Was bei übermäßigem Alkoholkonsum auf dem Spiel steht

Gerade zu Karneval ist gegen ein paar Gläser Bier wohl nichts einzuwenden. Damit der Abend aber nicht mit einem Besuch in der Notaufnahme endet, sollte einiges beachtet werden. Guido Klinkenberg, Chefarzt am St.Nikolaus-Hospital in Eupen, erklärt, was in Sachen Alkohol geht und was bei übermäßigem Konsum auf dem Spiel steht.

 

Von Annick Meys

 

Ab wie viel Promille spricht man von einer Alkoholvergiftung und ab wann wird es lebensbedrohlich?
Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Es spielen verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel Alter, Körpergewicht und Trinkgewohnheiten, eine Rolle. Bei Jugendlichen ist man bei zwei Promille sicherlich in einem sehr ungesunden Bereich. Ab drei Promille kann man von einem lebensbedrohlichen Zustand sprechen.
Welche Menge Alkohol muss ein durchschnittlicher Mann getrunken haben, um diesen Zustand zu erreichen?
Das ist auch wieder sehr abhängig von den Trinkgewohnheiten, von der körperlichen Verfassung, Körpergewicht usw. Es hängt auch davon ab, ob man Bier trinkt, oder Hochprozentiges. Ein wichtiger Aspekt ist auf jeden Fall der Zeitfaktor. Wenn ein Jugendlicher über den Tag verteilt sechs Biere trinkt, wird er das wohl verkraften. Trinkt er sie innerhalb von zwei Stunden, wird das deutlich mehr Effekt haben. Der Alkohol kann so schnell vom Körper nicht abgebaut werden. Je mehr Menge in einem kurzen Zeitfenster getrunken wird, je mehr Effekt wird es haben. Das ist auch das Problem bei Jugendlichen, die trinken schnell große Mengen und hohe Dosierungen. Das kann schnell böse enden.
Karneval herrscht in der Notaufnahme sicher Hochkonjunktur, oder?
Die stressigen Tage sind für uns die Altweibernacht und der Karnevalssamstag. Es ist aber schon ruhiger geworden. Ich erinnere mich an ein Jahr, da war es ganz schlimm. Die Stadt hatte die ganz schlechte Idee, in einem Zelt auf dem Werthplatz Freibier zu verteilen. Das haben die Jugendlichen ausgenutzt und wurden reihenweise bei uns eingeliefert. Das ist dann zum Glück nicht mehr gemacht worden.
In welchem Zustand befinden sich die Patienten, die Karneval wegen Alkohol in der Notaufnahme landen?
In der Notaufnahme landet niemand, der einfach nur betrunken ist. Zu uns kommen die Leute, die vom Rettungsdienst öffentlich aufgelesen werden, die zusammengebrochen sind und sichtlich nicht mehr gehfähig und ansprechbar sind und deren Zustand offensichtlich lebensbedrohlich ist.
Wie wirkt der Alkohol im Körper?
Der Alkohol greift mehrere Organe an. Am schnellsten betroffen ist das Nervensystem, also das Gehirn. Zuerst lässt die Koordination, die Feinmotorik nach. Je mehr Alkohol man dem Gehirn in kürzester Zeit zumutet, je weniger leistungsstärker wird es. Die normalen neurologischen Mechanismen verlassen uns: Wir sprechen undeutlich, können nicht mehr klar denken, sind nicht mehr sicher auf den Beinen, wir fallen hin, wir verlieren das Bewusstsein und die Erinnerung. Im schlimmsten Fall kann das zu einer Herzschwäche und einer nicht mehr ausreichenden Atmung führen. Dadurch bestehen dann auch nicht mehr die Schutzreflexe, sodass man, wenn man sich erbricht, das Erbrochene unter Umständen wieder einatmet. Das hat dann immer eine lebensbedrohliche Situation zur Folge.
Wie wird der Patient dann behandelt?
Er wird zuerst neurologisch untersucht. Wir wissen ja nicht, ob der Patient nur im Alkoholrausch ist, und deswegen nicht ansprechbar, oder ob er möglicherweise gestürzt ist und innere Verletzungen hat. Und dann bekommt er Infusionen angelegt, um das Blut zu verdünnen. Wenn der Zustand es erfordert, muss der Patient intensiv überwacht werden, bis hin zur künstlichen Beatmung.
Wird auch der Magen ausgepumpt?
Das ist keine klassische Maßnahme bei übermäßigem Alkoholkonsum, sondern eher bei Medikamentenkonsum. Wenn jemand bereits komatös ist, dann ist das ja schon die Auswirkung des Alkohols, das im Blut ist. Dadurch kann man das ja nicht wieder herausfiltern.
In welchem Alter sind die Patienten?
Das reicht von 13 bis 83 Jahren.
Also nicht auffällig viele Jugendliche?
Nein.
Was kostet der Aufenthalt in der Notaufnahme?
Das hängt davon ab, was gemacht wurde. Im teuersten Fall kann das die Krankenkasse ein paar 1.000 Euro kosten.
Wie viele Gehirnzellen riskiert man bei einem Vollrausch?
Da man nicht genau weiß, wie viele Gehirnzellen ein Mensch überhaupt hat, – Es sind ein paar Millionen – kann man auch nicht messen, wie viele er bei einem Vollrausch verliert. Sicher ist aber, dass das Hirn nach einmaligem Rausch keine schlimmeren Schäden davonträgt. Es wird erst zum Problem, wenn es regelmäßig passiert.
Wie lange dauert es, bis der Körper sich von einem Vollrausch erholt hat?
Das braucht schon etwa acht Stunden.
Stimmt es, dass frische Luft die Wirkung von Alkohol noch verstärkt?
Nein, das ist ein Mythos. Es ist eher so, dass die Leute nach draußen gehen, sobald sie merken, dass es ihnen schlechter geht.
Was sollten Jugendliche beim Trinken beachten?
Es geht darum, dass man sich Zeit nimmt beim Trinken. Schnelles Trinken ist extrem gefährlich. Auf jeden Fall sollte auf Hochprozentiges verzichtet werden.
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JGV Espeler, einfach unverbesserlich

Am Karnevalswochenende wird Ostbelgien mit hunderten Clowns, Cowboys, Vampiren und Piraten bevölkert sein. Inmitten dieser Truppen von Karnevalisten  wird eine Truppe kleiner gelber Männchen sicherlich auffallen: die „Minions“ des JGV Espeler.
Von Allan Bastin
Die meisten werden die „Minions“ aus dem Film „Ich – Einfach unverbesserlich“ (siehe rechts) kennen. Die anderen haben die kleinen gelben Männchen vielleicht mal als Emoticon im Facebook-Chat benutzt.  Wer sich jedoch darunter überhaupt nichts vorstellen kann, der sollte am Karnevalswochenende in Deidenberg und Oudler vorbeischauen. Unter dem Thema „Espeler – Einfach unverbessserlich“ wird dort die rund 35 Mann starke Truppe des Junggesellenvereins (JGV) Espeler die Straßen unsicher machen und den Zuschauern beste Unterhaltung bieten. Was am Tag selbst als gelassen und selbstverständlich wahrgenommen wird, erforderte zuvor eine wochenlange Vorbereitung.
IMG_7763Während andere die Weihnachtsgans einkauften oder auf der Suche nach den letzten Geschenken waren, trommelte der Präsident des JGV Espeler, Yannick Weber, seine Leute zusammen. Auf dem Programm der Versammlung stand Karneval. Relativ schnell kristallisierte sich dort das Thema der „Minions“ heraus. „Wir hatten jedoch Angst, dass wir nicht die passende Verkleidung finden würden, da das Thema doch relativ ausgefallen ist“, erklärt Yannick Weber. Als man jedoch die richtigen Kostüme ausfindig machte und diese bedruckt werden konnten, stand der Begeisterung der Mitglieder nichts mehr im Weg.
karneval (2)Sogleich begannen die Männer auch mit der Realisierung des Karnevalswagens. Während sich das einzige Mädchen des Vorstandes um die Kostüme kümmerte, nahm Yannick Weber die Planung des Wagens selbst in die Hand. Dabei wollte man sich nicht auf einen einzigen Wagen beschränken: So wird das Haus und das Fahrzeug des Anführers der „Minions“, der „Gru“ heißt, nachgestellt. Den Bösewicht selbst wird man ebenfalls auffinden. Und als kleines Special wird eine Szene aus dem Film zu sehen sein, in der die „Minions“ an einer Lampe hängen und durch die Gegend geschleudert werden. „Das wird noch etwas knifflig werden, aber wir bleiben dran“, erzählt der Präsident.
Gearbeitet wird seit zirka zwei Monaten mehrmals pro Woche in einer Scheune, die dem JGV freundlicherweise von einem langjährigen Gönner zur Verfügung gestellt wird: „Wir sind ihm dafür sehr dankbar. Dort sieht es danach auch aus wie eine Sau, doch glücklicherweise macht das dem Besitzer nichts aus.“
IMG_7771Anwesend sind beim Wagenbau meist rund 20 Jungen und Mädchen. Die Rollenverteilung ist klar: Während die Männer sich um den Bau des Wagens kümmern, designen die Frauen die „Minions“-Kostüme.  Die Stimmung beim Basteln ist nicht zu toppen, auch wenn tatkräftig bei der Arbeit meist lediglich ein harter Kern von zehn Personen ist. Die Schuld hierfür schiebt Weber sich aber mit einem Lächeln selbst in die Schuhe: „Ich hatte die Idee, eine gemütliche kleine Hütte mit Getränken einzurichten. Das war wohl ein großer Fehler, da die Leute meist nur noch dort hocken. Da ist es schon schwierig, als Präsident die Leute bei der Arbeit zu halten.“ In diesem Jahr entschlossen sich die Junggesellen dazu, weniger mit Servietten-Rosen und mehr mit Pappmaschee zu arbeiten. Die Frage, ob der Präsident des Vereins keine Angst habe, durch fehlende Rosen, die beim Veranstalter gut angesehen sind, weniger Geld aus dem Erlös des Umzuges zu erhalten, verneint Weber. „Wir haben eigentlich immer ein gutes Verhältnis zu den Organisatoren gehabt, sodass wir eigentlich schnell in derselben Preisklasse landen.“ Dem fügt Weber hinzu, dass sie „auch einen schönen Wagen ohne Rosen hinbekommen. Das wissen die Veranstalter“. Dass der JGV Espeler bei den Karnevalisten einen guten Namen hat, weiß der 24-Jährige: „Wir sind schon des Öfteren von den Organisatoren anderer Umzüge gefragt worden, ob wir zu ihnen kommen wollen. Da wir uns aber mit den aktuellen Veranstaltern gut verstehen und in Deidenberg immer eine ausgelassene Stimmung herrscht, sehe ich keinen Grund zu wechseln“, sagt Weber, der sich vor allem auf den kommenden Samstagmorgen freut. „Das ist der schönste Moment beim Karnevalswagenbau. Wenn der Wagen die Scheune verlässt und der ganze Verein sieht, was wir geleistet haben. Da bin ich jedes Mal überglücklich.“
karnevalFotos: Alexander Kuckart