Mit dem richtigen Profilbild zum Traumjob

Ein Schnappschuss von der letzten Party oder ein Selfie im Bikini am Strand und die Likes der Freunde auf Facebook sind einem quasi sicher. Wer auf Jobsuche ist, sollte sich bei der Wahl seines Profilbildes jedoch einige Gedanken machen, denn dieses Foto kann unter Umständen die berufliche Karriere beeinflussen – negativ wie positiv.

 

Von Carsten Lübke

Je ansprechender das Facebook-Profilfoto, desto eher kommt die Einladung zum Vorstellungsgespräch, so lautet das Fazit einer Studie der Genter Universität. Der Analyse zufolge schaut sich der potenzielle Arbeitgeber auch in sozialen Netzwerken die Fotos eines Bewerbers an. Jobsuchende mit einem durchdachten Profilbild haben knapp 40 Prozent mehr Einladungen zu Bewerbungsgesprächen erhalten. Für Stijn Baert, Professor an der Universität Gent und Autor der Studie, ist daher klar: „Obwohl sicher nicht alle Arbeitgeber auf Facebook surfen, ist das persönliche Profilbild im Bewerbungsfall mindestens so wichtig, wie das gedruckte Bild, das der eigentlichen Bewerbung beigefügt wird. Das zeigt, dass sich die digitale Welt gar nicht so sehr von der analogen Welt unterscheidet.“ Während in den USA jeder zweite Personaler Facebook und andere soziale Netzwerke der Bewerber checken würde, seien es in europäischen Ländern deutlich weniger, schreibt Baert. Allerdings zeige der Trend nach oben. Fazit: Trotz aller Vorsätze beurteilen viele Menschen andere zuerst nach dem Äußeren. Ein gelungenes Profilbild auf Facebook ist daher Pflicht – insofern man die persönlichen Jobchancen erhöhen möchte. Aber worauf ist bei dem Profilbild für das soziale Netzwerk zu achten? Fotografin Tanja Wilden aus Eupen gibt Tipps, worauf ihr bei der Auswahl und Aufnahme eures Profilbildes achten solltet.

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Tipp 1 : Tabak, Alkohol und Sonnenbrille bitte nicht! Fotos: Tanja Wilden

Sonnenbrillen strahlen keine Coolness aus – zumindest nicht bei der Jobsuche. „Im Gegenteil. Die Sympathiewerte der Person sinken, denn der Betrachter weiß nicht, wer hinter den dunklen Gläsern steckt. Aber auch Haare, Hüte oder andere Gegenstände sollten die Augen nicht verdecken“. Alkohol, Zigaretten und nackte Haut haben ebenfalls nichts auf einem Foto verloren. „Das wirkt für jeden Arbeitgeber einfach unseriös“, erklärt Tanja Wilden.

 

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Tipp 2: Duckface, Partypic oder Selfie sind alles andere als förderlich

Wer sich besonders freizügig oder aufreizend präsentiert, wird schnell als leichtlebig eingestuft“, warnt die Fotografin. Achtung: Finger weg von Selfies und Gruppenfotos. „Auch wenn Selfies der absolute Trend sind, sollten sie nicht als Profilbild genutzt werden, denn die meisten Personalverantwortlichen erwarten ein ‚professionelles‘ Bild“, so Wilden. Gruppenfotos sollten ebenfalls vermieden werden. „Es geht um dich und nicht um deine Freunde auf dem Bild.“ Das Foto sollte außerdem immer up to date sein. „Alte Bilder fördern nicht unbedingt die Jobchancen.“

 

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Tipp 3: Der richtige Hintergrund

Ob in der Natur, bei der Arbeit oder im Studio: Hintergrund und Umgebung haben einen Einfluss auf die Wirkung des Bildes. Wilden: „Jeder kann seinen Lieblingsort für das Foto wählen. Ein junger Mensch, der stilsicher und berufsorientiert auf dem Bild auftritt, verkörpert für den künftigen Chef eine Überzeugung. Aber es kann für Facebook auch ruhig mal der Casual-Look sein. Trotzdem ist es immer wichtig auf, die Farbkombination der Kleidung zu achten.“

 

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Tipp 4: Weniger ist mehr: Finger weg von der Nachbearbeitung

Bloß nicht mit Photoshop übertreiben. „Fast jede übertriebene Nachbearbeitung hat einen negativen Einfluss auf das Bild. Ein Schwarz-Weiß-Bild hat einen charakteristischen Effekt.”

Ein dezentes, natürliches und gesundes Lächeln ist viel wertvoller. Lieber die Zähne zeigen als die rot geschminkten Dugface-Lippen. So erhöht man nicht nur die Sympathie, sondern strahlt auch gleichzeitig Kompetenz und Einfluss aus“, so Tanja Wilden.

 

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Tipp 5: Hobby rückt Persönlichkeit ins rechte Licht

Wer ein spannendes Hobby hat, ist gut beraten, sich dabei ablichten zu lassen. „Eine interessante Tätigkeit kann hier wahre Wunder wirken. Schließlich ist Facebook keine Online-Plattform für Business-Kontakte, sondern in erster Linie Freizeit”, erklärt Wilden. „Es sollten immer die Benutzereinstellungen des persönlichen Profils beachtet werden, sodass die Freunde in einer Bewerbungsphase keine peinlichen Bilder ohne deine Zustimmung an deine Facebook-Timeline posten können“, rät die Eupenerin.

Vom Paralleluniversum ausgeschlossen

GEneration-Mitarbeiterin Julie Hardt erzählte zuletzt in diesem Blog, wie es ihr gelang, sich aus Facebook (FB) auszuloggen. Ob sie es geschafft hat, abstinent zu bleiben, erfahrt ihr im zweiten Teil ihres Offline-Tagebuchs.
Von Julie Hardt
dh23122013h0446Foto: David Hagemann

6. Tag: Für eine Story muss ich eine Bekannte anschreiben, mit der ich nun nicht mehr auf FB „befreundet“ bin. Habe jedoch weder ihre Mailadresse noch ihre Handynummer. Die ist schnell ermittelt, die Anfrage verschickt. Die Antwort folgt, aber es hat länger gedauert, es schien nicht der direkteste Weg zu sein. Vorher fand ich manchen Müll auf der Startseite von FB hirnamputiert, jetzt bin ich news- und kontaktamputiert – na toll, ob ich mir da nicht ein Eigentor geschossen habe, noch dazu, da Trends immer häufiger auf FB zu finden sind? Ich überlege, wie lang ich das noch aushalte.

7. Tag: Das „Top-Sites-Fenster“ meines MacBooks verleitet mich beim Öffnen des Browsers mehrmals täglich dazu, reflexartig und geistesabwesend die FB-Seite anzuklicken. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier. Der blaue Bildschirm starrt mich an. Müsste ja eigentlich nur meine Mail und mein Passwort eingeben. Denkste! Auf keinen Fall. Habe stattdessen angefangen, bei Ebay zu bieten, da kann ich wenigstens mehrmals täglich nachsehen, was sich so tut. Hauptsache irgendwas verfolgen…

10. Tag: Verschwitze generell Geburtstage, FB erinnerte mich  bisher immer daran. Jetzt müssen mir Freunde die Daten bestätigen. Muss das Gehirn wieder einstellen. Mir fehlt ebenfalls das virtuelle Geschnattere meiner Freundinnen im „Hühnerstall“, unserer FB-Privatgruppe. Ich versende übermäßig viele SMS.

12. Tag: Ebay wird langweilig. Da ich meine Traumschuhe nicht ersteigert habe, gebe ich es wieder auf. Zuhause haben wir mehr Zeit, man fühlt sich nicht einsam aber abgekapselt. Ein Geburtstag steht an. Ich erfahre per SMS davon. Veranstaltungseinladungen sind fast ausschließlich auf FB zu sehen, früher bekam man liebevoll gestaltete Flyer. Auf dem Geburtstag erfahre ich, dass sich nun jedes Mal irgendjemand aus unseren zahlreichen FB-Gruppen erbarmen muss, mir, der Abtrünnigen, Bescheid zu geben, was so ansteht. Bin ein lästiges Anhängsel, das zusätzlich Zeit und Geld kostet. Ich koste meine Freunde mehr SMS. Beim Geburtstagsgeschenk konnte ich auch nicht mitreden. Ich bin vom Paralleluniversum ausgeschlossen, kann nicht mehr teilhaben. Fühlt sich an, als hätten meine Freunde mit mir Schluss gemacht.

15. Tag: Computerladekabel kaputt. Na toll, kein Internet. Back to the roots. Irgendwie freuen sich Freund, Haushalt und Fernseher darüber. Im Fernsehen nervt allerdings noch mehr Schrott als auf FB. Habe endlich Zeit, Papiere zu ordnen, die seit dem Sommer liegen geblieben sind.

19. Tag: Selbstbestätigung muss man sich woanders besorgen. Es ist leichter, ein „Like“ auf FB zu geben als Komplimente ins Gesicht zu sagen. FB-User können anhand von Fotos, Kommentaren und Ortsangaben demonstrieren, wie toll ihr Leben und sie selber sind. Sicherlich ein Vorteil in unserer defizitorientierten Gesellschaft, wo eher genörgelt statt gelobt wird: Je mehr „Gefällt mir“, desto mehr Selbstvertrauen. Der Status als Statussymbol.

20. Tag: Langsam gefällt mir beim Arbeiten zu Hause, dass ich nicht abgelenkt werde. Ich komme schneller voran. Menschen, die an der Arbeit täglich am PC sitzen und nebenbei „facebooken“, müssen es fatal schwer haben, sich zu konzentrieren. Der ständige Input stopft die Köpfe voll. Wer günstig Urlaub machen will, stellt für zwei Wochen das Internet ab. Keine Sorge, die Entzugserscheinungen legen sich nach einigen Tagen wieder.

26. Tag: Zwei von 35 befragten Schülern haben im letzten Jahr ein Buch gelesen. 34 von 35 hängen täglich mehr als zwei Stunden vor FB. Früher tummelte sich die Jugend im Klinkes auf grüner Wiese, heute tummelt sie sich auf blauer Wiese. Wenn wir früher Hausarrest hatten, war das eine Strafe. Heute kann man seine Freunde trotzdem treffen – im Netz. Internetverbot ist der moderne Hausarrest!

37. Tag: Die FB freie Zeit ermöglicht die Rückkehr zum Monotasking. Statt tausend Dinge auf einmal zu machen und dabei noch zu telefonieren und auf FB Antworten zu tippen, bleibe ich länger konzentriert bei einem Thema. Eine Freundin meinte passenderweise, ich sähe so richtig entspannt aus. Ein Kollege ist erstaunt: „Echt, du nicht mehr auf FB, hab ich noch gar nicht bemerkt!“ Ich erwidere zufrieden: „Dann weiß ich wenigstens, dass ich keine von denen war, die alle ständig mit den noch so kleinsten Fakten aus ihrem Leben zugespamt hat!“

45. Tag: Meine nach München ausgewanderte Freundin möchte, dass ich wieder auf FB zurückkehre, damit ich mich an den Planungen für Silvester beteilige.

50. Tag: Silvester-Endplanung bei Wein mit Freunden auf dem Sofa: face to face und ohne FB. Klappt doch!

Fazit: Facebook ist zweifellos ein Fenster zur Außenwelt. Einige Vorteile sind  wirklich nicht zu leugnen. Man fühlt sich  up to date, die „Facebooker“ sind klar im Vorteil! Doch auch wenn das Netzwerk aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken ist, scheint mir Facebook an sich nicht so wichtig zu sein. Einladungen und Freunde aber schon.  Die findet man aber leider häufig nur dort. Dieser Gruppenzwang hatte mich vor drei Jahren da hinein befördert. Wem etwas an meiner Freundschaft liegt – das wird jetzt offensichtlich -, der meldet sich über andere Kanäle. Freunde „in echt“ zu treffen,  erhält wieder mehr Wert. Die Symptome des Entzugs waren denen einer realen Trennung ähnlich. Wenn man sich allerdings erst einmal daran gewöhnt hat, denkt man nach einiger Zeit weniger daran, was man auf Facebook alles verpasst, sondern vielmehr in der realen Welt. Zum Schutz der Nerven tut man gut daran, zu lernen, Dinge zu verpassen, ohne es zu bedauern. Der anfängliche Drang, zu Facebook zurückzukehren, schwindet. Nur um die Erinnerungen auf den vielen lustigen, verlinkten Fotos tut es mir irgendwie leid.

Eine Anleitung für Facebook-Aussteiger

Das eigene Facebook-Profil löschen, so wie es GEneration-Mitarbeiterin Julie Hardt in ihrem Selbstversuch gemacht hat? Leichter gesagt als getan, denn Facebook versucht das geschickt zu verhindern.

Möglich ist es dennoch, und so funktioniert’s: Im Menü „Hilfe“ muss man in der Suchzeile zunächst „Konto löschen“ eintippen und den Punkt „Wie kann ich mein Konto dauerhaft löschen?“ auswählen. Hier findet sich der Link zum Ausstieg. Nach einem Klick auf den Button „Mein Konto löschen“ und der anschließenden Bestätigung ist das Profil aber längst nicht Geschichte. Denn natürlich hofft Facebook, man möge doch wieder zurückkommen. Bis der Löschvorgang tatsächlich gestartet wird, vergehen vierzehn Tage. Loggt man sich in der Zwischenzeit wieder ein, gilt die Löschung für Facebook als widerrufen. Wer sich lediglich eine kleine Facebook-Auszeit nehmen möchte, kann sein Konto vorübergehend deaktivieren. In den Kontoeinstellungen unter dem Menüpunkt „Sicherheit“ versteckt sich die Funktion „Deaktiviere dein Konto“. Ein deaktiviertes Profil bleibt bestehen, ist aber unsichtbar, bis man es durch erneutes Einloggen wieder aktiviert.

Info: In der letzten Ausgabe des GrenzEchos in diesem Jahr lesen Sie den zweiten Teil des Offline-Tagebuchs von Julie Hardt.

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Beziehungsstatus: getrennt

ScreenBlog“Facebook – wat für’n Scheiß. Wetten, du kommst eh nicht mehr ohne klar?”  – „Wie bitte?! Natürlich komme ich ohne klar”, erwiderte ich leichtfertig. Halb Wette, halb Schnapsidee, so fing die Geschichte an. Nicht, dass ich mir schon öfter selbst gedacht habe, dass da eine Menge Schrott zu lesen ist. Noch dazu immer mehr unerwünschte Seiten, die – wie Facebook findet – zu meinem Verbraucherverhalten passen. Und genervt hat es irgendwie auch… z. B. dass man die Übersicht verlor bei den Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre, weil man irgendwann alles einzeln und nachträglich einstellen musste. Dann noch die ganzen „Freunde”:  mit 380 von 400 tritt man sowieso nie oder nur selten in Kontakt – und von engen Freunden hat man ja auch die Telefonnummer. Früher haben die Menschen es doch auch ohne Facebook geschafft, mit anderen zu kommunizieren. Heute sitzen sie sich im Restaurant gegenüber und starren nur aufs Smartphone statt sich zu unterhalten. Wie Wiglaf Droste so schön sagte: „Er scrollte, sie grollte.“ Freunde und Fotos ausmisten? Dauert zu lang. Privatsphäre-Einstellungen? Zu kompliziert. „Pfff, kein Problem, morgen löschen wir Facebook“, erwiderte ich todesmutig. Große Worte, mit unbehaglichem Beigeschmack.

ERSTER TAG: Das Schlussmachen schien zunächst viel einfacher als im wirklichen Leben. Nach anfänglicher Sucherei auf der Seite, wo denn überhaupt die „Tür“ zum Offline-Leben sei, waren wir nur noch zwei Klicks entfernt von der Freiheit. Facebook machte mir die Trennung nach dreijähriger Beziehung ganz schön schwer und fragte mich zweimal, ob ich auch wirklich sicher sei, dass ich es verlassen möchte. Hmm, hundertprozentig sicher nicht, aber ich konnte mir ja schließlich nicht die Blöße geben, abzuspringen und damit zuzugeben, dass ich genauso abhängig bin wie alle anderen  – ich bin stark. Und dann hatte das soziale Netzwerk so kurz vor Schluss noch eine ganz miese und subtile Nummer parat: Auf dem Abschluss-Bildschirm erschienen Profilbilder(!) von meinen besten Freunden (die ich mit Sternchen als „wichtig“ in meiner Prioritätenliste markiert hatte, damit ich auch immer weiß, was sie so treiben …). Zu allem Überfluss ließ die Seite mich unter den angezeigten Fotos wissen: „Sarah wird dich vermissen, Julie!“ und „Patrick wird dich vermissen! Und der und der auch.“ Soll ich jetzt etwa heulen oder was?! Nein, das geht zu eindeutig zu weit… Big Brother is watching me – ich lass’ mich doch nicht manipulieren. Die vielen Bedenken und die brandaktuellen Abhörskandale in den Medien gaben mir den letzten Ruck. Offline. Voilà, geschafft. Raffiniert wie Facebook jedoch ist, hält es sich, bzw. mir ein Hintertürchen auf und versaut mir den sauberen Schlussstrich: Ich könne jederzeit wiederkommen, hieß es. Ich müsse nur meine E-Mailadresse und das Passwort eingeben und alles sei wie zuvor. Das ist ja wie einem Alkoholiker, der auf Entzug ist, eine Pulle Whisky vor die Nase zu stellen. Facebook = der Superpartner, der dich immer wieder mit offenen Armen empfängt, egal wie oft du ihn fallen lässt.
Am Abend sage ich zu mir selber: „Ich hab es getan und bin überrascht.“ Male mir jetzt Freiheit durch Anonymität aus – vor mir liegt wunderbares… nämlich erst einmal nichts. Am Nachmittag gleich die Antwort einer Freundin auf eine SMS-Frage von mir: „Schau mal in unsere Facebook-Gruppe, da steht alles.“ „Da bin ich nicht mehr,“ schreibe ich stolz zurück. „Wie, echt?!“ (als gäbe es diese Option in der heutigen Welt nicht mehr) „Haha, jaja, mal sehen, wie lang du das aushältst…“ – Da bin ich allerdings auch mal gespannt. Am Abend meint eine andere Freundin: „Boah, du bis ja voll krass alternativ drauf. Da überlegt man ja glatt, das Gleiche zu machen. Ich schreib eh mehr über WhatsApp.“ Hmm, was heutzutage als „krass“ gilt… Unsere Großeltern zogen in den Krieg, heute reicht eine Trennung von Facebook.

ZWEITER TAG: Umstellungen in den Gewohnheiten werden zwangsläufig. Statt vor der Arbeit diverse Nachrichtenportale zu überfliegen, Facebook zu checken und Mails zu schreiben, fliege ich länger über die Nachrichten. Und noch mal nachmittags. Ich lese ungewohnt oft die Nachrichten – eine alte Facebook-Gewohnheit halt: immer etwas neues, der Nachrichtenstrom darf nie abreißen. Ich konsultiere mehrere Seiten, um mir Befriedigung zu verschaffen. Befasse mich intensiver mit dem Weltgeschehen als mit dem Glück und Leid meiner über 400 Facebook-Freunde. Dem Weltgeschehen fehlt jedoch irgendwie die persönliche Note.

DRITTER TAG: Der Schrott auf der Startseite fehlt mir kein bisschen. Ich bin zufrieden. Komme nach Hause. Normalerweise hätte ich jetzt ein Ründchen mit meiner Facebook-Beziehung gedreht. Stattdessen bin ich erstaunt über die viele Zeit, die ich nun habe, um die Wäsche zu erledigen. Ich schaffe es sogar noch, die Haare mit dem Glätteeisen zu bearbeiten – wow, dafür hab’ ich sonst nie Zeit. Mir wird bewusst: Facebook frisst echt viel Zeit.

VIERTER TAG: Habe ohne Facebook Probleme, mir Zugang zu Informationen zu verschaffen. Es ist die reinste Ideenbörse mit seinen Statusmeldungen, schlauen Sprüchen, Weltverbesserergruppen, Youtube-Videos und Abonnements. Da fanden sich mehrmals täglich Pressenews und Modetrends auf meiner Startseite. Die Startseite. „Also bei mir ersetzt das die Zeitung,“ erklärt eine Bekannte. Schöne neue virtuelle Welt. Dank Facebook stecken die guten alten Papierzeitungen noch mehr in der Krise.

Ob unsere GEneration-Mitarbeiterin es schafft, Facebook-abstinent zu bleiben, erfahrt ihr in der nächsten Woche.