Zufluchtsort Friseursalon

Seit drei Jahren ist Murat* in Belgien. Der 18-Jährige ist mit seinen Eltern aus der Türkei geflüchtet. Momentan besucht Murat den Teilzeitunterricht des Robert-Schuman-Instituts in Eupen, um seinem großen Traum einen Schritt näher zu kommen: ein eigener Friseursalon. Doch dem ­fleißigen Jugendlichen werden Steine in den Weg gelegt.
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Text: Mario Vondegracht
Foto: David Hagemann
Murats ­Eltern stammen aus dem Libanon. Im Laufe des Bürgerkriegs, der von 1975 bis 1990 das Land verwüstet, flüchten die Familie in die Türkei, wo sie die türkische Staatsangehörigkeit annehmen. Doch das Land ist nur eine Durchgangsstation für die Großfamilie. Irgendwann landen sie in Steinfurt (Deutschland), wo Murats Vater anschließend einen Autohandel betreibt. Murat ist acht Jahre alt, als die Eltern im Jahr 2005 beschließen, von Steinfurt wieder in die Türkei zurückzukehren. Die Familie, mittlerweile sechsköpfig, will dort ein neues Leben beginnen.
Doch nach sieben Jahren Aufenthalt unweit der syrischen Grenze läuft irgendetwas schief. 2012 flüchtet die Familie wieder, diesmal mit dem Ziel Belgien. „Über diese Reise will ich nicht reden“, sagt Murat, der seit wenigen ­Wochen 18 Jahre alt ist. In Brüssel stellt die Familie, die zwischenzeitlich Nachwuchs erhalten hat, einen Asylantrag. Das Verfahren läuft immer noch und hält die ganze Familie tagein tagaus in Atem. Die drei großen Schwestern sind verheiratet. Ihre Zukunft ist genauso gesichert wie jene des großen Bruders, der die deutsche Staatsangehörigeit annehmen konnte. Murat und sein elfjähriger Bruder, der in Lontzen zur Schule geht, wohnen mit ihren Eltern nach der Ankunft in Brüssel zunächst in einem Asylbewerberheim des Roten Kreuzes. Die Familie bezieht ein einziges Zimmer. „Immer noch besser als ein Einzelzimmer“, sagt Murat: „Man weiß nie, was da in einem Heim für Personen herumlaufen.“ Sechs Monate vergehen, bis die Asylbewerberbehörde der Familie eine kleine Wohnung in der Nähe von ­Lüttich zur Verfügung stellt. Schön ist es dort aber nicht. Murat geht dort zur Schule, doch er versteht kein Wort. Murat kann Türkisch und Deutsch, Französisch ist ihm aber völlig fremd. Als die Familie nach Herve umzieht, besteht Murat darauf, in Eupen zur Schule zu gehen. Er entscheidet sich für den Teilzeitunterricht am Robert-Schuman-Institut. „Ich wollte arbeiten“, so der junge Türke: „Mein Traum? Ich möchte Friseur werden und einen eigenen Salon haben.“ Dafür absolviert Murat jede zweite Woche sein Praktikum bei einem Friseur in der DG.
Abends kommt Murat erst gegen neun Uhr in sein neues Zuhause. Die Sozialwohnung, in der ein Gemisch aus Arabisch, Türkisch und Deutsch gesprochen wird, hat die Migranten-­Familie vor einigen Wochen in ­Herbesthal bezogen. „Ich treffe mich beispielsweise noch abends mit einem Freund und wir gehen etwas spazieren“, sagt der Praktikant, der in diesem Land noch nicht ganz angekommen ist. Aufgrund seines Status‘ darf er zum Beispiel keinen Führerschein machen. Ob er nach dem Sommer, wenn seine schulische Laufbahn endet, eine Ausbildung ­beginnen darf, ist unklar. Das gilt auch für seine Eltern, die derzeit ebenfalls nicht arbeiten (dürfen). „Falls das Unaussprechliche  eintreffe, dann weiß ich nicht, was ich tun soll“, sagt Murat. In Belgien gefällt es ihm auf jeden Fall sehr gut. Murat, der abends gerne Fernsehen schaut und nicht so oft auf Facebook abhängt („Zeitverschwendung“), sagt: „Ich habe mich an mein Leben hier gewöhnt.“
„Murat ist ein fleißiger Junge, der respektvoll und freundlich mit den Kunden ist“, sagt der Inhaber des Friseursalons, in dem Murat seit fast anderthalb Jahren Praktikant ist. „Als wir der Lehrerin gesagt haben, dass wir gerne einen Schüler aufnehmen, wussten wir nicht, dass Murat dieser Junge ist und dass er Türkisch spricht“, so der Friseur. Mittlerweile sei er wie ein „Bruder“, ein Teil der Familie.
Murat kommt derweil im Gespräch mit Kunden mit vielen Lebensweisheiten um die Ecke. Sie lauten: „Du brauchst nur einen guten Freund und nicht hundert Bekannte“ oder „Das Leben besitzt keine Garantie“. Wenn man Murat zuhört, merkt man, dass er viel durchgemacht haben muss. Er wirkt reifer, er könnte locker 25 Jahre alt sein. Ob ihm das nun weiterhilft, steht in den Sternen. Oder in einem von Paragraphen überhäuften Papier in einem tristen Büro der Brüsseler Asylbehörde.

*Der Name wurde von der Redaktion ­geändert

Nirgendwo angekommen

Sie wurden aus ihrer Heimat vertrieben, mussten flüchten und haben in Belgien und Umgebung eine neue Bleibe gefunden. Im Jugendtreff X-Dream in Eupen sind Raschid (23), Benjamin (22) und Lena (22) mittlerweile Stammgäste. Dort haben sie uns erzählt, wie sie sich in ihrer neuen ­Heimat ­Belgien fühlen, und was sie noch mit ihrem Geburtsland verbindet.
Text und Fotos: Nathanael Ullmann
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Die Flucht in ein neues Land kann verwirrend sein. Raschid (23) weiß das nur zu gut.

Raschid, Benjamin und Lena sind Kriegsflüchtlinge aus Tschetschenien, Serbien oder Bosnien. Um die Jahrtausendwende kamen die drei nach Belgien. Während Benjamin erst ein Jahr und drei Monate alt war, als seine Eltern aus der Heimat flüchteten, lebte Lena bis zu ihrem achten Lebensjahr in Bosnien. Sie erinnert sich noch gut an die Flucht, vor allem aber an die Verständigungsschwierigkeiten im Flüchtlingslager in Xanten: „Ich kannte damals auf französisch nur ‚oui‘ und ‚non‘. Als man mich auf Französisch fragte, wie ich heiße, habe ich immer nur ‚non‘ geantwortet.“ Jeden Tag habe sie gebetet, dass das alles nur ein Traum sei und sie wieder Zuhause aufwache. Über Umwege kam sie dann nach Eupen, musste die deutsche Sprache lernen. „Mittlerweile kann ich mich sogar besser auf Deutsch verständigen“, sagt die 22-Jährige. Zuhause unterhalten sich die Jugendlichen aber nach wie vor in ihrer Muttersprache. „Aber manchmal haben wir dann doch ein paar deutsche Worte dazwischen, weil uns die anderen nicht mehr einfallen“, sagt Raschid.
Die Frage nach ihrer wahren Heimat beantworten die Jugendlichen ganz unterschiedlich. Lena fühlt sich immer noch als Bosnierin und nicht, wie es in ihrem Pass steht, als Belgierin. Zuhause sei da, wo die Mutter sei, hat Raschid einen anderen Blick auf die Dinge. Und Benjamin ist irgendwie beides: Er sei Bosnier, aber mit belgischer Nationalität. Doch insgesamt, da sind sich die Jugendlichen einig, sind sie immer irgendwo dazwischen: „Hier wird man als Ausländer beschimpft, drüben in der Heimat sind wir Touristen“, bringt es Benjamin auf den Punkt. Er fährt jedes Jahr in seine Heimat nach Serbien, hat nach wie vor Familie dort. Allgemein haben die drei Jugendlichen noch regelmäßig Kontakt zu ihrem Geburtsland. Sei es über Freunde oder Facebook: Auf dem neusten Stand, was in ihrem alten Zuhause vor sich geht, sind sie immer. Aber leben wollen sie dort nicht mehr. Sei es wegen der Sprache oder wegen des zu geringen Einkommens, ihr Wunschwohnort ist und bleibt die Region: „Was das Arbeitslosengeld  und die Sozialhilfe anbelangt, ist Belgien einfach sehr gut“, so Lena.

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Die Jugendlichen im Jugendheim gehen mit den Vorurteilen zum Teil ironisch um, wie dieses T-Shirt zeigt.

Mit krassen Anfeindungen haben sie hier auch immer seltener zu kämpfen. Früher sei das etwas anderes gewesen, da wurde „einem des öfteren etwas hinterher gerufen“. Doch mittlerweile hat sich das geändert. „Vielleicht“, so vermutet es Raschid, „ist es mittlerweile eben normal, dass Muslime dazugehören“. Doch wenn die drei jungen Erwachsenen manche rassistischen Anfeindungen in hiesigen Online-Foren lesen, schürt das doch eine gewisse Wut: „Ich bin das beste Beispiel, dass es nicht so ist, wie man es den Muslimen nachsagt“, sagt Lena selbstbewusst. Tatsächlich zeigt sie äußerst viel Engagement, arbeitet im Jugendheim selbst mit und will später Erzieherin werden.
Jugendzentrums-Leiterin Marie-Claire Hellmann kann die positive Einstellung der Jugendlichen nur bestätigen. „Familiärer als zur Zeit habe ich es hier noch nie gehabt. Alle Nationalitäten treffen hier aufeinander und kommen gut miteinander aus“, so Hellmann. Nur die belgischen Jugendlichen blieben dem Jugendzentrum in letzter Zeit fern – leider.

Kommentar zu Tinder: „Wisch und weg!“

Von Annick Meys

Ich muss vorwegnehmen: Ich bin vergeben. Aus Neugierde, und um mitreden zu können, lade ich die Tinder-App trotzdem auf mein Smartphone. Das Anmelden geht über den Facebook-Account ratzfatz. Das Prinzip ist selbsterklärend: Gefällt einem ein Bild, schiebt man es nach rechts. Ein Wisch nach links und das Profil kommt einem nie wieder unter. Da ich aber offenbar zu wählerisch bin, generiere ich zunächst keine einzige Übereinstimmung und darauf kommt es schließlich an. Ohne Match kein Chat. Ich fahre also meine Ansprüche herunter – mit Erfolg. „You‘ve got a match“ zeigt die App an. Was dann folgt, ist allerdings sehr ernüchternd. „Na süsse, was machst du den?“, schreibt Frank. Na toll! Ich weiß nicht, was schlimmer ist – die Ansprache oder seine Rechtschreibung. Der zweite Match fällt direkt mit der Tür ins Haus: „Schickst du mir Nacktbilder?“, fragt mich einer, auf dessen Anzeigebild zwei süße Katzenbabys zu sehen sind. Deswegen vermute ich auch, dass Paul, der sich angeblich 65 Kilometer von mir entfernt befindet, entweder gar nicht mal so gut aussieht, oder vergeben ist, womöglich verheiratet und hier nicht erkannt werden möchte. Ich finde Paul ganz schön dreist und schicke ihm ein höfliches Nein. Er antwortet, indem er mich aus dem Chat kickt. Die folgenden Kontakte sind zunächst ganz in Ordnung. Viele fragen, was ich hier suche. Auf die gleiche Gegenfrage lautet die Antwort meist: „Was sich eben ergibt“. Dann folgt langweiliger Smalltalk, der nicht über Job und Hobbys hinauskommt. Schließlich läuft es aber doch meistens auf dieselbe anzügliche Leier hinaus. Sicher sind nicht alle so, bestimmt habe ich einfach nur falsch gewischt. Eine neue Nachricht kündigt sich an: „How are you?“, „Fine, and you?“, „Do you wanna f***?“, „No“, „Ok, bye“. Ich melde mich ab und lösche die App schnell wieder. Ich bezweifle, dass hier irgendjemand die große Liebe findet. Genausowenig glaube ich aber, dass jemand ernsthaft bei Tinder danach sucht. Unterhaltsam ist die App trotz alledem.

Von J1T zum GE-Reporter

Jeder Sportinteressierte dürfte schon einen Artikel von Mike ­Notermans im GrenzEcho gelesen haben. Den ersten schrieb der Eupener vor knapp zwei Jahren, denn 2013 machte Mike bei der GrenzEcho- und BRF-Aktion „Journalist für einen Tag“ (J1T) mit. Jetzt sitzt er täglich in den Räumen der Redaktion am Eupener Marktplatz, als fester GE-Reporter.
Von Mario Vondegracht
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Mike Notermans vor zwei Jahren im Gespräch mit Fußballprofis der AS Eupen. Sein Artikel zum Projekt der „Aspire Academy“ landete schließlich sogar auf Seite 1 der GE-Tagesausgabe. Archivfoto: David Hagemann

Alles hatte damit angefangen, dass Mikes Lehrer im Abi­turjahr des Königlichen Athenäums Eupen sich wieder für die J1T-Woche beworben hatten. „Ich war gespannt darauf, den Alltag einer Redaktion kennenzulernen“, erinnert sich Mike heute. Damals wurde ihm und seinem Kumpel Pierre Nyssen die Rolle des Chefredakteurs zugeteilt. „Im Nachhinein“, so der 22-Jährige, „war das ein sehr stressiger Job“. Und dabei haben die Schüler an einem Arbeitstag nur einen recht kleinen Teil der Zeitung füllen müssen. „Viele der Artikel, die am nächsten Tag erscheinen sollten, wurden erst im späten Nachmittag fertig“, weiß Mike noch gut. Der Jungjournalist lacht, als er erzählt, dass die schwierigste Aufgabe gewesen sei, die Texte der eigenen Freunde zu streichen bzw. jene den ganzen Tag herum zu kommandieren, „ohne dabei gleich einen Streit vom Zaun zu brechen“. Mike hat allerdings auch selber Texte für die vier Seiten starke Mini-Zeitung geschrieben, die im Innenteil des normalen GrenzEcho erschien. „Ich habe mich im Zuge meiner Endarbeit über das katarische Projekt ‚Aspire Football Dreams‘ mit zwei Fußballprofis der AS Eupen getroffen und ihre Geschichte erzählt. Die Story muss ganz gut angekommen sein und landete am nächsten Tag als Aufhänger auf Seite 1 der Tagesausgabe“, sagt Mike nicht ohne Stolz. Der Job des Journalisten reizt Mike schon lange. Vor allem Sportthemen liegen dem Eupener. „Im Laufe meiner Schulzeit habe ich gemerkt, dass mir das Schreiben ganz gut liegt und vor allem Spaß macht.“ Mit seinem besten Freund Jens Leys („der als Fanbeauftragter der AS Eupen übrigens eine hervorragende Arbeit verrichtet“) hat Mike im Alter von 17 Jahren eine Internetseite für AS-Fans ins Leben gerufen. Dadurch wurde die damalige Vereinsführung der AS unter Ingo Klein auf Mike und seinen Kumpel aufmerksam. Mike erinnert sich: „Während beinahe zwei Spielzeiten durften wir die Mannschaft dann begleiten und haben für die AS-Webseite geschrieben. Insbesondere die Auswärtsfahrten, bei denen wir wegen unseren fehlenden Akkreditierungen nie wussten, ob wir ins Stadion kommen oder nicht, waren immer lustig.“ Doch wie führte sein Weg nach der Teilnahme an J1T zum GrenzEcho? „Ich hatte eigentlich nach dem Abitur geplant, eine Ausbildung als Medienkaufmann zu starten. Da ich aber im Endeffekt keine passende Stelle gefunden habe, habe ich mich ein Jahr lang als freier Mitarbeiter durchgeschlagen und eine Lehre im Baubetrieb meines Vaters angefangen“, schildert Mike seinen beruflichen Werdegang. Vor allem die Zeit als freier Mitarbeiter hat ihm die Türe zum Grenz­Echo geöffnet. Nach „Journalist für einen Tag“ ist er mit der GE-Redaktion in Kontakt geblieben. „Irgendwann hatte ich mich dann als freier Mitarbeiter beworben und wurde relativ schnell ins Boot geholt“, so Mike. Durch eine freie Stelle aufgrund einer Schwangerschaftsvertretung ist Notermans jetzt seit Anfang des Jahres als Redakteur beim GrenzEcho fest angestellt. Doch was ist eigentlich so spannend an dem Beruf? Mike antwortet: „Die Tatsache, dass man oft neue Sachen sieht und kennenlernt. An viele Personen oder Informationen würde man ja sonst überhaupt nicht herankommen.“
Zur Info: Wer Fragen an Mike hat, kann sich jederzeit (Mail: mnotermans@grenzecho.be) bei ihm melden.

Hintergrund Was ist J1T?

● Die Aktion „Journalist für einen Tag“ (J1T) knüpft an eine gleichnamige internationale Veranstaltungsreihe an, die einst sehr erfolgreich landes- und europaweit Schüler für einen Tag an den Beruf des Journalisten herangeführt hat.
● Seit 2009 lassen das GrenzEcho und der BRF diese Reihe in der D­G wieder aufleben.
● Während einer Woche schlüpfen die Schüler aus fünf Schulen an jeweils einem Tag in die Rolle eines Journalisten, Redakteurs, Fotografen, Kameramanns …
● Die Schüler recherchieren die Themen selbst, sie berichten über das, was sie bewegt und interessiert. Aufwändigere Recherchen oder Interviews werden im Vorfeld erledigt.
● Am Tag selbst produzieren die Schüler, behalten die aktuellen Geschehnisse im Blick, gehen zu Pressekonferenzen und vieles mehr. Dabei werden sie von Journalisten und anderen Fachkräften begleitet.
● Am Abend stellt jedes Team den Kollegen die Arbeit vor. Gemeinsam werfen die J1Tler einen Blick ins GrenzEcho von morgen, sehen den Bericht im BRF-Blickpunkt, hören die Beiträge in BRF-Aktuell und blicken mit der Internetredaktion (www.j1t.be) auf den Tag zurück.
● Eine der spannendsten Aufgaben ist, die vier Medien unter einen Hut zu bringen: Gegenseitige Werbung und Hinweise auf die ergänzenden/anderen Informationen im TV, Radio, Internet und der Zeitung.
Die Aktionswoche startet am 2. und dauert bis zum 6. März.

Was bei übermäßigem Alkoholkonsum auf dem Spiel steht

Gerade zu Karneval ist gegen ein paar Gläser Bier wohl nichts einzuwenden. Damit der Abend aber nicht mit einem Besuch in der Notaufnahme endet, sollte einiges beachtet werden. Guido Klinkenberg, Chefarzt am St.Nikolaus-Hospital in Eupen, erklärt, was in Sachen Alkohol geht und was bei übermäßigem Konsum auf dem Spiel steht.

 

Von Annick Meys

 

Ab wie viel Promille spricht man von einer Alkoholvergiftung und ab wann wird es lebensbedrohlich?
Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Es spielen verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel Alter, Körpergewicht und Trinkgewohnheiten, eine Rolle. Bei Jugendlichen ist man bei zwei Promille sicherlich in einem sehr ungesunden Bereich. Ab drei Promille kann man von einem lebensbedrohlichen Zustand sprechen.
Welche Menge Alkohol muss ein durchschnittlicher Mann getrunken haben, um diesen Zustand zu erreichen?
Das ist auch wieder sehr abhängig von den Trinkgewohnheiten, von der körperlichen Verfassung, Körpergewicht usw. Es hängt auch davon ab, ob man Bier trinkt, oder Hochprozentiges. Ein wichtiger Aspekt ist auf jeden Fall der Zeitfaktor. Wenn ein Jugendlicher über den Tag verteilt sechs Biere trinkt, wird er das wohl verkraften. Trinkt er sie innerhalb von zwei Stunden, wird das deutlich mehr Effekt haben. Der Alkohol kann so schnell vom Körper nicht abgebaut werden. Je mehr Menge in einem kurzen Zeitfenster getrunken wird, je mehr Effekt wird es haben. Das ist auch das Problem bei Jugendlichen, die trinken schnell große Mengen und hohe Dosierungen. Das kann schnell böse enden.
Karneval herrscht in der Notaufnahme sicher Hochkonjunktur, oder?
Die stressigen Tage sind für uns die Altweibernacht und der Karnevalssamstag. Es ist aber schon ruhiger geworden. Ich erinnere mich an ein Jahr, da war es ganz schlimm. Die Stadt hatte die ganz schlechte Idee, in einem Zelt auf dem Werthplatz Freibier zu verteilen. Das haben die Jugendlichen ausgenutzt und wurden reihenweise bei uns eingeliefert. Das ist dann zum Glück nicht mehr gemacht worden.
In welchem Zustand befinden sich die Patienten, die Karneval wegen Alkohol in der Notaufnahme landen?
In der Notaufnahme landet niemand, der einfach nur betrunken ist. Zu uns kommen die Leute, die vom Rettungsdienst öffentlich aufgelesen werden, die zusammengebrochen sind und sichtlich nicht mehr gehfähig und ansprechbar sind und deren Zustand offensichtlich lebensbedrohlich ist.
Wie wirkt der Alkohol im Körper?
Der Alkohol greift mehrere Organe an. Am schnellsten betroffen ist das Nervensystem, also das Gehirn. Zuerst lässt die Koordination, die Feinmotorik nach. Je mehr Alkohol man dem Gehirn in kürzester Zeit zumutet, je weniger leistungsstärker wird es. Die normalen neurologischen Mechanismen verlassen uns: Wir sprechen undeutlich, können nicht mehr klar denken, sind nicht mehr sicher auf den Beinen, wir fallen hin, wir verlieren das Bewusstsein und die Erinnerung. Im schlimmsten Fall kann das zu einer Herzschwäche und einer nicht mehr ausreichenden Atmung führen. Dadurch bestehen dann auch nicht mehr die Schutzreflexe, sodass man, wenn man sich erbricht, das Erbrochene unter Umständen wieder einatmet. Das hat dann immer eine lebensbedrohliche Situation zur Folge.
Wie wird der Patient dann behandelt?
Er wird zuerst neurologisch untersucht. Wir wissen ja nicht, ob der Patient nur im Alkoholrausch ist, und deswegen nicht ansprechbar, oder ob er möglicherweise gestürzt ist und innere Verletzungen hat. Und dann bekommt er Infusionen angelegt, um das Blut zu verdünnen. Wenn der Zustand es erfordert, muss der Patient intensiv überwacht werden, bis hin zur künstlichen Beatmung.
Wird auch der Magen ausgepumpt?
Das ist keine klassische Maßnahme bei übermäßigem Alkoholkonsum, sondern eher bei Medikamentenkonsum. Wenn jemand bereits komatös ist, dann ist das ja schon die Auswirkung des Alkohols, das im Blut ist. Dadurch kann man das ja nicht wieder herausfiltern.
In welchem Alter sind die Patienten?
Das reicht von 13 bis 83 Jahren.
Also nicht auffällig viele Jugendliche?
Nein.
Was kostet der Aufenthalt in der Notaufnahme?
Das hängt davon ab, was gemacht wurde. Im teuersten Fall kann das die Krankenkasse ein paar 1.000 Euro kosten.
Wie viele Gehirnzellen riskiert man bei einem Vollrausch?
Da man nicht genau weiß, wie viele Gehirnzellen ein Mensch überhaupt hat, – Es sind ein paar Millionen – kann man auch nicht messen, wie viele er bei einem Vollrausch verliert. Sicher ist aber, dass das Hirn nach einmaligem Rausch keine schlimmeren Schäden davonträgt. Es wird erst zum Problem, wenn es regelmäßig passiert.
Wie lange dauert es, bis der Körper sich von einem Vollrausch erholt hat?
Das braucht schon etwa acht Stunden.
Stimmt es, dass frische Luft die Wirkung von Alkohol noch verstärkt?
Nein, das ist ein Mythos. Es ist eher so, dass die Leute nach draußen gehen, sobald sie merken, dass es ihnen schlechter geht.
Was sollten Jugendliche beim Trinken beachten?
Es geht darum, dass man sich Zeit nimmt beim Trinken. Schnelles Trinken ist extrem gefährlich. Auf jeden Fall sollte auf Hochprozentiges verzichtet werden.
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Kommentar: Allgemeine Sperrstunde für alle Kneipen ist kein Ansatz

Wir, eine junge und emanzipierte Eupener Rausgeh-Generation, müssen uns derzeit mit zahlreichen Schwierigkeiten herumschlagen. Nach dem Rauchverbot, das die Gäste zum Rauchen auf den Bürgersteig beförderte, soll jetzt auch noch die Sperrstunde strenger kontrolliert werden. Grund: Die Raucher auf den Bürgersteigen sind zu laut. Ha… dass ich nicht lache!
Wir werden zu unabhängigen und möglichst selbstständigen jungen Menschen erzogen, sollen aber jetzt nicht mehr selbst entscheiden dürfen, wann Schicht im Schacht ist? Es sollte meine eigene Entscheidung sein, ob ich um ein Uhr nach Hause gehe oder doch bis sechs Uhr bleibe, damit ich auch am nächsten Tag noch ein Andenken an den Vorabend habe.
Als Kellnerin kann ich auch die Wirte verstehen, die um ihre Existenz bangen. Oft sitzen bis 23 Uhr nur wenige Stammkunden an der Theke, bevor dann Schlag auf Schlag von überall her trinkfreudige Kundschaft angekrochen kommt, die einen dann bis früh morgens auf Trab hält und natürlich den Lohn in die Kasse trinkt.  Und dennoch… Eupen ist nicht das Carré. In einer Stadt wie Eupen kann nicht einfach zu jeder Tages- und Nachtzeit in den Straßen gefeiert, gegrölt und gesungen werden, denn es gibt fleißige, arbeitende Menschen, die verständlicherweise gerne abends ihre Ruhe und nachts ihren Schlaf hätten. Umherfliegende Blumenkübel, umgetretene Mülleimer und Schlägereien, bei denen die Besoffenen meist ihr Ziel nicht mehr treffen können, zeugen von Respektlosigkeit und selbstverständlich sollte dem Einhalt geboten werden. Allerdings ist eine allgemeine Sperrstunde für alle Kneipen hier der falsche Ansatz. Vielmehr sollten die wenigen Störenfriede, die ihr besoffenes und zerstörwütendes Klientel in den Straßen herumlaufen lassen, ermahnt und notfalls eben gemaßregelt werden. Dass die Polizei sich offen zeigt und bereit ist, bei beschwerdefreien Kneipen auch mal ein Auge zuzudrücken, statt den Laden um eine bestimmte Uhrzeit dicht zu machen, macht Hoffnung und zeigt, dass die Polizei eben doch unser aller Freund und Helfer ist.

 
desireeDésirée Radermacher ist freie Mitarbeitern des GEneration-Magazins und des GrenzEchos. Als Kellnerin in der Pigalle hört sie oft die Jugendlichen klagen über das Partyleben in Eupen.

„Kissing Gourami“ gewinnen GEtAct 2014!

Wie jedes Jahr organisierte das GrenzEcho in Zusammenarbeit mit Chudoscnik Sunergia den Musikvideo-Wettbewerb „GEtAct“. Um am Wettbewerb teilzunehmen, genügte es, ein Video seiner Band auf www.grenzecho.net/getact hochzuladen. Das best bewerteste Video war schließlich das von „Kissing Gourami“.

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Abgestimmen konnten die User vom 1. bis zum 30. April (23:59 Uhr). Die Vorgabe war klar: Die Band, dessen Video die beste Bewertung besaß, gewinnt einen Auftritt beim Eupen Musik Marathon und ein Fotoshooting sowie ein professionelles Musikvideo, produziert von den Profis von Paperplane Productions.

In diesem Jahr konnten sich „Kissing Gourami“ mit ihrem Song „In Your Dreams“ unter den acht eingereichten Videos durchsetzen. Der 2. Platz geht an „Farah Rieli & Band“.

„Kissing Gourami“ ist eine Formation, die aus den Downbeat-Musikern Korneel Steukers (Gesang, Gitarre), David Kirschvink (Bass) und Olaf Klopprogge (Drums) besteht. Die drei, die mit einem Live-Mitschnitt eines Konzertes in Hauset (im März 2014) teilgenommen haben, werden nun im Juni beim Eupen Musik Marathon auftreten.

Die Top 5 im Überblick:

 

# Video Dauer Aufrufe Wertung (/5)
1 Kissing Gourami

5:13 889 4,5
2 Farah Rieli & Band

4:24 722 4,2
3 White Orchid

3:25 737 4,1
4 The Great

3:55 353 3,8
5 Dear Mama

3:56 328 3,6

 

Das GrenzEcho bedankt sich bei allen teilnehmenden Bands.

GEneration sucht den GEtAct 2014

Musikbands und Solokünstler aufgepasst: GEneration, das Jugendmagazin des Grenz-Echos, lanciert in Zusammenarbeit mit Chudoscnik Sunergia zum mittlerweile sechsten Mal den Musikvideo-Wettbewerb GEtAct. Auf der Webseite www.grenzecho.net/getact können hiesige Bands oder Künstler ihre Musikvideos ab sofort hochladen. Die Videoplattform ist für die diesjährige Ausgabe bereits freigeschaltet. Ab Dienstag und bis zum 30. April darf jeder User dann fleißig für seinen Videofavoriten voten. Dabei sind Aufnahmen gleich welcher Art willkommen, ob künstlerisches Musikvideo oder mitreißender Konzertmitschnitt. Auch die Musikrichtung spielt keine Rolle: Rock oder Volksmusik, Coverstück oder Eigenkomposition – es werden keine musikalischen Grenzen gesetzt. Einzige Bedingung: Die Clips sollten maximal 15 Minuten lang sein, denn in der Kürze liegt die Würze. Für den Upload der Videos reicht eine kurze Registrierung. Neben den Bewertungen der Internetuser können gleichzeitig auch persönliche Kommentare zu den einzelnen Videobeiträgen abgegeben werden.

421_008_101770_St_Vith_MusImperial Tunfisch haben den Wettbewerb im letzten Jahr gewonnen. Hier ein Bild ihres Auftritts bei der St.Vither Musiknacht. Foto: GE-Archiv

Als Hauptpreis winkt der Gruppe oder dem Solokünstler mit dem höchst bewertesten Video ein Auftritt beim Eupen Musik Marathon (EMM), der am 28. und 29. Juni in der Innenstadt Eupens über die Bühne gehen wird. Doch nicht nur das. Zum einen wartet ein professionelles Fotoshooting mit dem Grenz-Echo-Fotografen David Hagemann auf den oder die Musiker. Zum anderen konnte GEneration zum zweiten Mal in Folge mit Paperplane Productions eine Videoproduktionsfirma an Land ziehen, die den Auftritt der Gewinnerband beim EMM zu einem dreiminütigen Image-Film professionell zusammenschneiden wird.

Grund genug also, sich jetzt eine Kamera zu schnappen, ein kreatives Video zu drehen und es auf www.grenzecho.net/getact hochzuladen. So haben es nämlich auch die Eupener Jungs von Imperial Tunfisch im letzten Jahr gemacht. Die Newcomer-Band konnte sich mit ihrem Video zum Lied „Special World“ unter den 13 eingereichten Videos durchsetzen. Auf dem zweiten und dritten Platz landeten Farah Rieli (mit „My Weapon“) und T84 (mit „Nights like days“).

Alle Musikvideos (auch aus den Vorjahren) kann man sich jederzeit auf der Internetseite der GEneration-Aktion anschauen.

Warum Bloggen wichtig ist!

Viele Menschen glauben, dass Bloggen nichts für sie ist. Sie treten dem Medium skeptisch gegenüber, denken, dass es nur ein Mittel von Menschen ist, sich selber in den Vordergrund zu stellen. Und natürlich. Es schwingt bei einem Blogger auch wenig die Suche nach Selbstbestätigung mit, doch die gute Nachricht lautet: Die Blog-Welt ist unbegrenzt und voll mit spannenden Themen. Viele haben bereits erkannt, dass der Blogger sein eigener Herr ist (und kein Mark Zuckerberg kurz die Regeln ändert), dass der Blogger seine Meinung äußern kann, ohne Angst zu haben, zensiert zu werden. Und dass der Blogger sich das Thema selbst aussuchen kann. So gibt es Blogs über Mode (wie der von Ann Piraprez), über Technologie und das Internet (www.saschalobo.com), über sehr viele Themen (www.kraftfuttermischwerk.de), über die eigene, tödliche Krankheit (www.sandraschadek.de) oder über den Tod des eigenen Vaters (www.fraumeike.de). Blogger bereichern die (Medien-)Welt und was noch wichtiger ist: Sie tragen zur Meinungsvielfalt bei.