Paludia – die einzige deutschsprachige Studentenvereinigung Lüttichs

Die studentische Nord-Süd-Verbindung

Eupen und Eifel trennt nicht nur das Hohe Venn, sondern auch so manche Sitte. Ganz klar, dass es da auch gelegentlich zu der einen oder anderen Meinungsverschiedenheit kommt. Doch es gibt eine Organisation, in der beide Kulturen schon seit Generationen freundschaftlich zusammenfinden: die Studentenvereinigung Paludia.
Text und Fotos: Nathanael Ullmann
In der Lütticher Paludia sind sowohl Studenten aus dem Eupener Raum als auch Studenten der Eifel zu Hause. Bereits 1960 gründete sich die VoG im Raum Malmedy-St.Vith. „Irgendwann kam dann Eupen dazu, und danach hat sich auch Malmedy abgespalten. Aber lange Zeit war die Paludia zweisprachig“, sagt der Paludia-Präsident Mike Margreve. Mittlerweile ist die Paludia die einzige deutschsprachige Studentenvereinigung in Lüttich. Margreve: „Das ist schon etwas Besonderes. Wenn wir beispielsweise eine Karnevals-Soirée organisieren, um unsere Kultur näher zu bringen, weil es in Lüttich keinen wirklichen Karneval gibt.“
paludia (4)Mike Margreve ist Präsident der Paludia.
Die Vereinigung hat derzeit etwa 30 bis 35 sehr aktive Mitglieder. Beim Stiftungsfest, dem Highlight des Jahres, kommen aber bis zu 130 aktive und ehemalige Mitglieder zusammen. Streit zwischen dem Norden und dem Süden gebe es an dieser Stelle keinen, so der 21-jährige Margreve. Man ärgere sich allenfalls gelegentlich, sonst sei die Herkunft kein Thema: „Wir sind Paludianer, nicht Eupener oder Eifeler“, so der Präsident. Selbst bei der Frage, bei welchem Karnevalszug, dem Eupener oder einem im Eifeler Raum, die Paludia denn mitgehe, habe die Vereinigung schnell gelöst. Die Eifel sei einfach praktischer gewesen, da man so den Umzugswagen nicht über das Hohe Venn hätte bringen müssen. Außerdem seien dieses Mal mehr Eifeler im Karnevalskomitee vertreten gewesen.
Mike Margreve weiß viele Beispiele zu nennen, die das enge Verhältnis von Eupen und Eifel in der Paludia aufzeigen. So gibt es beispielsweise ein paar Familien, sowohl aus Eupen als auch aus der Eifel, deren Mitglieder alle „getauft“ (also in die Paludia aufgenommen worden) sind und die noch heute jedes Jahr zusammen in den Center Park fahren. Auch Margreves Taufpate (also die Person, die den Täufling während der Vorbereitungszeit zur Studententaufe begleitet) ist aus Eupen, er selbst stammt aus Schoppen. Trotz allem kommen die beiden selbst heute noch „supergut“ miteinander aus, auch wenn selbstverständlich die Unterschiede gelegentlich deutlich werden: „Ich habe mit meinem Taufpaten oft Skat gespielt. In Eupen nennt man die eine Karte ‚Pik‘, in der Eifel heißt sie ‚Schöppe‘. Deshalb ist auch mein Taufname bzw. Biername ‚Schöppe‘“, erzählt der 21-Jährige. Dass das Gemeinschaftsgefühl in der Studentenvereinigung so stark ist, dafür sorgt mit Sicherheit auch die bereits erwähnte Taufe.
Was genau während dieses Ereignisses im Chapiteau, dem Festzelt in Lüttich, passiert, ist streng geheim. Aber ein paar Details verrät der Präsident der Paludia trotzdem: Den Anwärtern für die Aufnahme in die Paludia wird je ein Taufpate zugeteilt, der sie während der Taufvorbereitung begleitet. Alle Anwärter zusammen müssen während fünf bis sechs Wochen einmal die Woche eine „Bleusaille“ absolvieren, während der sie getestet werden. Beispielsweise müssen sie aneinander gebunden durch Lüttich laufen und Fotos schießen, oder es wird eine Stadttour gemacht, bei der ihnen die Sehenswürdigkeiten der Stadt näher gebracht werden.
Und natürlich werden den Novizen auch Studentenlieder gelehrt, die seit Generationen weitergegeben werden. Nach dieser Probezeit kommt dann die Taufe im Zelt, in der die Anwärter ein letztes Mal getestet werden. Bestehen sie diesen Test, werden sie getauft, bekommen ihren Tauf- bzw. Biernamen und dürfen fortan mit einer Penne, einer Studentenkappe, herumlaufen. Diese Mütze zieren verschiedenste Abzeichen. „Der Eupener Clown steht beispielsweise dafür, dass ich deutschsprachig bin. Jeder goldene Stern steht für ein bestandenes Jahr in Lüttich“, erzählt der 21-Jährige.
paludia (1) Und noch ein kleines Detail gibt es: Katholische Universitäten haben keinen Sonnenschutz vor der sogenannten „Calotte“, liberale Universitäten allerdings mit ihrer „Penne“ schon. Margreve erklärt, dass die Tradition ursprünglich dafür gedacht sei, damit Gott nicht sehe, was man während des Feierns so alles anstellt. Ist man einmal getauft, stehen einem sämtliche Türen bei der Paludia offen. So wird beispielsweise jedes Jahr im Juni ein Ausflug gemacht, Soirées werden veranstaltet und natürlich wird das erwähnte Stiftungsfest abgehalten. Das beginnt an einem Freitag mit einer kulturellen Aktion wie Theater oder Kino, am Samstag wird dann mit den Ehemaligen ein Museum besucht und Samstagabend wird dann die traditionelle „Kneipe“ abgehalten: „Da gibt es dann ein Präsidium, dass den Abend mit Liedern, Witzen und Reden leiten muss. Und für gewisse Aktionen, beispielsweise, wenn jemand reden oder aufs Klo gehen will, gibt es lateinische Formeln“, ist Mike Margreve begeistert. Besonders schön ist es, wenn die „Kneipe“ um zwei Uhr beendet ist und dann alte und neue Paludianer, aus Nord und Süd zusammenfinden  – beispielsweise, um Luftgitarre zu spielen und um die Wette zu feiern.
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