M’era Luna – bald vorbei.

mera31 mera32  12. August – 00:33 Uhr

M’era Luna neigt sich dem Ende zu – und es war genial.

Gerade werden hier und dort noch Die Handynummern getauscht, die schwarze Szene trifft sich noch einmal bei den Essenständen, Feuerwerke gehen hoch, M’era Luna mera34genießt den letzten Abend.

Das besondere Highlight: die Mülltrommel. Auf Müllresten wird zusammen getrommelt bis der Morgen graut.

Die letzten Band des Tages waren auch, wie zu erhoffen, legendär, und konnten 25.000 Fans begeistern.

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Zur Elektronik-Band „Blutengel“ gibt es hier auf dem Festival zwar durchaus gespaltene Meinung, die einen hassen sie, die anderen lieben sie, aber eines muss man den Musikern lassen: Sie geben sich Mühe. Seien es nun leicht bekleidete, tanzende Mädchen auf der Bühne, die aufwändigen Verkleidungen (der Schlagzeuger steckte in einem Ganzkörperanzug) oder die Bühne mit überdimensionalen Thron, aufwändig ist das Programm um die schwarze Musik in jedem Fall.

Die belgische Band Front 242 macht dann eine 180-Grad-Drehung. Bühne und Kostüme bleiben schlicht, lediglich die Nebelmaschine ist ununterbrochen in Betrieb. Und trotz allem ist die Elektronik-Musik vom Feinsten, der große Fankreis vor der Bühne ist begeistert, möchte gar nicht mehr aufhören, zu moshen (also sich gegenseitig vor der Bühne liebevoll herumzustoßen).

Und dann Nightwish. Nightwish. Nightwish. Es ist ehrlich schwer, über den Auftritt der Band zu schreiben, ohne sich zu sehr von persönlichen Begeisterungsstürmen leiten zu lassen. Aber selbst objektiv gesehen muss man sagen: Es war ein verdienter Abschluss.

Ehrlich gesagt plagte mich anfangs die Angst, ob die Entäuschung über den lang erwarteten Auftritt nicht zu groß sein würde. Denn die Symphonic-Metal-Band hat nun bereits zum zweiten Mal die Frontsängerin gewechselt, Berichte über vergangene Konzerte fielen nicht gerade gut aus. Doch Floor Jansen als neue Frontsängerin ist unglaublich. Zum einen singt sie zwar tiefer als die ehemalige Sängerin Tarja Turunen, bringt aber dafür einen ganz eigenen Stil mit. Und hat zum anderen dabei eine Natürlichkeit auf der Bühne, die sich sehen lassen kann.

Die Show ist ebenso immens: eine Feuershow, die noch größer ist als die von ASP, eine riesige Filmleinwand, speziell abgestimmt auf die Songs, eine unglaubliche Lichtshow. Und mittendrin die ganzen alten Lieder, aber auch die besten aus dem neuen Album Imaginaerum.

Nightwishs aktuelle Tour endet auf dem M’era Luna, und mit ihnen auch das M’era Luna selbst – ohne Zugabe, leider.

Jetzt werden wie beschrieben noch die letzten Ausläufer des Festivals genossen, bevor es morgen dann für die letzten Nachzügler heißt: Abschied nehmen.

Das Fazit: Es war ein wunderbares Festival für alle die, die alternative Musik mögen. Mit 25.000 Besuchern ist M’era Luna nicht das größte Festival seiner Art, dafür umso privater, gesitteter und trotz allem voller Atmosphäre.

Text und Fotos: Nathanael Ullmann

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M’era Luna – eine Modenschau.

11. August, 15:19 Uhr
Heute Morgen hatten wir Angst. Geweckt wurden wir vom zarten Klang prasselnder Tropfen auf dem Zeltdach. Das Wetter heute bleibt aber mehr oder weniger beständig. Mal scheint die Sonne, mal kommen ein paar Tropfen herunter, richtig schütten tut es nie. Aber wirklich warm wird es nur selten. Gerade die letzte Nacht war winterlich kalt.

Auch wenn heute morgen „Coppelius“ ordentlich eingeheizt hat. Nach alter Manier im Kutschermantel und Zylinder begeisterte die Band vor allem durch ihr Bühnenprogramm. Seien es nun die Litfaßsäule, aus der die Musiker zu Anfang steigen, der Butler, der die ganze Show über die Bühne läuft oder einfach nur die außergewöhnlichen Kostüme – hier stimmt einfach alles.

Im Anschluss bietet „The 69 eyes“ dann guten, alten Rock. Ohne viel Drumherum, in schwarzem Dressing, nur mit guter Musik.

„Tanzwut“ macht ebenfalls ein wunderbares Mittelalterrock-Programm, aber irgendwie springt der Funke zum Publikum nicht ganz über. Das klatscht zwar hin und wieder mit, die übliche Tanzlaune bleibt aber dieses Mal aus…

Ich habe es im vorherigen Post versprochen, nun soll es folgen, ein kleiner Exkurs noch zu der Bekleidung auf M’era Luna. Die ist nämlich nicht nur, wie bei sonstigen Festivals, mit kurzer Hose und T-Shirt, hier begegnet man zum Teil wahren Wunderwerken der Schneiderkunst.

Ein Ballkleid ist hier kein Einzelfall, Cyberpunker stolzieren mit unglaublich hohen Sohlen durch den Staub, Steampunker setzen Pilotenbrillen auf oder ziehen ihren Zylinder zum Spazierstock auf, etc. Bis zur Unkenntlichkeit wird sich geschminkt, man kann oft nur vermuten, wie das Gegenüber wohl im „echten“ Leben aussieht.

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Und natürlich ist auch nackte Haut hier an der Tagesordnung. Ganz nackt geht es hier zwar nur unter der Dusche zu, aber manch ein Kleid lässt trotz allem tief blicken.
Eine kleine Auswahl von Gewandungen habe ich in dieser Fotostrecke hochgeladen. Aber ich könnte den ganzen Tag hier stehen und aus dem Fotografieren nicht mehr herauskommen, denn hier läuft viel Wundervolles, Sonderbares, Außergewöhnliches herum.

Nach einer kleinen Pause wird es heute dann ein letztes Mal zur Mainstage gehen, wo mit Blutengel, Front 242 und schlussendlich Nightwish dann auch dieses Festival zu Ende geht.

Darüber wird dann auch noch einmal zu berichten sein.

Text und Fotos: Nathanael Ullmann

M’era Luna – will brennen.

mera211 mera212 mera21310. August – 23:30 Uhr

Was für ein Tag. Gerade spielt HIM im Hintergrund noch die letzten Töne, dann ist M’era Luna auch schon wieder zur Hälfte überstanden.

Weil es über den heutigen Tag eine solche Unmenge zu berichten gibt, habe ich beschlossen, die ursprünglich geplante Fotoserie über die Kleidung auf dem Fest auf den morgigen Tag zu verschieben. Heute gebe ich also lediglich noch eine kurze Rückmeldung über eine Auswahl der Bands, die heute aufgetreteten sind.

Das Highlight des Tages war sicherlich ASP. Die Band um Alexander Spreng hat es wie vor zwei Jahren geschafft, das Publikum während eineinviertel Stunden mitzureißen. Das liegt nicht nur daran, dass die Band mit ihrem schwarzen Elektro-Rock die perfekte Musik für das M’era Luna vorgibt, sondern auch am engen Kontakt zu den Menschen vor dem Bühnengraben, ergo den Fans. Sei es nun, dass das Publikum klassisch zum Klatschen aufgefordert wird, mitsingen muss, oder mit Wunderkerzen schwingen darf. Eine unglaubliche Lichtshow sowie viele, viele Pyroeffekte (Kunstschnee bei „Und wir tanzten“, Feuer bei „Ich will brennen“) gaben dann den Rest, dass diese Show ein Feuerwerk war.

Aber bereits am Morgen hatten „Lord of the Lost“ schon ungewöhnlich großen Andrang, wovon die Band auch sichtlich angetan war. Auch diese Musiker haben an Publikuskontakt einiges dazugelernt, ganz im Gegensatz zu anderen Gruppen an diesem Tag (wie im Folgenden berichtet).

Nach einem kurzen Besuch im Hangar, der für die Elektroliebhaber geöffnet ist, und einem Shopping, beschallt durch den Rammstein-Verschnitt „Ostfront“, geht es dann zu Saltatio Mortis.

Saltatio Mortis ist wohl jedem Mittelalterrock-Fan ein Begriff. Fast schon verwunderlich deshalb, dass sie am frühen Mittag spielen. An ihrem Programm kann man allerdings nicht meckern. Frontsänger „Alea der Bescheidene“ zeigt sich fröhlich, ganz nah am Publikum, wagt sogar ein Crowdsurfing. Und die Dudelsackmusik klingt dazu nach wie vor genial.

Anschließend aber ein wenig Ernüchterung. The Crüxshadows könnten eigentlich ganz gut sein. Mit durchdachten Texten und gutem Elektro-Pop sind sie zumindest nicht fehl am Platz. Allerdings fehlt eine vernünftige Performance. Sänger Rogue predigt recht lustlos sein Programm herunter, da können selbst die beiden (zumindest gelegentlich synchronen) Tänzerinnen nichts mehr retten.

Mono Inc. macht dann allerdings wieder ordentlich Stimmung, auch wenn, ausgenommen Gesang, Schlagzeug, Gitarre und Bass, alles Orchestrale aus der Dose kommt. Aber das Problem hatte die Band auf diesem Festival bereits beim Auftritt vor zwei Jahren. Und sogar einen Gaststar können sie präsentieren: Joachim Witt. Der singt ein Lied mit, zusammen mit einem ziemlich passenden Kinderchor.

Mit „Deine Lakaien (Acoustic)“ kommt dann die größte Enttäuschung des Tages. Nur mit Flügel und Gesang wollen sie eine Stunde lang amüsieren. Das musikalische Niveau ihrer Show ist enorm hoch, allerdings passt die ruhige Musik nur recht geringfügig zu einem Festival, geschweige denn zu M’era Luna. Die Menge gibt sich trotz allem mehr oder weniger begeistert.

Nach dem bereits erwähnten überragenden Auftritt von ASP folgt dann als Headliner HIM. Der ist selbstverständlich eine große Nummer im Musikgeschäft. Und das hört man (auch jetzt noch). Trotz allem bleibt der persönliche Eindruck, dass ASP alleine wegen ihrer stärkeren Neigung zur schwarzen Musik und dem größeren Publikumskontakt, der schließlich auf Festivals von nicht gerade kleiner Bedeutung ist, mehr begeistern konnten.

Morgen folgen dann erneut ein paar (hoffentlich) wundervolle Auftritte: Coppelius, Tanzwut und selbstverständlich Nightwish, um nur einige zu nennen.

Wir dürfen gespannt bleiben.

Text und Fotos: Nathanael Ullmann

M’era Luna – Let the show begin.

mera21 mera22 mera2310. August, 10:31

Morgenstimmung im Zeltlager. Verschlafene Gothics tauchen aus ihren Zeltgräbern auf, brauchen noch ein, zwei Stündchen, bis die Schminke sitzt, die Show endlich losgehen kann.

Wurde gestern noch bis lange nach Mitternacht in der Hangar Stage gefeiert, waren heute dann schon um acht Uhr morgens die ersten Rufe nach Kaffee um die Zeltburg herum zu hören.

Am Waschbecken zeigt sich, was dieses Festival (neben den Bands und der Atmosphäre) besonders macht: die Hygiene. Neben Dixieklos gibt es tatsächlich richtige Toiletten, fließend Wasser und Duschen. Selbstverständlich ist dementsprechend groß auch der Andrang. Aber gerangelt wird nicht, M’era Luna ist ein soziales Festival.

Natürlich steht jetzt auch eine große Menge am Frühstücksstand an. Man will schließlich gestärkt sein, wenn es heute mit Molllust, Lord of the Lost und Reverie losgeht.

Da geht es gleich auch hin, heute Abend folgen dann die ersten Eindrücke von den Bands.

Text und Fotos: Nathanael Ullmann

M’era Luna – angekommen.

mera1 mera29. August 2013 – 22:02 Uhr

Wir sind angekommen. Und das trotz 40 Minuten Verspätung bei der Bahn.

Bereits ab dem wunderschönen Bahnhof Löhne merkt man: Es ist kein Wochenende wie jedes Wochenende. Der Zug ist voll von Menschen, die der schwarzen Farbe fröhnen, von Individuen, von Alternativdenkern.

Angekommen am Bahnhof Hildesheim, werden wir mit dem Shuttlebus  zum ehemaligen Flugplatz der Stadt gebracht. Hier wird das Festival abgehalten.

Am Pressestand folgt dann allerdings die große Enttäuschung: Mit meinem Fotopass sind mir Fotos von Künstlern auf der Bühne versagt. Ich werde hier also nur Atmosphären-Fotos posten dürfen. Was aber so schlimm gar nicht ist, denn davon gibt es auf dem M’era Luna genug.

Zwar spielen diesen Freitag noch keine offiziellen Bands, aber trotz allem gibt es hier schon jede Menge Stimmung. Gerade auf dem Mittelaltermarkt, der direkt am Zeltplatz steht. Gaukler jonglieren mit Feuer, kleine Bands spielen auf Dudelsack und Flöte. Und wer mag, kann dem Schmied bei seiner Tätigkeit zusehen, sich ein mittelalterliches Kleid zulegen oder einfach nur in den vielen atmosphärischen Läden herumstöbern.

Gerade wird hinter mir mit Strohsäcken um den Platz auf dem Baumstamm geprügelt. Der, der als erstes von ebendiesem fällt, hat verloren.

Morgen wird dann wieder die Kamera gezückt und geschaut, was fototauglich ist.

Text und Fotos: Nathanael Ullmann

M’era Luna – ein letztes Mal Zivilisation

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Freitag, 9. August, 9:16 Uhr

Gleich, gleich geht es los. Ein letztes Mal noch sitze ich hier an meinem Heimrechner, aber in wenigen Minuten werde ich in den Zug steigen – und dann geht es ab nach Hildesheim zum „M’era Luna„, dem Festival schlechthin für alternative Musik.

Koffer und Kuh sind schon gepackt (wie man auf dem Bild sehen kann), nun bleibt nur noch durchatmen und hoffen, dass ich nicht die Zahnbürste vergessen habe.

Meine Prognose: Es wird legendär.

Nicht nur wegen Nightwish, auch weil so viele andere geniale Bands da sein werden. Man denke nur an Coppelius, ASP, Tanzwut, …

Und nicht nur die Bands auf dem M’era Luna sind so unglaublich toll ausgewählt, auch die Atmosphäre ist fantastisch. Das Festival wirkt im Grunde wie eine Symbiose aus Konzert und Modenschau, ein Zuammenkommen von alledem, was in unserer Gesellschaft keinen Platz hat, ein unglaublich sozialer Treffpunkt der schwarzen Szene (und anderen).

In den nächsten drei Tagen werde ich hier regelmäßig aktuelle Gedanken hineinposten,es lohnt sich also, regelmäßig vorbeizuschauen. Über Kommentare freue ich mich natürlich sehr.

Ansonsten heißt es nur, gespannt bleiben…

 

Text und Foto: Nathanael Ullmann