibt es auch ein solches Gesetz in den Kneipen. Im Endeffekt hat es dazu geführt, dass die Leute gar nicht mehr in Kneipen gehen, weil es sich nicht mehr lohnt“, so der Eupener. Auch Larissa Mertens hält die Verordnung für schwachsinnig: „Die Verordnung ist total kontraproduktiv. Eupen soll schöner und touristisch attraktiver werden, aber wenn dann mal Touristen da sind, die eins trinken gehen wollen, aber wegen der Sperrstunde nicht lange bleiben können, dann schreckt man die Touristen eher ab“, befürchtet die Pigalle-Kellnerin. Gregory Mentior findet, dass man Wirten und jungen Leuten zu viele Steine in den Weg legt: „Solange es gewaltfrei bleibt, sollte jedem selbst überlassen sein, wann er nach Hause gehen will. Außerdem sollten nicht alle Kneipen zu machen müssen, nur weil zwei oder drei immer für Ärger sorgen“, so der Schüler.
Lars BrüllLars Brüll: „Die Pigalle lebt von den Kunden, die spät abends und nachts kommen, und wenn einem dann von heute auf morgen die Lebensader abgeschnitten wird, wird es in Zukunft sehr schwer werden.”
Kommissar Daniel Baltus kann die Sorgen der Wirte und jungen Leute nachvollziehen. „Wir haben bisher zwar vereinzelte Kontrollen durchgeführt, allerdings ist bisher alles ruhig geblieben. Solange es keine Beschwerden gibt und es auf den Straßen ruhig bleibt, kann man da auch mal ein Auge zudrücken. Dann muss auch nicht jede Kneipe um ein Uhr dicht gemacht werden“, ­beruhigt er die Betroffenen.

Rein, raus

Foto - Kopie ??????????????????????????????? Foto(3) - Kopie Foto(4) - Kopie Foto(5) - Kopie Foto(6) - Kopie Foto(7) - Kopie Foto(8) - KopieEinsteigen, umsehen und unerkannt wieder raus: „Urban Exploration“ – das Erkunden von verlassenen Gebäuden und ­Orten – wird immer populärer. Unsere Grenzregion spielt dabei eine besondere Rolle.
Text & Fotos von Oliver Wagner
Belgien ist reich. Ja, sicher, es gibt Staaten, um die es finanziell besser bestellt ist, aber das zählt bei „Urbexern“ nicht. Für sie ist Belgien das reinste Eldorado, denn die Schätze, die es hier zu entdecken gibt, haben wenig mit wirtschaftlicher Blüte zu tun – eher im Gegenteil.
„Urban Exploration“ ist stark im Kommen. Immer mehr Menschen interessieren sich für diese Art der Freizeitgestaltung, bei der es kurz gesagt darum geht, verlassene Orte zu entdecken gibt: Leerstehende Gebäude, alte Tunnelsysteme, ungenutzte Militärgelände – alles, wo es gelebte Vergangenheit zu bestaunen gibt, kann als Objekt in Frage kommen. Und davon gibt es in Belgien jede Menge, denn im Gegensatz zum beispielsweise recht aufgeräumten Deutschland, stehen Fabriken und Häuser oft jahrelang leer, bevor sich ein neuer Investor oder Mieter dafür interessiert. Schon die nahe Umgebung von Verviers bis Lüttich, bietet etliche Möglichkeiten, sich wie Indiana Jones auf Spurensuche zu begeben.
Das Interesse für Vergangenes stößt allerdings nicht immer auf Gegenliebe. So mancher Ort, oder vielmehr seine Eigentümer, machen es Urbexern alles andere als leicht, ihrer Neugierde nachzugehen und sorgen damit unfreiwillig für zusätzliche Spannung. Um unbefugtes Betreten handelt es sich im Grunde jedes Mal, wenn man sich auf ein Gelände begibt, dessen Eigentümer das nicht wünscht. Auch Klagen wegen Einbruchs können ins Haus stehen.
Juristische Folgen sind aber nicht das einzige Risiko, das Urbexer eingehen. Wer sich regelmäßig und über lange Zeit in bruchfälligen Gebäuden herumtreibt, sollte sich gegen Feinstaubbelastung durch beispielsweise altes Asbest schützen. Auch mit der Statik ist es so eine Sache – wird mich die alte Treppe ins obere Stockwerk tragen können und falls ja, hält denn auch die gesamte Etage? Dazu kommt, dass verlassene Häuser oftmals nicht so einsam sind, wie man sich das denkt. Obdachlose können eine ernstzunehmende Gefahr darstellen, wenn man in ihr „Territorium“ eindringt. Sicherheitsdienste haben die Aufgabe, genau solche Besuche zu verhindern und unterscheiden nicht zwischen Hausbesetzern und „Urban Exploration“ – und freilaufende Wachhunde schon mal gar nicht.
Dabei haben Besitzer alter Gebäude von dieser Szene nicht den geringsten Schaden zu befürchten. Denn unter Urbexern gilt der Kodex: Take nothing but pictures. Leave nothing but footprints. Kill nothing but time (grob übersetzt: Nimm nichts als Fotos mit. Hinterlasse nichts als Fußabdrücke. Schlag nichts tot außer Zeit). Damit die Plätze ihren ursprünglichen Charme behalten, werden Bilder auf Internetseiten oder Netzwerken wie Facebook und Instagram grundsätzlich ohne Ortsangabe gezeigt, sodass Kupferdiebe und Sprayer sie nicht finden und verwüsten können. Allenfalls sind für Anfragen von interessierten Gleichgesinnten die GPS-Koordinaten drin.
Die Frage, was Urbexer dazu bringt, sich trotz körperlicher Gefahr und juristischer Konsequenzen immer wieder auf die Suche zu machen, ist so vielschichtig, wie der Mensch selbst. Einige befinden sich auf der Jagd nach außergewöhnlichen Fotomotiven, denn wo die Natur sich ihren Platz durch Mauern und Dächer zurückerobert, entstehen oft bizarre Motive wie aus einem Endzeit-Thriller. Nicht wenige Urbexer interessieren sich auch für die Historie der Objekte, die sie besuchen, teilen diese in kurzen Beschreibungen zu ihren Fotos, sofern der Ort als allgemein bekannt gilt, und helfen so, die Erinnerung daran aufrecht zu erhalten. Zuletzt ist es sicherlich auch eine Portion Nervenkitzel beim Betreten und die Aussicht  auf etwas Abenteuer in einer Welt, in der fast alles schon als entdeckt, dokumentiert und eingeordnet gilt. Und ungeachtet  legaler Bedenken: Ist es nicht schön, wenn Belgien zu diesem Gefühl ein wenig beitragen kann?

Jillepilles Herbst-Must-haves

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen allmählich sinken, ist es offiziell: Der Herbst ist da! Die perfekten ­Stiefeletten, ein wärmender Hut und ein kuscheliger Pullover – das sind Jil Rosewicks Zutaten für einen stilsicheren Herbst. Für euch zeigt die Mode-Bloggerin ihre persönlichen Must-haves für die goldene Jahreszeit und verrät, wo ihr sie nachshoppen könnt.
Schwarze Stiefeletten
Eine Investition in hochwertige Lederstiefeletten lohnt sich im Herbst besonders. Dank des Absatzes kann man sie sowohl lässig zur Jeans als auch elegant zum Kleid stylen und ist damit niemals overdressed. Netter Nebeneffekt: Sie strecken die Beine und lassen diese optisch länger wirken.
Shopping Tipps:
tiefeletten aus Leder
von Mango, ca. 70€
Mango Stiefeletten
Stiefeletten von Jonak
über Sarenza.de, ca. 119€
Jonak Stiefeletten
Stiefelette ‚Citro’
von Tamaris, ca. 90€
Tamaris Stiefeletten
Kuscheliger Pullover
Trotz meiner Vorliebe zu Grau und Schwarz im Herbst: Nichts hebt die Stimmung an verregneten Herbsttagen mehr als ein strahlender Farbtupfer im Outfit. Ich liebe bunte Kuschelpullover, die man, einmal getragen, am liebsten gar nicht mehr ausziehen mag… Perfekt dazu: Bunte Statement-Ketten, die sorgen für den Wow-Effekt.
Shopping Tipps:
Statement-Kette von Bijou Brigitte, ca. 18€ Statementkette
Grobstrick-Pulli mit Mohair von Esprit, ca. 60€ Esprit Pullover
Wollmix-Pullover von Esprit, ca. 50 € Esprit Pullover blau
Mut zum Hut
Der Hut ist in dieser Saison ein unverzichtbares Accessoire und macht jedes Outfit zu einem besonderen Hingucker. Besonders praktisch? Hüte sind Frisurenretter und schützen euch vor ‚Bad Hair Days’.
Shopping Tipps:
Hut aus 100 % Wolle
von Mango, ca. 36 €
Mango Hut
Filzhut von French Connection via Aboutyou.de, ca. 65 € French Connection
Fedora von Rag & Bone über Mytheresa.com, ca. 185€ Rag & Bone
Lust auf mehr Fashion-Tipps? Dann besucht Jillepilles Blog:
www.jillepille.com

Mit elf Jahren in die Großstadt – Lisa Offermans aus Lontzen lebt und trainiert in Berlin

Die Arschbombe im Freibad, der „Köpper“ vom Ein-­Meter-Brett. Was bei vielen Laien und Hobby-Schwimmern schon zu Bauchlandungen und Schweißausbrüchen führen kann, ist für die elfjährige Lisa Offermans aus Lontzen längst zur Routine geworden. 
Von Mike Notermans
Obwohl es mitten im August schon wieder ununterbrochen regnet, genießt Lisa Offermans die letzten gemeinsamen Stunden mit ihrer Familie. Schon am nächsten Tag reist die Elfjährige wieder zurück in die deutsche Hauptstadt, wo die Lontzenerin seit Februar 2013 das Schul- und Leistungssport-Zentrum (SLZB) besucht, das sich u. a. auf Turmspringen spezialisiert hat. Um Lisas beeindruckende Geschichte zu verstehen, bedarf es einen Rückblick in die frühe Kindheit der Sportlerin.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAFoto: Privat
„Schon mit drei Jahren ist Lisa mit Schwimmflügeln von den Startblöcken der Westhalle gesprungen“, erinnert sich Lisas Mutter Doreen Offermans. Da Lisa das Wasser aber nach eigener Aussage „noch viel zu kalt war“, wurde eine zweijährige Pause eingelegt. Dann verfehlte nämlich auch das kalte Wasser seine abschreckende Wirkung und Lisa begann wieder, sich gemeinsam mit Schwester Ann Justine akrobatisch ins feuchte Nass zu stürzen. „Uns wurde schnell klar, dass sie keine Bahnschwimmerin ist“, erzählt die Mutter der Sportlerin, während sich eine gehörige Portion stolz unter ihre Stimme mischt. Schnell wurden Trainer auf das Talent der damals Fünfjährigen aufmerksam, und so war Lisa fünf Jahre lang für den Verein „WSC Aachen“ aktiv. Ein Tag im Dezember 2012 besiegelte schließlich das Schicksal der Lontzenerin. Für den Bundesstützpunkt Aachen war die Aberkennung seitens des Deutschen Schwimm Verbandes (DSV) gekommen. Infolgedessen mussten auch die dort stationierten Bundestrainer ihren Dienst quittieren. Um ihr Talent nicht zu vergeuden, wurde Lisa und zwei weiteren Springerinnen des Aachener Vereins ein Wechsel an eine Sportschule nahegelegt.
Schwimm-WM 2011Foto: dpa

 

„Samstags habe ich meinen zehnten Geburtstag gefeiert und tags darauf bin ich nach Berlin umgezogen“, erzählt Lisa, die trotz ihres jungen Alters unglaublich reif und abgebrüht wirkt. „Es war für uns wahnsinnig schwer, unsere zehnjährige Tochter von Lontzen in die Großstadt Berlin gehen zu lassen“, erinnern sich Lisas Eltern. „Die erste Woche war hart, die zweite Woche gut, und ab der dritten Woche wollte ich gar nicht mehr zurück nach Hause“, erinnert sich Lisa an ihre ersten Schritte in der neuen Heimat. Neben einer guten schulischen Ausbildung steht am SLZB, wo auch die deutsche Olympiasiegerin Britta Steffen ausgebildet wurde, der jeweilige Sport an erster Stelle. „In der Woche trainiere ich bis zu 14 Stunden“, erzählt Lisa munter weiter. Den Großteil verbringen die Sportler hierbei jedoch außerhalb des Wassers. Auf dem Trampolin oder beim Ballettunterricht soll nämlich die Athletik und Körperhaltung der Sportler verbessert werden. „Die besten Springer werden an Land geboren“, weiß Vater Bernhard.
Zum Abschluss des Gespräches erzählt Lisa, die mit einem zweiten Platz bei einem Bundesstützpunkt-Vergleich ihren bis dato größten Erfolg feierte, von ihren Träumen. „Natürlich träume ich von einer Olympia­teilnahme. Aber im Moment möchte ich einfach nur zu den Besten meines Jahrgangs gehören.“ Im Februar 2015 bestreitet Lisa ihre erste Deutsche Meisterschaft. Und wer weiß, vielleicht ist die sympathische Sportlerin ihrem Traum von Olympia dann wieder einen Sprung näher gekommen.

 

Die Expertin erklärt

Hallo Lisa, warum steigen bei manchen Sprüngen eigentlich Luftblasen an die Wasseroberfläche?
Bei neuen Sprüngen werden absichtlich Luftblasen („Bubbles“) erzeugt, die das Wasser weicher machen sollen. So ist die Landung, falls der neue Sprung etwas misslingt, nicht so hart. Diese Hilfe bekommt man leider aber nicht allzu oft.Oft wird auch mit Hilfe von Schläuchen zusätzliches Wasser in das Becken gespritzt. Welchen Zweck hat dieser Vorgang?
Das zusätzliche Wasser macht für die Springer die Wasseroberfläche sichtbar. Wenn man oben auf dem Turm steht und die Wasseroberfläche sich nicht bewegt, sieht man einfach nur den Beckenboden. Durch die Wasserspritzer bewegt sich die Oberfläche aber und der Springer weiß, wann das Eintauchen bevorsteht.Und warum trocknen sich viele Sportler direkt nach dem Sprung mit einem Leder oder einem Tuch ab?
Wenn Wasser auf der Haut ist, rutscht man mit den Händen ab. Das darf aber bei vielen der Figuren, wie dem Salto beispielsweise, auf keinen Fall passieren. Bei den Herren sprühen sich auch viele eine Art Klebstoff auf die Hände, damit diese nicht rutschen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAFoto: Privat

 

Lisas Alltag in Berlin

6:30 Uhr:
Der Wecker klingelt: aufstehen, anziehen, Zähne putzen.
6:50 Uhr:
Lisa macht sich vom Internat auf den Weg in die Schule, wo in der Mensa gemeinsam mit allen anderen Schülern gefrühstückt wird. „Im Winter muss ich noch früher los, denn wenn Schnee liegt, dann brauche ich länger zur Bahn“, erzählt Lisa.
8:00 Uhr:
Schulbeginn. Jetzt steht entweder normaler Unterricht oder eine zweistündige Trainingseinheit auf dem Programm.
12:00 Uhr:
Mittagessen in der Mensa. Das Essen musste von Lisa vorab via Internet bestellt werden. „Das Mittagessen ist nicht so toll. Aber daran habe ich mich gewöhnt“, gibt sich Lisa gelassen.
17:30 Uhr:
Die Schule ist geschafft, das letzte Training ist beendet. Lisa macht sich nun auf den Heimweg.
21:00 Uhr:
Bettruhe im Internat. Nach einem harten Tag fällt Lisa todmüde in ihr Bett. In neun Stunden klingelt der Wecker.