Zu Hause bei Backfuchs Jasmin

Wenn Jasmin Heinen Torten mit pastellfarbenem Fondant, Zuckerperlen und Marzipan liebevoll bis ins kleinste Detail verziert, dann ist die 23-Jährige ganz in ihrem Element. Ihre große Leidenschaft, das Backen, teilt die Weywertzerin gerne mit anderen. Auf ihrer Facebook-Seite „Backfuchs Jasmin“ stoßen ihre Kreationen immer wieder auf Bewunderung. Als Konkurrenz zu den Konditoren sieht sie sich aber nicht: „Es ist nur ein Hobby, das mir Spaß macht, mehr nicht.“

Von Allan Bastin

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Angefangen hat alles mit kleinen Cupcakes, die sie in ihrer Freizeit zubereitet hat. „Es machte mir immer schon Spaß, für mich oder meine Familie zu backen. Meine ersten Muffins waren noch sehr einfach gestaltet, doch mit der Zeit habe ich immer wieder Neues probiert, um sie farbiger und schöner zu gestalten“, erzählt Jasmin Heinen. Heute zaubert sie zum Beispiel einen Minion-Kuchen. „Das wird etwas schwieriger, da dieser sitzt und hoch gebaut werden muss“, erklärt die 23-Jährige. Bevor sie sich an solche Kuchen heranwagte, backte sie nur Cupcakes, die wesentlich einfacher zu gestalten waren. „Torten sind natürlich viel aufwendiger. Die Zubereitung nimmt doch einige Stunden in Anspruch. Sehr zum Leidwesen meiner Mutter, da ich die Küche immer wieder besudele und lange Zeit besetze“, lacht Jasmin. Da darf das richtige Zeitmanagement natürlich nicht fehlen. Deshalb entsteht der Teig meist schon am Tag zuvor. „So kann der Boden schon abkühlen“, erklärt Jasmin. Am Tag darauf widmet sie sich dann der Füllung, dem Inneren der Torte: „Mit den Cremes bilde ich verschiedene Schichten. Wichtig ist, dass ich den Kuchen dann wieder kalt stelle. Anschließend kommt rundherum erneut Creme zum Einsatz.“

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Anschließend beginnt die eigentliche Präzisionsarbeit, die auch am meisten Zeit in Anspruch nimmt: das Dekorieren der Torte. Hierfür benutzt sie Fondant. Das ist eine weiche, pastöse Zuckermasse, die zur Herstellung verschiedener Süßwaren verwendet wird. „Ganz billig ist der Fondant nicht. Ich bestelle ihn meist im Internet. Dort kostet er rund zehn Euro pro Kilo“, sagt Jasmin, die für große Torten bis zu einem halben Kilogramm Fondant verarbeitet. Sie kauft meist nur weiße und schwarze Masse: „Ich färbe die dann mit Lebensmittelfarben, aber das sieht nicht so schön aus. Mittlerweile bestelle ich auch oft roten und blauen Fondant.“ Mit kleinen Werkzeugen bearbeitet sie dann die ausgerollte Zuckermasse. Sie knetet, schnitzt, formt und färbt zuckersüße Minions, Autos, Meerjungfrauen, Schleifen, Buchstaben, Zahlen und vieles Mehr. Und das oft mehrere Stunden lang.

Hauptsächlich kreiert sie Torten zu besonderen Anlässen, wie Geburtstagen oder Taufen. Ihre Inspiration nimmt sie aus dem Internet. „Die Menschen kommen meist mit einer Idee oder einem Charakterzug zu mir. Sie sagen beispielsweise, dass das Geburtstagskind Bayern-Fan ist oder Minions mag. Bei der Umsetzung überlassen die meisten mir dann freie Hand. Bevor ich mit dem Kuchen loslege, habe ich schon klar vor Augen, wie er aussehen soll.“ Schmecken die Kuchen denn auch? „Ja“, sagt Jasmin, „das ist mir besonders wichtig.“ Manchmal sei die Torte auch zu schön, um sie überhaupt anzuschneiden, gesteht die 23-Jährige.

Auch wenn ihre Torten professionell aussehen, sieht sich Jasmin in keiner Weise als Konkurrenz zu den hiesigen Konditoren: „Es ist nur ein Hobby, mehr nicht. Ich habe bisher erst rund 20 Torten gemacht. Außerdem habe ich so etwas hier in der Region noch nie gesehen. Ich mache also keinem Konkurrenz. Sowieso mache ich die Kuchen in erster Linie für Personen, die ich kenne.“ Ihren Bekanntheitsgrad hat sie kürzlich durch ihre Facebook-Seite „Backfuchs Jasmin“, die über 700 Likes zählt, erhöht: „Ich wollte den Leuten einfach mal zeigen, was ich so mache. Dass so viel Lob und Likes hinzukommen, hätte ich niemals gedacht. Aber das freut mich total und motiviert mich bei meinem Hobby.“ Wenn Jasmin nicht bis zu den Ellenbogen in Kuchenteig steckt, hilft sie ihren Eltern beim Hähnchenverkauf auf dem Markt oder arbeitet in Weywertz in einer Fritüre. Auf die Frage, ob sie aus dem Hobby mal eines Tages ihren Beruf machen will, antwortet sie: „Früher wäre mir das nie in den Sinn gekommen, aber jetzt denke ich mir schon, dass das was für mich wäre. Aber alles zu seiner Zeit.“

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Sänger und Actionstar Tom Beck singt in St.Vith

Die Actionserie „ALARM FÜR COBRA 11“ hat ihn bekannt gemacht: Fünf Jahre war Tom Beck als Hauptkomissar Ben Jäger im TV zu sehen. Nun steht er am Freitag im St.Vither Triangel auf der Bühne – mit der Gitarre in der Hand. Im Interview spricht er über seine „Cobra11“-Zeit, seinen Lebensstil, seine Musik und seine Vorlieben für Whisky, Schokolade und Bier. Stromae sagt ihm jedoch nichts.

VON ALLAN BASTIN

Tom Beck tritt im Hardrock Cafe in Berlin auf

Der Sänger und Schauspieler Tom Beck tritt am Freitag im St.Vither Triangel auf. Foto: dpa

Tom Beck, Sie werden am kommenden Freitag im St.Vither Triangel gastieren. Hätten Sie jemals erwartet, in Belgien aufzutreten mit Ihrer Musik?

Nicht wirklich, man fängt ja nicht mit Musik an, um mal -eines Tages in Belgien zu spielen (lacht). Aber durch die „Cobra 11“-Fanbase kommt man ein bisschen herum. Wir haben auch schon in Belgien gespielt. Aber es überrascht mich schon, dass wir in Belgien auftreten werden.

Sie haben für Alarm für „Cobra 11“ auch schon in Ostbelgien gedreht.

Ja, in der Tat. Das waren sehr aufregende Tage, als wir einmal an einem Stausee und auf einer Talsperre gedreht haben. Ich stand da auf der Staumauer und ein Helikopter raste an mir vorbei. Ich denke oft daran zurück. Das kommt auch öfter mal hoch, wenn ich im Bett liege. Da hätte einiges schief gehen können. Es war sicherlich einer meiner spektakulärsten Drehs.

2013 ging ihre Zeit bei „Cobra 11“ zu Ende. Die Zeit der Stunts und spektakulären Filmdrehs war vorbei. Stattdessen nahm die Musik einen größeren Stellenwert in Ihrem Leben ein. Kann man die Musik und die Schauspielerei einfach kombinieren?

In meinem Fall schon. Vielleicht würde die Musik mehr Früchte tragen, wenn ich keine Filme drehen würde. Aber ich will das nicht, da ich gerne Filme drehe und es ein schöner Ausgleich ist. Es ist immer etwas Neues. Wenn ich bei einem Dreh bin, freue ich mich auf die Musik. Und Umgekehrt ist es dasselbe. Ich bin dankbar, dass ich beides machen kann.

Spielplatz für große Jungs: 15 Jahre "Alarm für Cobra 11"

Tom Beck (r, als Ben Jäger) und Erdogan Atalay (als Semir Gerkan) posieren mit Pistolen bei Dreharbeiten der RTL-Ationserie „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei „. Foto: dpa

Die meisten Menschen denken, dass die Musik bei Ihnen erst nach der Schauspielerei gekommen ist. Dabei war es genau andersherum.

Richtig. Musik mache ich, seitdem ich fünf bin. Ich habe Klavier Orgel, Akkordeon, Gitarre und ein bisschen Schlagzeug gespielt, dann Musical-Theater studiert. Und dann bin ich erst mit 21 Jahren zum Schauspiel gekommen. Meine erste Rolle hatte ich mit 23, also erst relativ spät. Jetzt muss ich mich dennoch meist bei den Leuten rechtfertigen, dass ich jetzt Musik mache, was völlig absurd ist. Aber so ist das halt.

Ihre Figur in „Cobra 11“, Ben Jäger, spielte auch in einer Band. War das nötig, damit Sie sich besser in die Rolle hineinversetzen können?

Es war eigentlich eher strategischer Natur. Es verbindet natürlich die Person mit mir. Ich wollte der Figur etwas Rock‘n‘Rolliges geben. Ben Jäger sollte kein spießiger Polizist sein. Ich hatte mir vorgestellt, dass er im Bandraum sitzen könnte und Joints raucht, aber wir haben das nie so erzählt, weil das RTL wohl zu krass war. Ich wollte was Kantiges an ihm sehen, dass er Dinge macht, die nicht legal sind.

Durch dieses Image hätten Sie bestimmt noch mehr Männerpublikum für sich begeistern können. Ihr aktuelles Publikum besteht sicher hauptsächlich aus Frauen, oder?

Vielleicht. Aber letztens bei einem Konzert in München waren auch viele Männer. Aber es stimmt schon, dass mein Publikum zu 80 Prozent aus Frauen besteht.

Was erwarten Sie vom belgischen Publikum?

Ich mache mir vor Konzerten nie Erwartungen, denn da wird man nur enttäuscht. Ich will in Belgien, wie bei jedem anderen Konzert auch, einfach einen schönen Abend erleben.

Was wissen Sie über die belgische Musikszene?

Wenn ich ehrlich bin, kenne ich keine belgischen Künstler. Milow, ist er Belgier oder Holländer?

Milow ist Belgier. Sagt Ihnen Stromae etwas?

Nein, leider nicht.

Welche Musik hören Sie privat?

Während des Schreibens höre ich oft meine eigenen Songs. Wenn das Produkt fertig ist, dann höre ich das einige Wochen im Auto. Zwischendurch mal zum Auffrischen auch vor dem Konzert, um nochmal rein zu hören. Es sind ja mittlerweile schon drei Alben. Aber privat höre ich andere Musik.

Sie haben zu Beginn auf Englisch gesungen. Das letzte Album war in deutscher Sprache. Werden Sie dabei bleiben?

Ja, ich bleibe bei Deutsch. Man muss sich einfach trauen. Auf Deutsch hat man einen ganz anderen Wortschatz, man kommt viel näher an sich ran. Aber ich hatte immer Angst, weil Deutsch schwierig ist und nicht viel verzeiht. Man muss sich da schon sehr konkret ausdrücken.

Haben Sie vor einem Konzert gewisse Rituale?

Mit meiner Band bilde ich hinter der Bühne immer einen Kreis, dann trinken wir einen Schluck Whisky und los geht‘s.

Ist Ihnen ein Auftritt besonders in Erinnerung geblieben?

(zögert) Ehrlich gesagt nicht. Unsere Gigs waren so verschieden. Riesige Bühnen, wie Rock am Ring, wo wir gespielt haben, können toll sein. Aber auch kleine Clubs vor 200 Leuten. Der allererste Gig mit meiner Band auf Sylt war natürlich sehr speziell. Wir waren total nervös.

Was unsere weiblichen Leser sicher interessieren wird: Haben Sie eine Freundin?

(lacht) Ja, ich habe eine Freundin. Aber Kinder haben wir keine.

Zum Abschluss noch eine Frage: Sie kommen nach Belgien, das Land des Bieres. Sind sie eher ein Bier- oder Weinfreund?

Zunächst einmal würde ich mich in Belgien für Schokolade entscheiden. Aber dann würde ich mir sicherlich auch ein Bier gönnen.

Wird für Sie in St.Vith Bier und Schokolade backstage bereitliegen?

Bier auf jeden Fall. Schokolade ist jetzt nicht geplant, aber das wäre doch eine tolle Sache.

„Heul nicht, sondern lauf!“

Man nennt ihn die „Mutter aller Hindernisläufe“: der Fisherman’s Friend StrongmanRun. Die 24 km lange Strecke, die zahlreiche Hindernisse wie Wasserbecken, Schlammgruben und Kletternetze zählt, verlangt dem Läufer alles ab. Und das soll mit Spaß verbunden sein? „Ja!“, sagen fünf junge Ostbelgier, die am kommenden Samstag erstmals antreten.
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Foto: Veranstalter

Von Allan Bastin

Am Nürburgring, dort wo sonst Formel-1-Stars wie Sebastian Vettel oder Lewis Hamilton die Ziellinie mit ihren Boliden überqueren, werden am kommenden Samstag 13.500 erlebnis­durstige Läufer den laut Veranstalter „weltgrößten Hindernislauf“ angehen. Was 2007 noch mit 1.600 Angemeldeten auf einem Truppenübungsplatz im deutschen Münster begann, hat sich mittlerweile zu einem Event mit Kultstatus entwickelt. Nicht ohne Respekt gehen die Teilnehmer an den Start des Laufs, bei dem es ganze 34 Hindernisse zu bewältigen gilt. Bei einem werden selbst Stromschläge zum Einsatz kommen. „Heul nicht – lauf!“, lautet gar ein ehemaliger Slogan der Veranstaltung, der den Kraftakt wohl am besten symbolisiert. Dass es sich hierbei um kein normales Sportereignis handelt, erkennt man gleich beim Start. Zwischen den oft schlicht gehaltenen T-Shirts, sieht man Läufer, die beispielsweise als Borat, Superman oder Affe verkleidet sind. Beim StrongmanRun gehört diese Tatsache der Normalität an und macht auch das Besondere an diesem Rennen aus, wo sich Athleten und Freizeitsportler messen können. Mitten im Getümmel werden am Samstag auch einige junge Ostbelgier sein, darunter Kelly Lentz, Christoph Klinkenberg (beide aus Eupen), David Jost (aus Hünningen), Dany Dederichs (aus St.Vith) und Michael Huppertz (aus Medell). Allesamt treten zum ersten Mal an. Da stellt sich natürlich sofort eine Frage: Warum tut ein Mensch sich so etwas an?

MOTIVATION
„Warum auch nicht?“, dachte sich David, als ihn ein Bekannter auf den StrongmanRun ansprach. „Der Lauf ist eine tolle Gelegenheit, um dem Körper seine Grenzen aufzuweisen“, so der 25-jährige Hünninger, der seine drei ersten Studienjahre bei der Armee absolvierte. „Damals habe ich an einem 12 km langen Militär-Hindernislauf teilgenommen. Obwohl ich mich damals als fit bezeichnete, war mein Körper am Ende seiner Kräfte. Deshalb bin ich mal gespannt, wie es am Samstag wird.“ Während es für Dany aus St.Vith ein sportliches Ziel zur Verbesserung der allgemeinen Fitness nach dem Studium war, so war es für die Eupener Lauffreunde Kelly und Christoph ein zusätzlicher Trainingsansporn: „Nach mehreren Halbmarathons und dem 10 km langen Hindernislauf ‚Race against Nature‘ waren wir auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, die wir im StrongmanRun gefunden haben.“ Doch eines sollte, wie Michael treffend ergänzt, bei all der körperlichen Anstrengung und Qual nicht vergessen werden: „Der Spaß! Denn dafür sind wir ja alle da.“

VORBEREITUNG
Für Dany ging die Vorbereitung schon im vergangenen August los, nachdem sein Studium doch „Spuren hinterlassen hatte“. Dany: „Ich habe mit einem achtwöchigen ‚Start-to-run‘-Programm begonnen und habe im Laufe der Zeit meine Einheiten progressiv erhöht. Zudem habe ich gezieltes Krafttraining betrieben. Ärgerlich war nur die Knieverletzung, die ich mir während des Trainierens zugezogen habe.“ Von solchen Verletzungen können Michael, dessen Vorbereitung dadurch ebenfalls gestört wurde, und vor allem David ein Liedchen singen. Letzterer zog sich im letzten Jahr einen zweiten Kreuzbandriss zu. Nach seiner OP im September standen also zunächst Kiné-Besuche und Muskelaufbau auf dem Programm.
Erst dann konnte er wieder die Laufschuhe schnüren. Kelly und Christoph
blieben einigermaßen vom Verletzungspech verschont. Während Kelly sich im Training immer mehr  der 20-km-Marke nähert, so ist Christophs Trainingspensum aktuell etwas geringer, da es in seinem Studium auf den Endspurt zugeht. Die Strapazen dürften dem 21-Jährigen jedoch kein Abbruch tun, da dieser sowohl im Leichtathletikclub als auch im Fußballverein aktiv ist.

ZIELSETZUNG
„Dabei sein ist alles“: Dieses olympische Leitmotiv zieht bei den jungen ostbelgischen Teilnehmern überhaupt nicht. „Wir wollen ankommen“, so das klare Ziel der fünf StrongmanRun-Neulinge. Ein Zeitlimit hat sich keiner gesetzt. „Ich bin noch nie zuvor eine Distanz über 24 km gelaufen, geschweige denn mit Hindernissen, also lasse ich mich einfach mal überraschen“, erzählt Christoph. Die schnellsten Athleten des Feldes werden die Strecke in weniger als zwei Stunden absolvieren. Um gewertet zu werden und als „Finisher“ zu gelten, darf man die Vier-Stunden-Grenze nicht überschreiten. Um sich das Leben nicht unnötig zu erschweren, werden die Fünf auch auf eine Verkleidung verzichten: „Das kostet nur zusätzliche Energie, erst recht wenn das Kostüm sich mit Wasser vollsaugt“, so Davids Meinung, die Christoph teilt. Dennoch zollt Letzterer den Verkleideten großen Respekt: „Die Hindernisse erfordern sowohl laufen, springen, kriechen als auch schwimmen und klettern. Dabei wird es sehr schwierig, wenn man nicht das passende Laufequipment an hat.“

ANGST
Auf die Frage, ob sie Angst hat, antwortet Kelly genau wie Christoph und David mit einem deutlichen „Nein“. „Ich würde es eher Respekt bezeichnen. Der einzige Moment, wo es mir jedoch etwas mulmig zu Mute werden könnte, ist bei den Hindernissen, wo man klettern muss. Denn ich habe ein wenig Höhenangst“, so die 23-jährige Eupenerin, die diese Angst wohl oder übel überwinden muss, da es auf den veröffentlichten Skizzen der Hindernisse das eine oder andere Mal hoch hinaus geht. Bei Michael hingegen steigt die Vorfreude von Tag zu Tag: „Ich freue mich besonders auf die Hindernisse 9 und 17, wo Klettergeschick benötigt wird.“ Christoph geht hingegen ganz pragmatisch an die Herausforderungen: „Ich schau mir die Hindernisse einfach nicht an und lasse mich überraschen.“
Die Hindernisse machen Kelly Angst. Foto: Veranstalter

Die Hindernisse machen Kelly Angst. Foto: Veranstalter

NÜRBURGRING, ein MYTHOS?
Zu guter Letzt muss natürlich die Besonderheit des Ortes angesprochen werden. Christoph weiß den Nürburgring mit seiner legendären Nordschleife zu schätzen: „Es ist natürlich ein ganz besonderer Rahmen, in dem der Fisherman‘s StrongmanRun ausgetragen wird. Zu wissen, dass man auf den Grund läuft, wo in der Vergangenheit schon eine Vielzahl von F1-Boliden ihre Runden gedreht haben, ist natürlich beeindruckend.“ Während der Ort auf Kelly, Dany und Michael recht wenig Einfluss hat, so ist auch David fasziniert. Er findet zum Abschluss die wohl besten Worte: „Ich finde es klasse, da ich den Ort eigentlich nur aus dem Motorsport kenne und er dort unter dem Namen ‚grüne Hölle‘ bekannt ist. Daher passt der Austragungsort perfekt, da wir während des StrongmanRuns wohl auch durch die Hölle gehen werden.“

Mythos Nürburgring. Foto: Veranstalter

Mythos Nürburgring. Foto: Veranstalter

Hintergrund: Die Kirmes-Wette
Eigentlich sollten Alkohol und extremer Ausdauersport getrennte Wege gehen. Doch in diesem Fall führte das eine zum anderen. Wir schreiben den 1. Juni 2014. Die Medeller Kirmes ist in vollem Gange. „Nach ein paar Bierchen kamen wir zwischendurch mal auf das Thema StrongmanRun, an dem schon einige Medeller teilgenommen haben“, erzählt Daniel Reuter, ehemaliger Vize-Präsident des Medeller Junggesellenvereins. „Ja und plötzlich lag ein Papier vor mir, auf dem man unterschreiben sollte, falls man sich traut, an diesem harten Lauf teilzunehmen. Ich habe schon einmal daran teilgenommen, also dachte ich, warum nicht. Vor allem freue ich mich, die anderen leiden zu sehen“, lacht der 28-Jährige, der sich auf das gemeinsame Erlebnis mit den anderen freut. So kam also dieser Bierdeckelvertrag (Foto rechts) zu Stande, dessen Unterzeichnende zwischen 18 und 40 Jahre alt sind. Den Vertrag einhalten werden sie jedoch nicht alle, sei es aus zeitlichen oder körperlichen Gründen. „Für die Drückeberger lassen wir uns auf der diesjährigen Kirmes was Besonderes einfallen“, grinst Daniel.

Nirgendwo angekommen

Sie wurden aus ihrer Heimat vertrieben, mussten flüchten und haben in Belgien und Umgebung eine neue Bleibe gefunden. Im Jugendtreff X-Dream in Eupen sind Raschid (23), Benjamin (22) und Lena (22) mittlerweile Stammgäste. Dort haben sie uns erzählt, wie sie sich in ihrer neuen ­Heimat ­Belgien fühlen, und was sie noch mit ihrem Geburtsland verbindet.
Text und Fotos: Nathanael Ullmann
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Die Flucht in ein neues Land kann verwirrend sein. Raschid (23) weiß das nur zu gut.

Raschid, Benjamin und Lena sind Kriegsflüchtlinge aus Tschetschenien, Serbien oder Bosnien. Um die Jahrtausendwende kamen die drei nach Belgien. Während Benjamin erst ein Jahr und drei Monate alt war, als seine Eltern aus der Heimat flüchteten, lebte Lena bis zu ihrem achten Lebensjahr in Bosnien. Sie erinnert sich noch gut an die Flucht, vor allem aber an die Verständigungsschwierigkeiten im Flüchtlingslager in Xanten: „Ich kannte damals auf französisch nur ‚oui‘ und ‚non‘. Als man mich auf Französisch fragte, wie ich heiße, habe ich immer nur ‚non‘ geantwortet.“ Jeden Tag habe sie gebetet, dass das alles nur ein Traum sei und sie wieder Zuhause aufwache. Über Umwege kam sie dann nach Eupen, musste die deutsche Sprache lernen. „Mittlerweile kann ich mich sogar besser auf Deutsch verständigen“, sagt die 22-Jährige. Zuhause unterhalten sich die Jugendlichen aber nach wie vor in ihrer Muttersprache. „Aber manchmal haben wir dann doch ein paar deutsche Worte dazwischen, weil uns die anderen nicht mehr einfallen“, sagt Raschid.
Die Frage nach ihrer wahren Heimat beantworten die Jugendlichen ganz unterschiedlich. Lena fühlt sich immer noch als Bosnierin und nicht, wie es in ihrem Pass steht, als Belgierin. Zuhause sei da, wo die Mutter sei, hat Raschid einen anderen Blick auf die Dinge. Und Benjamin ist irgendwie beides: Er sei Bosnier, aber mit belgischer Nationalität. Doch insgesamt, da sind sich die Jugendlichen einig, sind sie immer irgendwo dazwischen: „Hier wird man als Ausländer beschimpft, drüben in der Heimat sind wir Touristen“, bringt es Benjamin auf den Punkt. Er fährt jedes Jahr in seine Heimat nach Serbien, hat nach wie vor Familie dort. Allgemein haben die drei Jugendlichen noch regelmäßig Kontakt zu ihrem Geburtsland. Sei es über Freunde oder Facebook: Auf dem neusten Stand, was in ihrem alten Zuhause vor sich geht, sind sie immer. Aber leben wollen sie dort nicht mehr. Sei es wegen der Sprache oder wegen des zu geringen Einkommens, ihr Wunschwohnort ist und bleibt die Region: „Was das Arbeitslosengeld  und die Sozialhilfe anbelangt, ist Belgien einfach sehr gut“, so Lena.

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Die Jugendlichen im Jugendheim gehen mit den Vorurteilen zum Teil ironisch um, wie dieses T-Shirt zeigt.

Mit krassen Anfeindungen haben sie hier auch immer seltener zu kämpfen. Früher sei das etwas anderes gewesen, da wurde „einem des öfteren etwas hinterher gerufen“. Doch mittlerweile hat sich das geändert. „Vielleicht“, so vermutet es Raschid, „ist es mittlerweile eben normal, dass Muslime dazugehören“. Doch wenn die drei jungen Erwachsenen manche rassistischen Anfeindungen in hiesigen Online-Foren lesen, schürt das doch eine gewisse Wut: „Ich bin das beste Beispiel, dass es nicht so ist, wie man es den Muslimen nachsagt“, sagt Lena selbstbewusst. Tatsächlich zeigt sie äußerst viel Engagement, arbeitet im Jugendheim selbst mit und will später Erzieherin werden.
Jugendzentrums-Leiterin Marie-Claire Hellmann kann die positive Einstellung der Jugendlichen nur bestätigen. „Familiärer als zur Zeit habe ich es hier noch nie gehabt. Alle Nationalitäten treffen hier aufeinander und kommen gut miteinander aus“, so Hellmann. Nur die belgischen Jugendlichen blieben dem Jugendzentrum in letzter Zeit fern – leider.

DJ Kelly: Eine Frau dreht an den Reglern

Kelly Comté aus Stavelot hat als DJane in der von Männern dominierten Szene einen schweren Stand. Doch die 19-Jährige hat bewiesen,
was sie kann und sich als DJ Kelly einen Namen gemacht – auch wenn das einigen männlichen Kollegen nicht gefällt.

Von Allan Bastin

Kelly Comté aus Stavelot legt als DJ Kelly in der Region auf. Foto: Cedrik Fortemps

Kelly Comté aus Stavelot legt als DJ Kelly in der Region auf. Foto: Cedrik Fortemps

Fast 3.500 Likes verbucht DJ Kelly auf ihrer Facebook-Fanseite. Für eine Künstlerin aus der regionalen DJ-Szene ist das eine ansehnliche Hausnummer. „Und es sind nicht nur Belgier dabei, sondern auch Deutsche, Luxemburger, Franzosen und sogar Leute aus Kanada und Polen. Das macht einem fast schon Angst“, lacht DJ Kelly, die eigentlich Kelly Comté heißt und Kommunikation studiert.
Dabei war der Erfolg anfangs nicht vorauszusehen. Auch ihre Eltern hatten zunächst Bedenken, die 19-Jährige könnte ihr Kommunikationsstudium vernachlässigen. „Alles hat mit 14 Jahren in meinem Schlafzimmer angefangen. Mein Vater war damals selbst DJ und stellte mir sein Material zur Verfügung.“ Was anfangs nur pure Neugier und Spaß war, entwickelte sich schnell zu einer Leidenschaft: „Es wurde quasi zur Gewohnheit, dass ich bei meiner Rückkehr aus der Schule zum Mischpult ging.“
Ihr komplettes Know-how hat sie sich selbst angeeignet. Nach einigen Monaten nahm sie ihre ersten Sets auf und stellte diese ins Netz. Mit Erfolg, denn sie bekam sehr viel positives Feedback. „Dennoch fühlte ich mich zu Beginn als Mädchen ein wenig belächelt. Keiner nahm mich wirklich ernst“, erzählt Kelly. Dann ging aber alles sehr schnell: Erste Anfragen für Geburtstagsfeiern trudelten ein. Schließlich durfte sie auf einer kleinen Bühne der Francofolies in Spa auflegen – mit gerade mal 15 Jahren. Schon ein Jahr später kamen erste Anfragen von Lütticher Discotheken, um dort das Publikum im Vorprogramm in Stimmung zu bringen. Auch auf Bällen in der Region legte sie auf. „Das ging alles viel schneller, als ich mir es jemals erträumt hätte. Ich verstand anfangs nicht so recht, wie mir geschah. Vor allem war ich damals noch wirklich ein schüchternes Mädchen“, erinnert sich Kelly. Zwischen den damaligen und den heutigen Bühnenperformances liegen Welten: „Ich habe gelernt, das Mikro und meine Stimme richtig zu benutzen, um den Leuten einzuheizen. Zudem passe ich mich auch dem Event an.
Auf einer Disco Deluxe spielst du andere Musik als beispielsweise auf einem Abi-Ball in Malmedy. Ich schaue auch auf die Reaktion der Leute. Während ich anfangs ausschließlich Electro und House spielte, spiele ich jetzt je nach Abend auch komplett andere Musikrichtungen.“ Eine fixe Playlist hat sie nicht, wenn sie auf einer Veranstaltung ankommt: „In der Woche vor der Veranstaltung suche ich alle Neuheiten heraus. Ich überlege mir schon ein bisschen, was ich spielen werde. Es grenzt aber oft an Improvisation, denn in meinen Augen macht gerade das den DJ-Job so aufregend.“ Kellys Lieblings-DJs sind unter anderem Nikki Romero, Afrojack, Olivier oder auch DJ Coone, der der Hardstyle-Szene angehört. Den weniger bekannten belgischen DJ Dimitri Wouters mag sie ebenfalls. Ein Künstler hat es ihr allerdings ganz besonders angetan: DJ Tiësto. „Ich muss schon sagen, dass ich ihn ein wenig bewundere. Ich habe ihn vor fast vier Jahren live in Malmedy gesehen.
Dieser Auftritt hat mich wirklich geprägt.“ Dass Kelly genauso erfolgreich wird wie ihre Vorbilder, glaubt die junge Frau nicht: „Mein Ziel ist es, die Leute zum Tanzen zu bringen und ihnen dabei zu helfen, ihre Probleme für einen Abend zu vergessen. Alles andere ist Bonus.“ Auf ostbelgischen Bühnen fühlt sie sich besonders wohl. „Die Leute kommen irgendwie netter rüber und zeigen sich meiner Musik gegenüber sehr offen. Das hat wohl mit der Mentalität zu tun. Aber die Unterschiede zum Rest der Wallonie sind minimal, denn Party machen kann man überall.“ Mittlerweile ist Kelly auch Stamm-DJane für das Konzept „Oh My House“ in der Lütticher Diskothek Metropolis. Hier wird den DJs einiges mehr abverlangt als auf regionalen Veranstaltungen. „Auf einem Ball möchten sich die Leute einfach mit Freunden amüsieren und dabei was trinken. Natürlich ist die Leistung des DJs dabei auch wichtig, aber weniger als in einer Diskothek, wo die Menschen mehr auf die Musik achten und diese genießen wollen.“ Eine Gemeinsamkeit gibt es dennoch: Sie ist fast immer das einzige Mädchen an den Turntables. Ob das für sie nicht ein komisches Gefühl ist? „Absolut nicht. Ich denke, dass es für die Männer komischer sein muss. Es gibt sogar Kerle, denen das gar nicht passt. Aber das ist mir egal. Ich bin stolz darauf, als Mädchen in dieser Szene aktiv zu sein. Denn Frauen haben dort genauso ihren Platz wie Männer.“

#meysflies

In der U-Bahn ist er nicht zu übersehen: Knapp zwei Meter groß, blonde Haare, blaue Augen – seine Erscheinung ist für die Koreaner ungewohnt. Der Eupener Marvin Meys, der seit August ein Auslandssemester in Seoul verbringt, fällt in der Hauptstadt von Südkorea auf.
Von Thomas Evers
Marvin10An-nyeong-ha-se-yo! Nach vier Monaten in der südkoreanischen Millionenmetropole geht dem 20-jährigen Studenten das Guten Tag auf Koreanisch leicht von den Lippen. Im Rahmen seines Studiums an der Hanyang-Universität nimmt Marvin Meys auch an einem Einführungskurs Koreanisch teil. Um sich richtig zu verständigen, reichen die dort erworbenen Sprachkenntnisse allerdings nicht aus. „Ich kann zwar mittlerweile das koreanische Alphabet, wodurch ich Texte lesen kann. Allerdings verstehe ich nicht die Bedeutung“, sagte der Eupener, als wir ihn in Seoul besuchten. „Ich kann mich aber auf Koreanisch vorstellen.“ Mit der Bütgenbacherin Rebecca Bastin studiert aktuell eine Ostbelgierin in Seoul.
Marvin Meys studiert seit 2012 Tourismus im niederländischen Breda, und zu seinem Studium gehören Reisen dazu: „Allein in diesem Jahr war ich schon in Finnland, Litauen und Brasilien. Und jetzt eben seit August in Südkorea.“ Im Januar kehrt Marvin Meys nach Belgien zurück, aber es wird nur eine kurze Rückkehr sein. Kurze Zeit später geht es für den dann 21-Jährigen weiter nach Uganda, wo er in der Hauptstadt Kampala ein Praktikum bei einem Reiseanbieter absolvieren wird.
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Einige Wochen ist Marvin noch in Seoul, wo er stolz die Jacke seiner Universität trägt. Er gehört zu den 25.000 Studenten der Hanyang-Universität, deren riesiger Campus fast ein ganzes Stadtviertel umfasst. „Es gibt Restaurants, Supermärkte und ein Krankenhaus“, beschreibt der Eupener, der in unmittelbarer Nähe zu seiner Uni in einem Wohnheim für ausländische Studenten untergebracht ist.
Im Internet berichtet Marvin auf seiner Facebookseite von seinen Erlebnissen, und der Hashtag ist Programm: „#meysflies.“ Das Reisefieber hat den Eupener nach seinem Abitur gepackt. „Ich bin mit dem Rotary-Club ein Jahr in die USA gegangen, um Englisch zu lernen.“ Im US-Bundesstaat Idaho lernte er auch andere Austauschschüler kennen. Über diese Kontakte, die er jetzt auch in Seoul knüpft, ist er besonders froh: „Ich kenne jetzt beispielsweise einen von den Oster-Inseln, den ich besuchen kann. Da würde ich ja sonst nie hinkommen.“ Eupen und Ostbelgien bleibt zwar seine Heimat, in die er immer zurückkehren wird: „Aber ich werde nicht mehr dauerhaft in Eupen leben. Da bin ich mir schon sicher.“ Deshalb entschied sich der 20-Jährige für den Studiengang Tourismus, er will reisen und in einer internationalen Umgebung leben.
MarvinSeoul (4)„Ich wollte eigentlich nur weg, und zwar weit weg – nicht so nach Spanien oder Italien. Da ich in Breda sehr gute Noten hatte, konnte ich ein Auslandssemester machen. In Asien gab es die Möglichkeiten Macau und Seoul. Ich war noch nie in Asien, deshalb wollte ich es unbedingt machen“, erklärt Marvin Meys seine Wahl Südkorea. Die Hanyang-Universität hat eine Partnerschaft mit Breda. Dennoch musste der Eupener viel selber organisieren: „Ich musste mich beispielsweise schon von Eupen aus für die Kurse einschreiben.“ Aufgrund des Zeitunterschieds von acht Stunden saß er vor dem Abflug nach Südkorea mitten in der Nacht vor dem Rechner, um sich für die Kurse anzumelden. Der Unialltag in Seoul unterscheidet sich deutlich von Marvins Studentenleben in Breda. Seine Kurse finden auf Englisch statt, weshalb nur rund 30 Prozent Koreaner dabei sind. Die typische asiatische Zurückhaltung und der Respekt vor dem Professor ist dennoch zu spüren: „Hier stellt man im Unterricht keine Frage. Was der Professor vorträgt, wird so akzeptiert. Diskussionen gibt es nicht. Einmal hat jemand eine Frage gestellt, da wurde er vom ganzen Kurs schief angeguckt.“ Es war nicht die einzige Umstellung für den Eupener. Die Notenvergabe ist komplett unterschiedlich, denn der Professor legt schon vor den Prüfungen fest, wie viele Studenten bestehen und welche Durchschnittsnote alle erhalten: „Man ist abhängig von den anderen Studenten. Deshalb herrscht auch ein großer Wettbewerb untereinander. Die Koreaner zeigen einem nicht ihre Unterlagen.“ Ohnehin ist der Kontakt mit den Koreanern schwierig. Die Universität hat jedem ausländischen Studenten zwar einen koreanischen Studenten zugeteilt: „Aber viel Kontakt hatte ich mit ihm nicht, zumal ich meine Freizeit mit den anderen Austauschstudenten verbringe.“
Auch im Alltag halten die Koreaner eher Distanz. Marvin Meys hat die Grenze allerdings durchbrochen, denn mittlerweile hat er mit Yi Jin eine koreanische Freundin. Kennengelernt hat er sie in einem Club und durch sie hat er einen ganz anderen Zugang zur koreanischen Kultur. Schon nach wenigen Monaten wurde Marvin zudem zu einer koreanischen Hochzeit eingeladen.
MarvinSeoul (14) Er ist ohnehin offen für andere Kulturen, weshalb ihm das typisch koreanische Essen keine Probleme bereitet. Praktisch täglich geht es in einen der Tausenden Imbisse, in denen Barbecue gemacht wird: auf einem Tischgrill bereitet man sich selber das Essen zu. „Ab und zu hätte ich schon gerne eine Mitraillette mit Andalouse“, gibt der 20-Jährige in Seoul ehrlich zu. Dennoch ist Marvin Meys froh über die Erfahrungen in Seoul: „Die Koreaner sind sehr gastfreundlich. Die Stadt ist beeindruckend und das Essen ist toll.“ Die typische Nudelsuppe zum Frühstück bereitet ihm ebenso wenig Probleme wie das Essen mit Stäbchen. Heimweh hatte er nur ganz am Anfang, als er nach dem langen Flug in seiner kleinen Studentenbude ankam.
Marvin5Nicht nur in der U-Bahn wird der blonde Eupener häufig angestarrt. Schon mehrfach ist es ihm passiert, dass Koreaner einfach Fotos von ihm machen. Das lässt er über sich ergehen, schließlich gehört Höflichkeit zur asiatischen Kultur. „Anfangs war es nicht einfach, weil ich nicht wusste, ob ich gerade unhöflich war.“ Aber nach einigen Monaten hat er sich an Südkorea gewöhnt. Das gilt umgekehrt auch, denn seine Erscheinung ist für viele Menschen in Seoul beeindruckend. Einige Mitstudenten haben sogar die offene Konfrontation gesucht: „Ich habe an der Uni mit Koreanern American Football gespielt. Ich bin zwar groß, aber sie sind klein und schnell“, grinst der Eupener.
Für ihn besteht der Sinn des Lebens darin, andere Kulturen und Orte kennenzulernen. Diesen Sinn wird er weiterhin mit Leben füllen. In welchem Beruf weiß er noch nicht genau, am liebsten für eine Fluggesellschaft. Zunächst geht es über Seoul nach Uganda mit kurzem Zwischenstopp in Eupen. Für Marvin bleibt eines sicher: Meys flies – wohin auch immer.
Auf Vimeo gibt es unter meysflies auch Videos aus Südkorea.