Nachgefragt bei „Monster-„Darstellern

Die Schülerinnen Saskia Roder („Alex“) und Sally Erkens („Jackie“) stehen nach „Knastkinder“ zum zweiten Mal auf der Bühne, für Louisa Thielen in einer Nebenrolle hingegen stellt „Monster“ eine Premiere dar. GEneration fragte nach, wie es ist, eine Jungschauspielerin zu sein.

Saskia, Louisa und Sally (v.l.n.r.)

Saskia, Louisa und Sally (v.l.n.r.)

Hat euch der Erfolg von „Knastkinder“ überrascht?
Sally Erkens: „Absolut. Wir hätten nicht gedacht, dass gleich unser erstes Stück so gute Resonanzen beim Publikum hervorruft und wir vor so vielen Menschen auftreten dürfen. Das hat uns natürlich sehr gefreut.“

Welche Erfahrungen habt ihr in eurer Zeit in der Jugendtheatergruppe gemacht?
Louisa Thielen: „Wir spielen nicht einfach drauf los. Jörg Lentzen gibt darauf Acht, dass wir auch lernen, durch Aussprache, Sprechlautstärke, Gestik, Mimik oder Rollenverständnis darstellerisch Akzente zu setzen.
Es ist beispielsweise nicht für jeden Darsteller selbstverständlich, Charakterzüge wie Hinterlist oder Heimtücke glaubwürdig darzustellen. Das muss man erst lernen.“

Wie viel Zeit nimmt die Teilnahme in einer Theatergruppe in Anspruch?
Saskia Roder: „Gar nicht mal so viel, wie man eigentlich meinen sollte. Für ‚Monster‘ proben wir seit Oktober jeden Freitagabend zirka zwei Stunden. Zudem haben wir am Wochenende des 7. und 8. Februar einen Theaterworkshop in Worriken in Bütgenbach absolviert. Hinzu kommt natürlich noch die persönliche Vorbereitung, die aus Einlesen ins Drehbuch und Lernen der Texte besteht.“

Wie sieht es mit der Aufregung aus? Steigt das Lampenfieber?
Saskia Roder: „Einige von uns sind schon ganz schön nervös. Ich persönlich jedoch bin in meiner Rolle in „Knastkinder“ derart aufgegangen, dass ich das Publikum gar nicht mehr bemerkt habe.“

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Junge „Monster“ liefern starkes Stück

Am Freitag um 20 Uhr präsentiert Chudoscnik Sunergia in Eupen die Premiere der Jugendtheateraufführung „Monster“ im Rahmen des scenario Festival 2015. „Monster“ ist die zweite, mit Spannung erwartete Produktion der  Theatergruppe des Jugendtreff Inside Eynatten, die im vergangenen Jahr mit „Knastkinder“ einen Überraschungserfolg landete.

 

Von Björn Marx

150310_Szene_5Zwischen Lampenfieber und Scheinwerferlicht: Bei Sally Erkens, Saskia Roder, Bálász Zsido, Céline Gils, Julien Robinet, Delia Kalff und vielen weiteren Darstellern steigen die Erwartungen an den 20. März, wenn sie ihr neues Stück „Monster“ im Rahmen des scenario Festival 2015 uraufführen werden. Die 14- bis 25-jährigen Jungdarsteller der Theatergruppe des Jugendtreff Inside Eynatten werden jedoch nicht zum ersten Mal auf einer Bühne stehen, war ihre erste Zusammenarbeit mit dem Theaterpädagogen Jörg Lentzen im letzten Jahr doch ein Überraschungserfolg.

Das Stück „Knastkinder“ wurde insgesamt acht Mal vor größtenteils ausverkauften Sälen aufgeführt, darunter zwei Mal im Eupener Hotel Bosten, und vom Publikum stets begeistert beklatscht. Nun steht mit „Monster“ die nächste Produktion auf dem Programm, die die jungen Darsteller nicht nur ins Jünglingshaus nach Eupen, sondern später auch nach Aachen, ins flämische Maasmechelen, in die niederländischen Städte Heerlen und Sittard und schließlich in den heimischen Bergscheider Hof in Raeren führen wird. „Monster“ ist ein Drehbuch des deutschen Autoren Christian Ulmcke und wurde von den Darstellern sorgfältig aus mehreren Vorlagen ausgewählt.

Plakat Monster DEEs handelt sich um ein Stück, das die negativen Aspekte des heutigen Alltags an Schulen aufgreift. So heißt es im Ankündigungstext: „Die Schule, ein Ort des Lernens, der Freude und der Freundschaft? Falsch. Wohl eher ein grausamer Ort voll von Mobbing, Ausgrenzung, Gewalt, Drogen und falscher Freunde. Ihr glaubt mir nicht? Da wart Ihr wohl noch nie in einer Schule – zumindest nicht in unserer Schule. Denn das wichtigste, was wir hier lernen, ist, dass es überhaupt keine Rolle spielt, wie viel schlauer und netter und aufgeweckter du bist. Das Einzige, was zählt, ist die Fähigkeit, andere fertig zu machen.“ Das ist die harte Wirklichkeit in „Monster“, mit der die Protagonisten Sophie, Jonny, Ben, Jackie und Alex konfrontiert werden. Ob „Hübsche“, „Macho“, „Streberin“, „Kiffer“ oder „Emo“: Die Schüler einer Oberstufenklasse sind sich untereinander herzlich gleichgültig oder verachten sich sogar gegenseitig. In „Monster“ wird also die teils harsche Realität des Schulalltags thematisiert – „Heile-Welt“-Theater sieht anders aus. Auch die Kulissen sind spartanisch auf das Wesentliche reduziert: Vor weißem Hintergrund treffen maximal drei Schauspieler gleichzeitig aufeinander, sodass sie selbst und auch das Publikum auf die Darstellung fokussiert sind. Gerade dieser Wirklichkeitsbezug ist es, welcher der Theatergruppe des Jugendtreff Inside Eynatten seit ihrer Gründung im Jahre 2012 regen Zulauf beschert. „Während der schon damals florierenden Bandworkshops im Jugendtreff stellten einige Teilnehmer fest, dass auch Bühnenpräsenz professioneller Ausbildung bedarf“, so Werner Kalff, hauptamtlicher Leiter des Jugendtreffs Inside Eynatten. Daraus sei die Idee einer eigenen Jugendtheatergruppe geboren.

150310_EnsembleFür „Monster“ begeben sich seit Oktober jeden Freitag 16 Darsteller zur Probe unter Anleitung von Jörg Lentzen. Zwei Ensembles werden das Stück aufführen, einige Schauspieler übernehmen sowohl in der ersten wie auch in der zweiten Besetzung eine Rolle. Warum begeistern sich Jugendliche in einer Welt, die von Smartphones, Videogames und Social Media bestimmt wird, für eine traditionelle Kunstform wie das Theater? Theaterpädagoge Jörg Lentzen findet darauf sich ergänzende Antworten: „Theater ist Selbsterfahrung, bietet kreativen Spielraum und ist somit eine Schule fürs Leben. Genaues Zuhören, Neugierde, Spieltrieb und Zusammenarbeit sind wichtige soziale Kompetenzen, die die jungen Darsteller in der Zusammenarbeit untereinander und mit dem Theaterpädagogen verinnerlichen.“ Demnach biete Theater den Darstellern die Möglichkeit, sich selbst ernst zu nehmen und ernst genommen zu werden: von den Mitspielern, vom Publikum. Die Theatergruppe des Jugendtreff Inside Eynatten hat mit „Knastkinder“ und nun auch mit „Monster“ ein Vorurteil widerlegt, das Jugend­theater auf reinen Zeitvertreib für Jugendliche und damit auf mangelnde Ernsthaftigkeit reduziert. Sie haben bewiesen, dass auch junge Darsteller zu ernsten Themen Zugang finden. Wer diese Eindrücke nachempfinden und die jungen „Monster“ live erleben möchte, lässt sich die Premiere am 20. März um 20 Uhr im Jünglingshaus, Neu­straße 86 in Eupen keinesfalls entgehen. (bm)