Beauty is her Business

Die neuesten Trendfarben für Nagellack und Co., die fünf Wege zu reiner Haut oder die Beautytipps von Claudia Schiffer – Joana Greimers kennt sie alle, die Geheimnisse der Schönheit. Seit November 2012 arbeitet die 25-Jährige aus Büllingen in München als Beauty-Redakteurin von Lifestyle- und Fashionmagazinen. Als Cosmo-Girl hat sie es bis ganz oben geschafft.

Von Sofia Hammes

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Joana als frischgebackenes Cosmo-Girl in ihrer Wohnung in München. Foto: privat

München, eine klitzekleine Wohnung in der Nähe der Hohenzollernstraße. Hier hat die 25-jährige Joana Greimers aus Büllingen ihr neues Zuhause gefunden. „Mein Schuhkarton“, wie die sympathische Brünette liebevoll meint. Fashion-und-Beauty-Tempel würde wohl auch passen. Denn Joana hortet hinter den vier Wänden ihrer kleinen Wohnung einen wahren Frauentraum. Die neuesten Nagellacke von Chanel, Gesichtswasser von Vichy, Parfum von Yves Saint Laurent. Denn Beauty ist Joanas Job. Als Beauty-Redakteurin beim Online-Fashion-Magazin Stylight darf sie sich tagein tagaus mit den im wahrsten Sinne des Wortes schönen Dingen im Leben beschäftigen. „Ich bin ständig auf der Suche nach den neuesten Trends in der Branche. Welche Lidschatten sind gerade angesagt? Was gibt‘s Neues im Anti-Aging? All solche Dinge“, plappert Joana drauf los. Dazu reist sie immer wieder herum. Einmal die Woche steht die 25-Jährige am Flughafen und jettet zu Produktvorstellungen oder Interview-Terminen nach Paris, London & Co. „Aus meinen Erfahrungen mache ich dann Artikel oder Guides für die Leser.“ Erst seit Anfang April ist Joana beim Online-Magazin dabei. Davor hat sie für einen ganz großen Namen in der Branche gearbeitet: die Cosmopolitan. Damit gerechnet hätte Joana wohl nie.

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Joana bei Recherche-Arbeiten für eine Seite rund um das Thema „Duften wie frisch geduscht“. Foto: privat

„Eigentlich bin ich so in die Szene reingerutscht. Nachdem ich meinen Bachelor in Kommunikations- und Informationswissenschaften im Sommer 2012 in Brüssel abgeschlossen hatte, wusste ich einfach nicht, welche Option ich als Master wählen soll“, gibt die Büllingerin offen zu. Kurzerhand versuchte die damals 21-Jährige ihr Glück bei verschiedenen Lifestyle-Zeitschriften, um bei einem Praktikum hoffentlich herauszufinden, was ihr Ding ist. Und Joana hatte Glück: Bei einer kleinen Lifestyle-Zeitschrift in München fand sie eine Praktikumsstelle in der Beauty-Redaktion – und Fragen auf ihre Antworten. „Schon nach drei Wochen wusste ich: Das ist mein Traumjob! Und dafür gebe ich jetzt alles“, erzählt Joana mit Herzblut. Gesagt, getan. Während Joana als Praktikantin noch Schränke mit den Beauty-Produkten aufräumen und Bildunterschriften à la „Chanel-Nagellack NR. 18, 24.99 Euro“ texten musste, erarbeitete sie sich bei weiteren Stellen bei der Madame und der Myself nach und nach immer mehr Verantwortung. Sie produzierte eigene Seiten und Fotoreihen, traf Stars und sprach mit weltweit renommierten Experten. Bis die Cosmopolitan bei ihr anklopfte. Das bekannte Frauenmagazin hatte von Joanas Arbeitseifer gehört und wollte sie unbedingt unter ihre Fittiche nehmen. Ein Angebot, das die Büllingerin natürlich nicht ausschlug.

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Yves-Saint Lorent, Dior, Chanel. Joanas Lieblingsprodukte für ein gelungenes Ausgeh-MakeUp. Foto: privat

Das alles klingt ein bisschen nach der bekannten Hollywood-Komödie „Der Teufel trägt Prada“, in der sich die naive Uni-Absolventin Andy zur erfolgreichen Assistentin der biestigen Chefredakteurin einer erfolgreichen Mode-Zeitschrift mausert. Doch Joana kann die Vorurteile über die Branche, die in dem Hollywoodstreifen bissig inszeniert werden, nicht bestätigen: „Meine Chef-Redakteurin bei der Cosmo war super nett und allgemein ist vor allem die Beauty-Branche total easy-going“, beschreibt Joana ihre Erfahrungen. Natürlich gebe es immer wieder Leute, die abgehoben seien oder auf dem Egotrip. „Aber es ist nicht so wie im Film, dass alle total aufgetakelt sind oder High-Heels tragen. Alle sind gut gestylt, aber auf natürliche Art. Da arbeiten ganz normale Menschen“, ist Joana überzeugt. Und die seien immer total begeistert gewesen, wenn Joana von ihrer Heimat erzählt. „Die wissen ja alle nicht, dass es eine Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien gibt. Am meisten beeindruckt sind die Leute aber, wenn sie hören, wie viele Sprachen wir aus der DG sprechen können.“ Ihre sprachlichen Kompetenzen waren es auch, die Joana bei der Cosmo richtig auf der Erfolgswelle haben schwimmen lassen. „Weil ich fließend Französisch und Englisch spreche, habe ich immer die großen Interviews geführt.“ Die Liste der Berühmtheiten, mit denen Joana schon über Beauty und Lifestyle geplaudert hat, kann sich sehen lassen: Claudia Schiffer, Eva Padberg, Alessandra Ambrosio oder „The Mentalist“-Schauspieler Simon Baker. Letzterer ist Joana besonders in Erinnerung geblieben: „Er hatte einfach eine magische Ausstrahlung, so wie in der Serie auch“

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Joana erinnert sich: „Claudia Schiffer war eine echte Erscheinung“. Foto: Claudia Schiffer für Schwarzkopf

Obwohl Joana immer wieder auf Stars trifft, auf VIP-Partys großer Kosmetikfirmen geht und sie sich den ganzen Tag mit Schönheit und Aussehen beschäftigt, ist sie bodenständig geblieben. „Das war mir immer wichtig und ich glaube, das ist auch typisch Ostbelgien. Dass man immer noch etwas Realistisches sucht.“ So trägt Joana ihre Heimat immer ein Stück bei sich. Denn die vermisst die 25-Jährige auch nach fünf Jahren München immer noch. „Familie, Freunde und die Ruhe! In der Eifel schlafe ich viel ruhiger, als in München“, meint Joana. Und welche Beauty-Queen verzichtet schon auf ihren Schönheitsschlaf?

Tagsüber Lagerist – abends DJ Micronox

Am vergangenen Samstag brachte Mike Deconinck alias Micronox noch die Eupener Drum’n’Bass- Liebhaber auf der Party „Endstation Schlachthof“ im gleichnamigen Kulturzentrum zum Tanzen. Doch der Vollblut-DJ legt seine Sounds nicht nur in Ostbelgien auf, sondern reist immer wieder zu weit entfernten Zielen. Nächste Station Ende April: Südamerika.

Von Sofia Hammes und Hanna Bank

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Fotos: Marius Kreuder

Mike Deconincks Leben scheint auf den ersten Blick ziemlich normal: Der 25-jährige Weywertzer arbeitet als Lagerist in einem Supermarkt, hat schon seit einigen Jahren eine feste Freundin und ist allgemein eher der bodenständige Typ. Doch wenn er zum Feierabend die Arbeitsklamotte an den Haken hängt, macht sich Mike an seinen zweiten – eher ungewöhnlichen – Full-Time-Job. Denn seit fünf Jahren legt der Kerl mit Kappe und markanter Brille immer wieder auf Partys auf, organisiert mit seinem besten Kumpel Marvin Wahl auch hin und wieder eigene Dance-Veranstaltungen. Die Musik, die Mike als Micronox dann auflegt, ist dabei alles andere als Mainstream. Drum’n’Bass lautet das Genre, das vor allem für „gebrochene“ Rhythmen und schnelle Basssounds steht. „Die Szene ist eher eine kleinere ‚Underground‘-Szene, nicht das, was ständig im Radio läuft“, erklärt Mike. Dafür seien ihre Anhänger auf der ganzen Welt verstreut.

 

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So kommt es immer wieder mal vor, dass der DJ aus der Eifel auch in anderen Ländern bei Drum‘n‘Bass-Partys mitwirkt. Das liegt vor allem daran, dass Mike und sein Kumpel Marvin bei ihren Veranstaltungen regelmäßig mit ausländischen Acts arbeiten und sie sich so ein internationales Netzwerk aufgebaut haben: „Ich kenne auf der ganzen Welt Leute aus dem Genre“, fasst Mike zusammen. Seine bisher coolsten Gig hatte Mike bei dem weltweit bekannten englischen Drum’n Bass-Radiosender „Rough Tube“, und bei dem weltweit größten Drum’n’Bass Festival, dem „Let It Roll“. „Das war bisher immer mein größtes Ziel als DJ“, erzählt der Musikliebhaber. Die nächste musikalische Reise, die der Weywertzer antreten wird, dürfte bestimmt auch das ein oder andere Highlight für Micronox bereithalten: Vom 19. April bis zum 4. Mai geht Mike auf Südamerika-Tour. Dann stehen unter anderem Radio- und Clubauftritte in Bogotá (Kolumbien), Buenos Aires (Argentien) und Lima (Peru) an. Außerdem fester Bestandteil der Reiseplanung: Einmal mit den Einheimischen durch den peruanischen Dschungel wandern. „Das war schon immer ein Kindheitstraum von mir“, meint Mike und kann es sichtlich kaum mehr erwarten. „Ich freue mich wie verrückt auf die Reise!“

 

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Wenn Mike von seinem Trip ans andere Ende der Welt zurück ist, steht auch schon das nächste Projekt des 25-Jährigen an. So richtig mit der Sprache herausrücken möchte Mike aber noch nicht. „Ich und Marvin haben Pläne für eine eigene Veranstaltung in Eupen. Dabei wollen wir einen Ort wieder zum Leben zu erwecken, der lange Zeit still stand und den sicher viele kennen“, verrät Micronox, bevor er dicht macht. Ein Geheimnis gibt der Vollblut-DJ schließlich doch preis: „Ob vor großem oder kleinem Publikum, ich bin immer noch vor jedem Auftritt nervös.“ Aber das lege sich nach dem ersten oder zweiten Lied. Dann verfliegt die Nervosität und Mike geht ganz in seiner Musik auf. Außerdem seien die Leute aus der Szene alle locker und entspannt drauf. Das ist es auch, was seiner Meinung nach die Szene ausmacht. „Auf sämtlichen Partys, auf denen ich war, hat es noch nie irgendwelche Schlägereien oder Auseinandersetzungen gegeben. Die Leute sind einfach friedlich und wollen feiern. Wirklich jeder ist willkommen, ob er zerrissene Hosen oder einen Anzug trägt. Ob Jung oder Alt. Und das ist es auch, was ich vermitteln will mit meinen Partys.“ Dass Mike mit genau diesen Partys und seiner Musik momentan ziemlich erfolgreich ist und dabei viel herum kommt, ist für den 25-Jährigen jedoch noch lange kein Grund, sich in Tagträumerein zu verlieren. Mike ist bodenständig geblieben. Hauptberuflich möchte er Lagerist bleiben. Und so wird er wohl auch in den nächsten Jahren nach Feierabend seine Lageristen-Schürze ablegen und sie am Wochenende durch seine Kopfhörer und Turntables eintauschen.

Mit dem richtigen Profilbild zum Traumjob

Ein Schnappschuss von der letzten Party oder ein Selfie im Bikini am Strand und die Likes der Freunde auf Facebook sind einem quasi sicher. Wer auf Jobsuche ist, sollte sich bei der Wahl seines Profilbildes jedoch einige Gedanken machen, denn dieses Foto kann unter Umständen die berufliche Karriere beeinflussen – negativ wie positiv.

 

Von Carsten Lübke

Je ansprechender das Facebook-Profilfoto, desto eher kommt die Einladung zum Vorstellungsgespräch, so lautet das Fazit einer Studie der Genter Universität. Der Analyse zufolge schaut sich der potenzielle Arbeitgeber auch in sozialen Netzwerken die Fotos eines Bewerbers an. Jobsuchende mit einem durchdachten Profilbild haben knapp 40 Prozent mehr Einladungen zu Bewerbungsgesprächen erhalten. Für Stijn Baert, Professor an der Universität Gent und Autor der Studie, ist daher klar: „Obwohl sicher nicht alle Arbeitgeber auf Facebook surfen, ist das persönliche Profilbild im Bewerbungsfall mindestens so wichtig, wie das gedruckte Bild, das der eigentlichen Bewerbung beigefügt wird. Das zeigt, dass sich die digitale Welt gar nicht so sehr von der analogen Welt unterscheidet.“ Während in den USA jeder zweite Personaler Facebook und andere soziale Netzwerke der Bewerber checken würde, seien es in europäischen Ländern deutlich weniger, schreibt Baert. Allerdings zeige der Trend nach oben. Fazit: Trotz aller Vorsätze beurteilen viele Menschen andere zuerst nach dem Äußeren. Ein gelungenes Profilbild auf Facebook ist daher Pflicht – insofern man die persönlichen Jobchancen erhöhen möchte. Aber worauf ist bei dem Profilbild für das soziale Netzwerk zu achten? Fotografin Tanja Wilden aus Eupen gibt Tipps, worauf ihr bei der Auswahl und Aufnahme eures Profilbildes achten solltet.

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Tipp 1 : Tabak, Alkohol und Sonnenbrille bitte nicht! Fotos: Tanja Wilden

Sonnenbrillen strahlen keine Coolness aus – zumindest nicht bei der Jobsuche. „Im Gegenteil. Die Sympathiewerte der Person sinken, denn der Betrachter weiß nicht, wer hinter den dunklen Gläsern steckt. Aber auch Haare, Hüte oder andere Gegenstände sollten die Augen nicht verdecken“. Alkohol, Zigaretten und nackte Haut haben ebenfalls nichts auf einem Foto verloren. „Das wirkt für jeden Arbeitgeber einfach unseriös“, erklärt Tanja Wilden.

 

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Tipp 2: Duckface, Partypic oder Selfie sind alles andere als förderlich

Wer sich besonders freizügig oder aufreizend präsentiert, wird schnell als leichtlebig eingestuft“, warnt die Fotografin. Achtung: Finger weg von Selfies und Gruppenfotos. „Auch wenn Selfies der absolute Trend sind, sollten sie nicht als Profilbild genutzt werden, denn die meisten Personalverantwortlichen erwarten ein ‚professionelles‘ Bild“, so Wilden. Gruppenfotos sollten ebenfalls vermieden werden. „Es geht um dich und nicht um deine Freunde auf dem Bild.“ Das Foto sollte außerdem immer up to date sein. „Alte Bilder fördern nicht unbedingt die Jobchancen.“

 

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Tipp 3: Der richtige Hintergrund

Ob in der Natur, bei der Arbeit oder im Studio: Hintergrund und Umgebung haben einen Einfluss auf die Wirkung des Bildes. Wilden: „Jeder kann seinen Lieblingsort für das Foto wählen. Ein junger Mensch, der stilsicher und berufsorientiert auf dem Bild auftritt, verkörpert für den künftigen Chef eine Überzeugung. Aber es kann für Facebook auch ruhig mal der Casual-Look sein. Trotzdem ist es immer wichtig auf, die Farbkombination der Kleidung zu achten.“

 

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Tipp 4: Weniger ist mehr: Finger weg von der Nachbearbeitung

Bloß nicht mit Photoshop übertreiben. „Fast jede übertriebene Nachbearbeitung hat einen negativen Einfluss auf das Bild. Ein Schwarz-Weiß-Bild hat einen charakteristischen Effekt.”

Ein dezentes, natürliches und gesundes Lächeln ist viel wertvoller. Lieber die Zähne zeigen als die rot geschminkten Dugface-Lippen. So erhöht man nicht nur die Sympathie, sondern strahlt auch gleichzeitig Kompetenz und Einfluss aus“, so Tanja Wilden.

 

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Tipp 5: Hobby rückt Persönlichkeit ins rechte Licht

Wer ein spannendes Hobby hat, ist gut beraten, sich dabei ablichten zu lassen. „Eine interessante Tätigkeit kann hier wahre Wunder wirken. Schließlich ist Facebook keine Online-Plattform für Business-Kontakte, sondern in erster Linie Freizeit”, erklärt Wilden. „Es sollten immer die Benutzereinstellungen des persönlichen Profils beachtet werden, sodass die Freunde in einer Bewerbungsphase keine peinlichen Bilder ohne deine Zustimmung an deine Facebook-Timeline posten können“, rät die Eupenerin.

Wer ist eigentlich Uwe?

Uwe. Das klingt so retro, irgendwie auf dem Boden geblieben, auf schräge Weise hip. In den 1920er Jahren hießen Männer Uwe. Heute nennt sich das im Juli 2015 gegründete Modelabel von Stolbergerin Dori Kleinen (24) und Kelmiser Olli Bütz (23) UWE Apparel. Der Name hätte treffender nicht sein können.

Von Laura Knechtel

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Dori und Olli haben UWE Apparel gemeinsam im Juli 2015 gegründet. Fotos: Mirko Nyssen

„Uwe ist kurz, knackig und leicht zu merken. Wir sind durch den Namen nicht eingeschränkt“, erklärt Dori. Beim Treffen mit GEneration ist die Geografie-Studentin natürlich in UWE gekleidet. Ihr Lieblingsteil: Die „Malades College-Jacke“ in schwarz. Das Modelabel entstand nämlich aus genau diesem Grund: Dori und Olli – seit einem Jahr ein Paar – hatten Lust auf eigene Klamotten. Batik gefiel ihnen gut, also schnappten sie sich anfangs einfach ein paar T-Shirts, die passenden Farben und schon gab es die ersten UWE-Einzelstücke. Die Idee kam nicht nur bei den Designern gut an, sondern auch bei Freunden, und so sollte ein Modelabel entstehen. Das nötige Know-How dafür hatte Olli. Er musste zur selben Zeit als Endarbeit seiner Grafiker-Ausbildung auch ein Label gründen. Heute, nach seinem Abschluss, arbeitet er beim Kreativbureau in Eupen und nebenher eben als Besitzer eins Modelabels. Und auch die Namensgebung ist dem Grafiker zuzuschreiben. Denn er nannte Doris Hund Balu immer Uwe – einfach, weil er es witzig fand. Damit blieb der Name haften.

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Doris Hund Balu darf auf den Bildern natürlich auch nicht fehlen. Er ist von Anfang an Teil der UWE-Family.

Der gebürtige Kelmiser ist außerdem für die Umsetzung der vielen Designideen zuständig. Am Logo hat er beispielsweise fünf Monate gesessen. „Es war ein langer Prozess und irgendwann musste ich auch mal sagen: jetzt ist Schluss“, so Olli. „Er ist wirklich ein Perfektionist“, findet Dori. „Aber wir sind bei UWE überall mit Herzblut dabei. Und das muss auch so sein.“ Sie stellt ihre Wohnung in Aachen als Hauptquartier von UWE Apparel zur Verfügung, noch gibt es UWE nämlich nur online zu kaufen. Dort näht sie in Handarbeit die Etiketten auf alle Mützen, Hoodies, Sweater, Jutebeutel, College-Jacken sowie T-Shirts und pflegt den Kundenkontakt. Sie ist der „Schlüssel zu den Kunden“, findet Olli. Und das ist ein 24-Stunden-Job. Denn Bestellungen können jederzeit eintrudeln. „Hauptsächlich versenden wir innerhalb Deutschlands und auch nach Ostbelgien. Aber wir haben auch schon Bestellungen aus Australien, Österreich, Algerien, Schweden und Slowenien erhalten“, erzählt die 24-Jährige. So läuft eine Kundenanfrage dann auch gerne mal nachts um zwei Uhr ein. „Ich versuche trotzdem, auf alle Anfragen schnell zu reagieren. Wir sind selber sehr ungeduldige Menschen, was Online-Bestellungen betrifft, deshalb wollen wir unsere Kunden auch nicht warten lassen“, lacht Dori.

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Pizza ist nicht nur Doris und Ollis Lieblingsessen, sondern kommt auch als Kleidung (Pizza-Beanie) hervorragend bei den Kunden an.

Darüber hinaus ist UWE auch bei Instagram, der hauseigenen „Werbeplattform“, wie Dori es beschreibt. Hier postet die Stolbergerin regelmäßig Bilder von neuen Kollektionen oder auch mal von Pizza. Denn dieses Gericht kommt bei den Kunden besonders gut an: „Unser Pizza-Beanie verkauft sich mit am besten. Ebenso wie das T-Shirt Banana Leaf“, weiß Olli. Mit dem Social-Media-Kanal hat das Paar auch anderweitig sehr gute Erfahrungen gemacht, denn dort haben sich Dori und Olli kennen gelernt. „Olli hat mich eines Tages einfach angeschrieben“, erzählt die Blondine mit dem Nasenpiercing. Das war ungefähr vor einem Jahr. Dass die beiden nur wenige Monate später zudem Geschäftspartner sein würden, hätten sie damals wohl nicht geahnt. „Wir sind ein gutes Zwei-Mann-Unternehmen“, so die Studentin. Es sei sogar von Vorteil, dass die beiden ein Paar sind, meint Olli: „Wir müssen zum Beispiel keine Meetings vereinbaren. Klar, es kommt schon mal vor, dass wir eigentlich einen ruhigen Abend geplant haben, mit der Pizza vorm Fernseher sitzen und dann trotzdem über UWE sprechen. Aber das hat bisher noch nie gestört.

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Obwohl UWE täglich Zeit in Anspruch nimmt, ist das Modelabel bislang nur ein Nebenjob für die beiden. „UWE ist für uns nicht Plan A, da machen wir uns nichts vor“, ist Dori realistisch. Dennoch, das Label trägt sich mittlerweile von selbst. „Wenn wieder Geld auf dem Konto landet, freuen wir uns, dass wir neue Produkte für UWE herstellen können“, sagt Olli. So kann sich das Unternehmer-Pärchen auch Fair-Trade-Kleidung leisten. Einen richtigen Fünf-Jahres-Plan gibt es vorerst aber nicht. „Wir haben so viele Ideen, von denen 90 Prozent meistens sofort wieder in der Tonne landen. Aber cool wäre es, wenn wir uns irgendwann komplett in UWE einkleiden könnten“, sagt der 23-Jährige. „Im Moment arbeiten wir fleißig an den Sommersachen und ab April sollen ganz neu Pins, also Anstecker, dazu kommen.“

Wie (k)ein Ei dem anderen

Laura und Susanne Herzhoff aus Recht sind Zwillinge und wissen daher genau, wie es ist, auf mehr als nur einen Vornamen hören zu müssen. Meist nehmen die Leute die beiden 20-Jährigen als ein und dieselbe Person wahr. Denn obwohl sie nicht eineiig sind, gleichen sie sich wie ein Ei dem anderen.

Von Sofia Hammes

 

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Laura (oben) und Susanne werden of miteinander verwechselt. Foto: Sofia Hammes

„Und wer ist nun wer?“ – Diese Frage haben Susanne und Laura Herzhoff aus Recht schon gefühlte hunderttausend Mal gehört. Auf den ersten Blick scheint es fast unmöglich, die 20-jährigen Zwillinge voneinander zu unterscheiden: Ein schmales Gesicht mit kantigen Gesichtszügen, dunkelblondes, schulterlanges Haar. Die grün-braunen Augen schauen unter einer hohen Stirn hervor, darunter eine markante Nase. Der einzige erkennbare Unterschied: Susanne hat sich ihre Haare nach hinten gesteckt, Laura hingegen trägt ihren langen Pony seitlich gekämmt. Körperliche Merkmale, durch die man die beiden voneinander unterscheiden könnte, gibt es kaum. „Ich habe ein Muttermal rechts am Hals“, verrät Laura. „Und ich bin ein paar Zentimeter größer“, fügt Susanne hinzu. Viele Leute brauchen diese kleinen Tipps, um zu wissen, mit wem sie es eigentlich gerade zu tun haben. Doch nur, weil die beiden – fast – gleich aussehen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch ein und dieselbe Person sind. Das kommt jedoch in den Köpfen vieler Leute nicht wirklich an. „Für sehr viele sind wir immer nur die Zwillinge, die Herzhoff-Twins. Oft nennen uns die Leute nicht mal bei unseren Vornamen“, sprudelt es aus Susanne heraus und die beiden geben ehrlich zu: „Das kann manchmal ganz schön nerven.“ Vor allem, weil die Zwillinge eigentlich in mancherlei Hinsicht komplett verschieden sind. Das fange schon morgens beim Aufstehen an. Während Laura immer pünktlich zum Weckersignal aus den Federn hüpft, ist Susanne ein Morgenmuffel wie er im Bilderbuch steht. Laura ist ordentlich, immer unter Strom und lässt sich von kleinen Alltagssorgen nicht das Leben vermiesen. Susanne hingegen ist nachdenklich und sehr loyal, und auch mit der Ordnung hat es die 20-Jährige nicht so. Und dennoch – oder vielleicht auch genau wegen dieser Unterschiede – sind die beiden ein eingespieltes Team.

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Früher waren die Zwillinge immer im gleichen Outfit unterwegs. Foto: privat

Am 19.03.1995 kamen Laura und Susanne zur Welt – und waren von dort an unzertrennlich. Egal, wo sie damals auftauchten, immer trugen sie die gleichen Klamotten. „Mama hat da immer Wert drauf gelegt, manchmal hatten wir auch die gleichen Kleider, aber in unterschiedlichen Farben“, erinnert sich Susanne. Ob es damals genervt hat, immer die gleichen Outfits wie die Schwester zu tragen? Susanne und Laura sind einer Meinung: Überhaupt nicht! Heute sei es ihnen jedoch umso wichtiger, sich optisch voneinander zu unterscheiden. Susanne ließ sich einmal sogar einen Pony schneiden, nur um anders auszusehen. Heute haben die 20-Jährigen zwar dieselbe Frisur, achten jedoch auf unterschiedliche Outfits, wenn sie zusammen unterwegs sind. Und das ist ganz schön oft der Fall: Schon von klein auf haben die beiden Rechterinnen fast denselben Freundeskreis, verfolgen gemeinsame Hobbys, spielten und lernten früher sogar zusammen. „Das hat unseren Eltern schon sehr geholfen. Als Mama mit uns schwanger war, hatten sie ja schon unsere zwei großen Geschwister, die damals auch erst fünf und sieben Jahre alt waren, und dann kamen wir“, lacht Susanne. Und auch Laura erinnert sich: „Es war einfach immer jemand da. Ob zum Spielen oder Abfragen für die Schule. Uns war einfach nie langweilig“. „Und weil wir uns früher immer ein Zimmer geteilt haben, konnte man abends immer noch quatschen und auch über Dinge reden, die einen beschäftigen“, fügt Susanne hinzu und lächelt ihre Schwester an.

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Nur weil die Zwillinge fast gleich aussehen, sind sie nicht ein und dieselbe Person. Während sich Laura (links) von kleinen Alltags nicht aus der Ruhe bringen lässt, ist Susanne etwas nachdenklicher. Foto: privat

 

Heute ist das etwas anders. Nach der Sekundarschule gingen die Schwestern wegen ihrer Studiengänge zum ersten Mal auf verschiedene Schulen. Während Susanne Logopädie studiert, möchte Laura später als Kinésitherapeutin arbeiten. Getrennt voneinander leben wollten die beiden Studentinnen jedoch nicht. Mit zwei gemeinsamen Freundinnen wohnen sie in einer Lütticher Studentenwohnung. Mit dem Alter habe sich die Beziehung zwischen ihnen aber ein bisschen verändert, erklärt Laura: „Ich habe seit zwei Jahren einen Freund, seitdem unternimmt Susanne am Wochenende öfter auch mal etwas ohne mich.“ „Das war am Anfang komisch, aber inzwischen haben wir uns daran gewöhnt. Wenn ich ehrlich bin, hat es mir auch ganz gut getan. Laura war schon immer die dominantere und organisierte von uns beiden gewesen. Dadurch, dass wir öfter mal getrennt voneinander waren, konnte ich mich ja nicht mehr immer nur auf sie verlassen und musste mich auch schon mal alleine durchboxen“, schildert Susanne offen und lacht. Kein Wunder, dass Laura meist die Zügel in den Händen hält, schließlich kam sie zehn Minuten früher als Susanne zur Welt. Alle Zwillingsklischees treffen jedoch nicht auf die beiden zu. Susanne klärt auf: „Wir haben zum Beispiel nicht andauernd Streiche gespielt oder die Prüfungen für den anderen geschrieben. Aber diese enge Verbindung, die Zwillinge haben sollen, die ist schon da. Manchmal denken wir sogar das Gleiche!“

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Auch das Studium konnte die beiden Schwestern nicht voneinander trennen. Hier sieht man die beiden beim Studentenfest Saint-Toré in Lüttich. Foto: privat

Und genau das ist auch der Grund, warum Laura und Susanne ihr Leben als Zwilling niemals hergeben würden, Verwechslungen und die ewige Fragerei nach dem Namen hin oder her. „Manchmal wünscht man sich zwar, man wäre kein Zwilling und einfach mal ‚alleine‘, aber ich würde niemals tauschen“, findet Susanne. Für Laura ist auch klar: „Auch wenn mich ihre Unordnung manchmal nervt, würde ich Susanne nie hergeben. Wir sind sozusagen beste Freunde.“ Und es stimmt: Wer braucht schon ein stinknormales Leben, wenn er einen Zwilling haben kann?

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Eigentlich achten Susanne (links) und Laura darauf, nicht im gleichen Outfit vor die Tür zu gehen. Heute machen sie eine Ausnahme. Foto: Sofia Hammes

Chartstürmer im Hintergrund

Was verbindet eigentlich drei junge Männer aus der Region mit dem angesagten DJ-Duo Gestört aber Geil aus Deutschland? Steven Fritsch (32) aus Lontzen, Berislaw Audenaerd (31) aus Herbesthal und Jan Simonsen (31) aus Aachen haben zwei Songs zum ersten Studio-Album der Deep-House-Formation beigesteuert. Aber auch für andere Künstler textet und komponiert das Trio gemeinsam Songs – und ist damit ziemlich erfolgreich.

Von Sofia Hammes

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„Beri“ (l.), Jan (vorne) und Steven treffen sich regelmäßig in Beris kleinem Homestudio. Fotos: Sofia Hammes

Auf den ersten Blick scheint Berislaw „Beri“ Audenaerd nicht gerade in einer Luxusgegend zu leben. Seine Wohnung in Dolhain liegt etwas abgelegen, beim alten, leicht herunter gekommenen Fabrikgelände am großen Viadukt. Doch schon der erste Schritt in die vier Wände des gebürtigen Herbesthalers ist wie ein Abtauchen in eine andere Welt. Aus dem hellen, loftähnlichen Wohnzimmer drängen tanzbare Beats – im Fernseher läuft der Musiksender MTV. Er und seine Kumpels und Arbeitspartner Steven Fritsch und Jan Simonsen trinken an der Kochinsel einen Kaffee. Es ist hell, stylisch und irgendwie schwebt ein Gefühl von Traumfabrik in der Luft. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Anfang-Dreißiger eben genau das erreicht haben: Tag für Tag leben Steven, Jan und Beri ihren Traum. Der wäre? Musik machen. Aber nicht für sich selbst, sondern für andere. Seit zwei Jahren arbeitet das Trio zusammen, schreibt, komponiert und vermittelt Songs aus der Eigenproduktion. Im kleinen „Studio“ in Beris Wohnung mit zwei Computern, einem Verstärker, Boxen, Keyboard, Mikro und Drums kommen er, Jan und Steven immer wieder zusammen, um Ideen für neue Songs auszutauschen und Demo-Versionen aufzunehmen.

Seit einem Jahr sind die Drei mit der eigenen Traumfabrik richtig erfolgreich. „Unsere erste professionelle Veröffentlichung hatten wir im März 2015 mit der Schlager-Party-Nummer ‚Dieser Sommer wird heiß‘. Schlager hat uns sozusagen den Einstieg in die Branche ermöglicht“, erzählt Steven. Danach folgte niemand anderes als Skandalnudel Micaela Schäfer mit dem doppeldeutigen Song „Partypolizei“. Nach dem Schlager kam das Genre Deep-House hinzu. Und im Dezember zogen Jan, Steven und Beri schließlich einen derzeit richtig großen Fisch aus dieser Szene ans Land. Das deutsche DJ-Duo Gestört aber Geil („Unter meiner Haut“, „Ich und Du“) wollte zwei Songs der Komponisten auf ihrem Debütalbum herausbringen. Als das Album mit dem Titel „Gestört aber Geil“ am 8. Januar 2016 rauskam, landete es direkt auf Platz zwei der deutschen Albumcharts, international stieg das Album-Debüt auf Platz 15 ein. Nicht nur für die DJs, sondern auch für die drei Freunde ein Riesenerfolg, bei dem Jan eine ganz besondere Rolle spielte. „Auf der Demo-Version habe ich die zwei Songs ‚Duu‘ und ‚Wie ein Regenbogen‘ gesungen. Den beiden gefiel das dann so gut, dass sie die Tracks genauso, mit meiner Stimme, aufs Album bringen wollten“, erzählt der 31-Jährige, der in Kelmis aufgewachsen ist. Daraufhin musste auch ein Künstlername her, obwohl sich Jan nie als Sänger auf der Bühne gesehen hatte: „Ich habe dann einfach meinen Namen ins Englische übertragen, bei dem Track ‚Duu‘ stehe ich im Featuring als Ian Simmons.“

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Doch wie entstehen eigentlich die Songs, mit denen die Drei derzeit im Hintergrund die Charts stürmen? „Wir arbeiten bis zum Endprodukt als Team zusammen“, fasst Steven zusammen. Dennoch gebe es kleine Rollenverteilungen. Jan ist der „Poet“, wie Steven findet. Er schreibt die Texte und singt sie auf den Demo-Tapes ein, komponiert aber auch Melodien und Arrangements. „Ich habe gefühlt 3.000 Arbeitsplätze, ob im Café, zu Hause oder unterwegs, ich habe einfach andauernd Melodien und Texte in meinem Kopf“, schildert Jan seine Leidenschaft. Was er besonders gerne macht? „Schlager!“ – Steven und Beri grinsen – „Ich liebe es einfach, wie andere diese Musik abfeiern, das Genre liegt mir einfach“. Beri würde Schlager wohl eher nicht als seine Leidenschaft bezeichnen. „Klar arbeite ich dann auch mit, wir wollen ja in der erster Linie genau die Musik machen, die die Leute auch hören wollen, und da gehört Schlager eben dazu. Ich fühl mich aber eher im Deep-House beheimatet. Wir machen aber auch Balladen oder Rock/Pop“, erzählt der gelernte Schreiner mit Dutt, der sich in erster Linie um die Komposition der Songs kümmert. „Jan und ich sind eher Typ Chaoskünstler. Steven ist sozusagen unsere Mami. Er managt das Ganze und führt uns. Er hatte auch damals die Idee, gemeinsame Sache zu machen und professionell in die Musikbranche einzusteigen“, klärt Beri auf. Steven stimmt zu: „Musikalisch kommt der größte Teil von den beiden. Ich gebe aber Feedback und ab und zu habe auch ich schon mal eine musikalische Eingebung“, lacht der 32-Jährige.

Wenn ein Song fertig ist, fängt jedoch die richtige Arbeit erst an. Musiklabels müssen angeschrieben und immer wieder kontaktiert werden. Gefällt ein Song, sucht der Verlag nach Künstlern, zu denen die Nummer passen könnte. Diese entscheiden dann wiederum, ob sie den Song auch wirklich herausbringen wollen. Kommt es zum Deal, kümmert sich der Künstler um die Produktion, d.h. die Aufnahme im Studio. In direkten Kontakt mit den Stars treten Jan, Steven und Beri eigentlich nicht. Eins haben die drei Quereinsteiger in ihrer kurzen Zeit im Musikbusiness auf jeden Fall schon gelernt: „Man darf sich nie zu früh freuen“, fasst Steven nüchtern zusammen. „Es herrscht oft viel Hin und Her. Wenn man nichts Schriftliches hat, bedeutet eine Zusage von einem Künstler gar nichts.“ In der Vergangenheit kam es daher schon öfter vor, dass aus einem Ja später wieder ein Nein wurde. Nicht unterkriegen lassen, lautet da die Devise, mit der Jan, Steven und Beri bisher immer gut gefahren sind. „Für mich wäre eine goldene Schallplatte das Größte. Und mal mit Helene Fischer zusammen zu arbeiten“, träumt Jan vor sich hin. Abheben kommt für das eingespielte Team trotzdem nicht in Frage: „Wir sind Kinder vom Land und wollen einfach nur Musik machen“, lacht Beri. Im Vordergrund wollen sie gar nicht stehen. Stattdessen freuen sie sich schon auf die nächste lange Arbeitsnacht voller Musik, mit der die Freunde vielleicht schon bald wieder im Hintergrund die Charts stürmen werden.

DJ-Duo «Gestört aber Geil»

Das deutsche DJ-Duo Gestört aber GeiL ist seit fünf Jahren erfolgreich. Foto: dpa

„Alina – die Liebe und der Sex“

Alina Schröder spricht gerne über Sex, Selbstbefriedigung und sonstige „Schweinereien“. Und sie teilt es gerne mit der ganzen Welt. Auf ihrem Youtube-Channel „Alina – die Liebe und der Sex“ holt sie die körperliche Liebe aus der Schmuddelecke und feiert sie ungeniert. Als „Sexpertin“ möchte sich die 30-jährige Videobloggerin trotzdem nicht bezeichnen.

Von Carsten Lübke

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Foto: Screenshot

Alina fällt gerne mit der Tür ins Haus. Auf der Straße spricht sie wildfremde Menschen an und fragt sie: „Wie müsste ein Porno heißen, in dem du mitspielst?“ oder „Könntest du dir einen Dreier vorstellen?“. Ja, richtig gelesen. Ein bisschen unverschämt ist das schon, aber Alina traut sich. Auch mit Prominenten quatscht Alina über Sex, Liebe und Pornos. Von Sido wollte sie zum Beispiel wissen: „Wann hattest du das letzte Mal Sex?“ Sie bekam auch eine Antwort: „Wenn Hand nicht zählt, dann ist es länger als zehn Stunden her.“

Alle Welt würde jetzt rot werden, Alina nicht: „Ich habe das Gefühl, dass es eine Grenze gibt, wenn es um persönliche intime Fragen geht. Wir sind ständig von Sex umgeben, können uns im Netz über alle möglichen Praktiken informieren. Es gibt Apps für One-Night-Stands, egal ob schwul, bi oder hetero. Trotzdem fällt es uns oft schwer, über Sex zu sprechen, zumindest wenn es um uns geht“, moniert sie. Doch genau das möchte sie ändern. Die Videobloggerin glaubt, dass ein bisschen Fetisch in vielen steckt. Die meisten seien einfach nur zu verklemmt, es zuzugeben. „Das hat man auch bei ‚Fifty Shades of Grey‘ gesehen. Vorher war das Thema SM oder Bondage eher in der Schmuddelecke. Durch das Buch und den Film wurde plötzlich offen und ohne Tabu darüber gesprochen. Inzwischen ist es fast salonfähig, sich Handschellen anlegen oder die Augen verbinden zu lassen. Das zeigt, dass die Neigung schon vorher da war, aber viel verkrampfter damit umgegangen wurde“, glaubt Alina.

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Alina ist nicht nur auf dem Bildschirm zu sehen, sondern auch bei dem deutschen Radiosender DasDing zu hören. Fotos: Südwestrundfunk/ DasDing

Auch aus ihrem eigenen Sexleben macht die 30-Jährige kein Geheimnis. Also Alina, wann hattest du das letzte Mal Sex? Um eine Antwort ist sie nicht verlegen: „Letzte Woche.“ Außerdem verrät sie, welche No-Go’s es bei ihr im Bett gibt (1. String Tangas bei Männern, 2. sich beim Sex filmen und 3. Tiernamen für den Partner) und sie spricht offen über die Themen Selbstbefriedigung und Fremdgehen. „Sex und Liebe ist immer ein wichtiges Thema in meinen Beziehungen gewesen. Ich rede gerne mit Freunden über Beziehungen, Verlieben und intime Momente.“ Jetzt hat sie einfach ihren Freundeskreis um ein paar Tausend Youtube-Fans erweitert.

Für ihren Channel produziert sie regelmäßig neue Episoden rund um das Thema Sex und Liebe. Für eine „Sexpertin“ oder die neue „Dr. Sommer“ hält sich Alina aber nicht: „Ich bin keine Expertin auf dem Gebiet Sex und auch keine Ratgeberin, wenn es darum geht, dass sich die Periode um drei Tage verschoben hat oder der Partner keinen hoch kriegt. Ich habe weder Sexualforschung studiert, noch habe ich persönlich alles ausprobiert, zum Glück“, lacht Alina. Aber darum geht es auch nicht. Alina stellt nur die Fragen. Beantwortet werden die von Experten, wie beispielsweise Paar-Therapeuten. „Ich versuche Themen so zu behandeln, dass sie für den Großteil meiner User interessant sind. Dafür muss ich nicht selber schon alles ausprobiert haben.“

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Auf Tabus hat Alina in ihren Videos überhaupt keinen Bock. So viel Offenheit kommt an: Das Projekt „Alina – die Liebe und der Sex“ ist erst vor einigen Monaten gestartet und bereits gut angelaufen. Im Oktober ging das erste Video online. Bis heute wurde es schon über 11.000 Mal angeklickt. „Das Feedback ist durchweg positiv. Ich bekomme viele liebe Kommentare und Nachrichten. Ich bin selber ziemlich überrascht.“ Und wer sich einmal ein Video angeschaut hat, klickt immer weiter. Mittlerweile hat Alina 25 Videos hochgeladen. Nur die Hater vermisst die 30-Jährige auf ihrem Channel noch: „Hater gibt es immer, aber die haben wahrscheinlich mein Format noch nicht entdeckt“, scherzt Alina.

„Kulturzentrum frei“ für Ostbelgiens junge Künstler

Junge Talente aufgepasst! Am 22. April findet im Alten Schlachthof erstmals das „Synergie Kunst Festival“ statt, bei dem sich alles – natürlich – um das Zusammenspiel dreht. An diesem Tag dürfen sich junge Talente jeden Genres in den Hallen und Räumen des Schlachthofes entfalten. Bis Freitag läuft die Bewerbungsfrist.

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„Wir sind sehr offen für alle Arten von Kunst – sei es Malerei, Video, Mode, Grafik, Tanz, Theater, Performance, Schriftstellerei, Fotografie oder etwas komplett anderes. Uns interessieren vor allem die jungen Talente zwischen 16 und 25 Jahren“, erklärt Christine Peterges, Projektleiterin bei Chudoscnik Sunergia. Andere Voraussetzungen müssten die Bewerber ihr zufolge auch nicht erfüllen: „Es sollen sich die Leute melden, die Lust auf eine Möglichkeit haben, ihre Werke in einem öffentlichen Raum und interessiertem Kunstpublikum zeigen zu können.“

„Es soll kein einmaliges Festival bleiben“, hofft Peterges. „Wir haben hier im Alten Schlachthof großartige Möglichkeiten, um jedes Werk zu zeigen.“ Vorbild für das Festival sind die sogenannten Happenings, die Chudoscnik Sunergia bis vor zehn Jahren noch regelmäßig in Eupen veranstaltete. „Wir wollen diese Happenings zwar nicht zurückholen, aber daran anknüpfen“, so die Projektleiterin, „und die verschiedenen Formen der Kunst miteinander vereinen.“ Ein Programm wird es an dem 22. April auch geben, damit Performance, Tanz oder Musik sich genügend entfalten können. „Videos beispielsweise können wir im Loop laufen lassen“, meint Peterges.

Auch acht weitere, bereits etablierte Künstler – das Alter: 30 Plus – aus Belgien und Deutschland werden Projekte zum Thema „Synergie“ ausstellen. „Sie haben speziell für das Festival an verschiedenen Kollaborationen gearbeitet. Die Projekte sind keineswegs fertig oder ausgereift“, möchte Peterges die Bewerber ermutigen. Sie betont, dass die Erfahrenen und die Neulinge keineswegs gegenüber, sondern nebeneinander vor das Publikum gestellt werden.

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Der Eupener Maler Mark Kirschvink macht zum Beispiel mit dem Kadrasonic Quartett (Piano, Saxophon, Drums und Kontrabass) gemeinsame Sache: „Wir arbeiten bereits seit letztem Jahr zusammen. Damals kam Christian Klinkenberg [Pianist und Komponist, Anm. d. R.] mit der Idee auf mich zu.“ Dass eine Synergie zwischen zwei so unterschiedlichen Kunstformen nicht von heute auf morgen entstehen kann, haben die Herren am eigenen Leib erfahren. Dennoch, sie sind an der Herausforderung gewachsen: „Anfangs habe ich versucht, grafische Elemente für die einzelnen Musiker festzulegen, aber das hat meine Arbeit in eine Art Korsett gezwängt. Das habe ich dann aufgegeben und male jetzt einfach, wie es mir gefällt. Das Quartett findet trotzdem immer einen Weg, mein Bild zu interpretieren“, erzählt Kirschvink.

Für junge Künstler hat der Maler eine Tipp-Reihenfolge parat: „Sein Talent erkennen, an sich glauben, authentisch sein, seinen eigenen Stil erarbeiten – und diesem treu bleiben, auch wenn es mal nicht so gut läuft.“ Auf dem Festival präsentieren Kirschvink und das Kadrasonic Quartett erstmals ihr PARTITUR-Projekt.

Weitere geladene Künstler sind Schneider TM (Elektro- und experimentelle Musik), die Berlinerin Tomoko Nakasato (Tanz), Takehito Koganezawa (Malerei, Zeichnung), die und Wahl-Eupenerin Tanja Mosblech (Malerei), die Cellistin Claire Goldfarb sowie die Musikerin Sonja Mischor.

Wenn du dich bewerben willst, sende deine Arbeit – als angehängte Datei oder Link – sowie eine kurze Beschreibung und ein Foto von dir bis zum 12. Februar (Freitag) per Mail an Christine Peterges: christine.peterges@sunergia.be.

Zu Hause bei Backfuchs Jasmin

Wenn Jasmin Heinen Torten mit pastellfarbenem Fondant, Zuckerperlen und Marzipan liebevoll bis ins kleinste Detail verziert, dann ist die 23-Jährige ganz in ihrem Element. Ihre große Leidenschaft, das Backen, teilt die Weywertzerin gerne mit anderen. Auf ihrer Facebook-Seite „Backfuchs Jasmin“ stoßen ihre Kreationen immer wieder auf Bewunderung. Als Konkurrenz zu den Konditoren sieht sie sich aber nicht: „Es ist nur ein Hobby, das mir Spaß macht, mehr nicht.“

Von Allan Bastin

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Angefangen hat alles mit kleinen Cupcakes, die sie in ihrer Freizeit zubereitet hat. „Es machte mir immer schon Spaß, für mich oder meine Familie zu backen. Meine ersten Muffins waren noch sehr einfach gestaltet, doch mit der Zeit habe ich immer wieder Neues probiert, um sie farbiger und schöner zu gestalten“, erzählt Jasmin Heinen. Heute zaubert sie zum Beispiel einen Minion-Kuchen. „Das wird etwas schwieriger, da dieser sitzt und hoch gebaut werden muss“, erklärt die 23-Jährige. Bevor sie sich an solche Kuchen heranwagte, backte sie nur Cupcakes, die wesentlich einfacher zu gestalten waren. „Torten sind natürlich viel aufwendiger. Die Zubereitung nimmt doch einige Stunden in Anspruch. Sehr zum Leidwesen meiner Mutter, da ich die Küche immer wieder besudele und lange Zeit besetze“, lacht Jasmin. Da darf das richtige Zeitmanagement natürlich nicht fehlen. Deshalb entsteht der Teig meist schon am Tag zuvor. „So kann der Boden schon abkühlen“, erklärt Jasmin. Am Tag darauf widmet sie sich dann der Füllung, dem Inneren der Torte: „Mit den Cremes bilde ich verschiedene Schichten. Wichtig ist, dass ich den Kuchen dann wieder kalt stelle. Anschließend kommt rundherum erneut Creme zum Einsatz.“

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Anschließend beginnt die eigentliche Präzisionsarbeit, die auch am meisten Zeit in Anspruch nimmt: das Dekorieren der Torte. Hierfür benutzt sie Fondant. Das ist eine weiche, pastöse Zuckermasse, die zur Herstellung verschiedener Süßwaren verwendet wird. „Ganz billig ist der Fondant nicht. Ich bestelle ihn meist im Internet. Dort kostet er rund zehn Euro pro Kilo“, sagt Jasmin, die für große Torten bis zu einem halben Kilogramm Fondant verarbeitet. Sie kauft meist nur weiße und schwarze Masse: „Ich färbe die dann mit Lebensmittelfarben, aber das sieht nicht so schön aus. Mittlerweile bestelle ich auch oft roten und blauen Fondant.“ Mit kleinen Werkzeugen bearbeitet sie dann die ausgerollte Zuckermasse. Sie knetet, schnitzt, formt und färbt zuckersüße Minions, Autos, Meerjungfrauen, Schleifen, Buchstaben, Zahlen und vieles Mehr. Und das oft mehrere Stunden lang.

Hauptsächlich kreiert sie Torten zu besonderen Anlässen, wie Geburtstagen oder Taufen. Ihre Inspiration nimmt sie aus dem Internet. „Die Menschen kommen meist mit einer Idee oder einem Charakterzug zu mir. Sie sagen beispielsweise, dass das Geburtstagskind Bayern-Fan ist oder Minions mag. Bei der Umsetzung überlassen die meisten mir dann freie Hand. Bevor ich mit dem Kuchen loslege, habe ich schon klar vor Augen, wie er aussehen soll.“ Schmecken die Kuchen denn auch? „Ja“, sagt Jasmin, „das ist mir besonders wichtig.“ Manchmal sei die Torte auch zu schön, um sie überhaupt anzuschneiden, gesteht die 23-Jährige.

Auch wenn ihre Torten professionell aussehen, sieht sich Jasmin in keiner Weise als Konkurrenz zu den hiesigen Konditoren: „Es ist nur ein Hobby, mehr nicht. Ich habe bisher erst rund 20 Torten gemacht. Außerdem habe ich so etwas hier in der Region noch nie gesehen. Ich mache also keinem Konkurrenz. Sowieso mache ich die Kuchen in erster Linie für Personen, die ich kenne.“ Ihren Bekanntheitsgrad hat sie kürzlich durch ihre Facebook-Seite „Backfuchs Jasmin“, die über 700 Likes zählt, erhöht: „Ich wollte den Leuten einfach mal zeigen, was ich so mache. Dass so viel Lob und Likes hinzukommen, hätte ich niemals gedacht. Aber das freut mich total und motiviert mich bei meinem Hobby.“ Wenn Jasmin nicht bis zu den Ellenbogen in Kuchenteig steckt, hilft sie ihren Eltern beim Hähnchenverkauf auf dem Markt oder arbeitet in Weywertz in einer Fritüre. Auf die Frage, ob sie aus dem Hobby mal eines Tages ihren Beruf machen will, antwortet sie: „Früher wäre mir das nie in den Sinn gekommen, aber jetzt denke ich mir schon, dass das was für mich wäre. Aber alles zu seiner Zeit.“

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Techniker fordern Englisch

Alle reden vom internationalen Arbeitsmarkt — aber keiner beherrscht das dafür nötige Englisch. Am Robert-Schuman-Institut (RSI) fordern Schüler der technischen Abteilungen jetzt eine Änderung des Lehrplans. Sie wollen mehr Englischunterricht, um für Praktika, Studiengänge und den Einstieg in den Job fit zu werden. Die Lehrer ziehen am selben Strang.

Von Griseldis Cormann

„Englisch lernt sich einfacher als Mathematik “, ist Direktorin Brigitte Kocks überzeugt. Lange Zeit hat diese Aussage ausgereicht, Lehrer und Schüler der technischen Abteilungen in ihrer Forderung nach Englisch als Unterrichtsfach zu beschwichtigen. Nach wie vor kommt Englischunterricht im Stundenplan nicht vor. Das soll sich ändern, fordern sowohl Lehrer, als auch Schüler. „Die Meinung aller Lehrer und Schüler ist mir wichtig. Wir arbeiten hier demokratisch; ich freue mich, wenn die Schüler diskutieren und mir auch ihre Meinung mitteilen. Die Schule entwickelt sich in Kooperation mit der neuen Generation“, sagt Direktorin Kocks. In diesem Sinne diskutiert eine ganze Schule, wie sie im engen Zeitraster des technischen Unterrichts die einzige weltweit anerkannte Kommunikationssprache in ihren Alltag integrieren kann: Sollen Stunden anderer Fächer reduziert werden? Sollen bestimmte Fächer ganz gestrichen werden? Soll es mehr Wahlfreiheit für die Schüler in den nichtfachrichtungsbezogenen Fächern geben?

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Die englische Flagge. Foto: Photo News

Schüler, die sich für eine technische Abteilung entschieden haben, können ihre schulische Ausbildung nach sechs Jahren sowohl mit einem Abitur, als auch einer berufichen Qualifkation abschließen. Mit 36 Stunden Unterricht in der Woche sind die Schüler der technischen Abteilungen, wie zum Beispiel Mechaniker, Elektriker, Elektroniker und Elektromechaniker, voll ausgelastet. Der Unterricht setzt sich aus Allgemein- und Fachkunde zusammen. „Damit bleibt nur wenig Spielraum für Veränderungen“, erklärt Kocks. Das ist der Grund, warum sie begrüßt, dass man sich von den strikten Lehrprogrammen verabschiedet. Der Elektro-Lehrer Alain Quetsch sieht, dass der Beruf des Technikers in den vergangenen Jahren an Anerkennung, Attraktivität und Anforderungen gewonnen hat. Er selbst hat für ein amerikanisches Unternehmen gearbeitet und weiß, wie wichtig die Beherrschung des Englischen ist, vor allem weil viele Unternehmen weltweit agieren. Als Lehrer sieht er sich dagegen der Herausforderung gegenüber, Schüler mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Berufswünschen zu unterrichten: „Manche wollen direkt in den Beruf, andere wollen nach dem Abitur studieren. Für die einen müsste ich in den praktischen Arbeiten mehr in die Tiefe gehen — für die Studienkandidaten in der Theorie. Das Gleiche gilt für die Sprachfähigkeiten der Schüler“, erklärt er. „Wenn ich den Diskussionen freien Lauf lasse, dann ist schnell klar, dass Englisch von allen anerkannt wird. Danach scheiden sich die Geister“, schildert Quetsch.

Unterricht am Gymnasium

Illustrationsfoto: dpa

Einige können sich Englisch zusätzlich vorstellen, manche wollen es im technischen Unterricht integrieren, andere wieder wollen unliebsame Fächer ersetzen. Keiner will jedoch Abstriche bei den technischen Fächern. Ein zusätzlicher Unterricht ist bereits möglich. Die Abendschule bietet Sprachkurse an. Diesen sechs Stunden in der Woche können die Schüler kostenlos folgen. Zudem, so der Elektro-Lehrer, werde verstärkt fremdsprachiges Material in den Fachunterricht des sechsten Jahres einbezogen: „Wir dürfen nicht die Augen verschließen. Durch die Medialisierung sind Grundkenntnisse des Englischen vorhanden — auch wenn sie nicht aus der Schule kommen.“ Obschon Unternehmen in erster Linie darauf achten, dass ihre Mitarbeiter technisch gut ausgebildet sind, legen Arbeitgeber heutzutage auch großen Wert auf Englischkenntnisse. „Fast jedes Unternehmen erkundigt sich nach den Englischkenntnissen von Bewerbern“, erklärt der Lehrer. Einige Unternehmen bilden ihre Mitarbeiter selbst in Sprachen aus. Darauf wollen sich die Schüler aber nicht verlassen und sehen im fehlenden Englisch einen Wettbewerbsnachteil auf dem Arbeits- und Studienmarkt. Gerade diejenigen, die sich international orientieren wollen, sehen den Französischunterricht als Hindernis. Vor allem bedauern sie, auf einem zu hohen Niveau unterrichtet und mit Inhalten konfrontiert zu sein, die sie nicht unbedingt interessieren oder sie im Job nicht weiterbringen. Dementsprechend fordern sie nicht zwangsläufig die Reduzierung von Französisch, sondern eine größere Freiheit in der Sprachenwahl, je nachdem in welcher Region sie nach der Schule arbeiten wollen. Der Meinung ist auch Schulleiterin Kocks: „Es soll nicht mehr jeder das Gleiche machen.“ Transparenz und Flexibilität stehen im Mittelpunkt. Die Direktorin denkt darüber nach, in naher Zukunft Pilotphasen mit einstündigen Englischkursen anzubieten.

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Die RSI-Schüler Paul Schwier, Andy Reinartz, Ivan Gravilov, Mijo Ceslijc und Jacky Cormann (v.l.) äußerten sich zu dem fehlenden Englischunterricht. Foto: Griseldis Cormann

Paul Schwier (17), 4. Jahr, Elektrotechnik
Wenn man in die Industrie geht, braucht man immer Englisch. Die Unternehmen haben überall Standorte. Englisch ist die Grundlage für den Beruf. Ich weiß, der Stundenplan ist voll. Aber wenn wir schon nur noch eine Stunde statt zwei Religion hätten, dann wäre eine frei, um sich die Fachwörter im Englischen aneignen zu können.

Andy Reinartz (17), 6. Jahr, Informatik-Elektronik
Ich habe mich schon beworben und Englisch ist einfach ein Bewerbungskriterium, eine Vorbedingung. Immer werden technische Fähigkeit und gutes Englisch verlangt. Teilweise sind Bewerbungsgespräche in Englisch. Wenn ich ein Projekt zu Hause beginnen wollte, habe ich die Anleitungen im Internet nur in Englisch gefunden. Ich habe es mir mit Hilfe des Internets und vielen Übersetzungen beigebracht. Serien gucke ich auch in Englisch. Verstehen tue ich es, aber wann habe ich denn schonmal sprechen können?

Ivan Gravilov (19), 6. Jahr, Informatik-Elektronik
Ich bin vor vier Jahren aus Mazedonien gekommen. Dort habe ich acht Jahre Englisch gehabt. Für meinen Wunschberuf in der Elektronik habe ich vor, nach Großbritannien zu gehen. Es ist schade, dass wir hier kein Englisch haben.

Mijo Cesljic (16), 4. Jahr, Elektrotechnik
Es ist DIE Sprache. Man braucht es überall — international. Französisch ist nicht so wichtig, außerdem springen wir gerade von den Grundkenntnissen auf ein Niveau, wo wir gar nichts mehr verstehen.

Jacky Cormann (15), 4. Jahr, Elektrotechnik
Die Unternehmen sind in der Welt verteilt. Wenn ein Unternehmen im angelsächsischen Raum den Hauptsitz hat, dann wird es die Instruktionen für die anderen Sitze sicher nur in Englisch verschicken. Außerdem gibt es an den Universitäten viele Master nur noch auf Englisch, zum Beispiel in Maastricht und Löwen. Was bringt mir ein Abitur mit Französisch, wenn ich im Studium dann nicht weiter komme? Wenn wir die Abendschule machen, was ist dann mit Sport und Hobbys?

Ihr seid gefragt!

Wir interessieren uns auch für Deine Meinung: Sollte Englischunterricht verpflichtend im Stundenplan stehen? Würdet Ihr dafür auf ein anderes Fach verzichten? Diskutiert mit. Nutzt entweder hier die Kommentarfunktion oder schickt eine E-Mail an generation@grenzecho.be. Eure Meinungen und Anregungen werden in einer nächsten GEneration-Ausgabe veröffentlicht.