Chartstürmer im Hintergrund

Was verbindet eigentlich drei junge Männer aus der Region mit dem angesagten DJ-Duo Gestört aber Geil aus Deutschland? Steven Fritsch (32) aus Lontzen, Berislaw Audenaerd (31) aus Herbesthal und Jan Simonsen (31) aus Aachen haben zwei Songs zum ersten Studio-Album der Deep-House-Formation beigesteuert. Aber auch für andere Künstler textet und komponiert das Trio gemeinsam Songs – und ist damit ziemlich erfolgreich.

Von Sofia Hammes

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„Beri“ (l.), Jan (vorne) und Steven treffen sich regelmäßig in Beris kleinem Homestudio. Fotos: Sofia Hammes

Auf den ersten Blick scheint Berislaw „Beri“ Audenaerd nicht gerade in einer Luxusgegend zu leben. Seine Wohnung in Dolhain liegt etwas abgelegen, beim alten, leicht herunter gekommenen Fabrikgelände am großen Viadukt. Doch schon der erste Schritt in die vier Wände des gebürtigen Herbesthalers ist wie ein Abtauchen in eine andere Welt. Aus dem hellen, loftähnlichen Wohnzimmer drängen tanzbare Beats – im Fernseher läuft der Musiksender MTV. Er und seine Kumpels und Arbeitspartner Steven Fritsch und Jan Simonsen trinken an der Kochinsel einen Kaffee. Es ist hell, stylisch und irgendwie schwebt ein Gefühl von Traumfabrik in der Luft. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Anfang-Dreißiger eben genau das erreicht haben: Tag für Tag leben Steven, Jan und Beri ihren Traum. Der wäre? Musik machen. Aber nicht für sich selbst, sondern für andere. Seit zwei Jahren arbeitet das Trio zusammen, schreibt, komponiert und vermittelt Songs aus der Eigenproduktion. Im kleinen „Studio“ in Beris Wohnung mit zwei Computern, einem Verstärker, Boxen, Keyboard, Mikro und Drums kommen er, Jan und Steven immer wieder zusammen, um Ideen für neue Songs auszutauschen und Demo-Versionen aufzunehmen.

Seit einem Jahr sind die Drei mit der eigenen Traumfabrik richtig erfolgreich. „Unsere erste professionelle Veröffentlichung hatten wir im März 2015 mit der Schlager-Party-Nummer ‚Dieser Sommer wird heiß‘. Schlager hat uns sozusagen den Einstieg in die Branche ermöglicht“, erzählt Steven. Danach folgte niemand anderes als Skandalnudel Micaela Schäfer mit dem doppeldeutigen Song „Partypolizei“. Nach dem Schlager kam das Genre Deep-House hinzu. Und im Dezember zogen Jan, Steven und Beri schließlich einen derzeit richtig großen Fisch aus dieser Szene ans Land. Das deutsche DJ-Duo Gestört aber Geil („Unter meiner Haut“, „Ich und Du“) wollte zwei Songs der Komponisten auf ihrem Debütalbum herausbringen. Als das Album mit dem Titel „Gestört aber Geil“ am 8. Januar 2016 rauskam, landete es direkt auf Platz zwei der deutschen Albumcharts, international stieg das Album-Debüt auf Platz 15 ein. Nicht nur für die DJs, sondern auch für die drei Freunde ein Riesenerfolg, bei dem Jan eine ganz besondere Rolle spielte. „Auf der Demo-Version habe ich die zwei Songs ‚Duu‘ und ‚Wie ein Regenbogen‘ gesungen. Den beiden gefiel das dann so gut, dass sie die Tracks genauso, mit meiner Stimme, aufs Album bringen wollten“, erzählt der 31-Jährige, der in Kelmis aufgewachsen ist. Daraufhin musste auch ein Künstlername her, obwohl sich Jan nie als Sänger auf der Bühne gesehen hatte: „Ich habe dann einfach meinen Namen ins Englische übertragen, bei dem Track ‚Duu‘ stehe ich im Featuring als Ian Simmons.“

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Doch wie entstehen eigentlich die Songs, mit denen die Drei derzeit im Hintergrund die Charts stürmen? „Wir arbeiten bis zum Endprodukt als Team zusammen“, fasst Steven zusammen. Dennoch gebe es kleine Rollenverteilungen. Jan ist der „Poet“, wie Steven findet. Er schreibt die Texte und singt sie auf den Demo-Tapes ein, komponiert aber auch Melodien und Arrangements. „Ich habe gefühlt 3.000 Arbeitsplätze, ob im Café, zu Hause oder unterwegs, ich habe einfach andauernd Melodien und Texte in meinem Kopf“, schildert Jan seine Leidenschaft. Was er besonders gerne macht? „Schlager!“ – Steven und Beri grinsen – „Ich liebe es einfach, wie andere diese Musik abfeiern, das Genre liegt mir einfach“. Beri würde Schlager wohl eher nicht als seine Leidenschaft bezeichnen. „Klar arbeite ich dann auch mit, wir wollen ja in der erster Linie genau die Musik machen, die die Leute auch hören wollen, und da gehört Schlager eben dazu. Ich fühl mich aber eher im Deep-House beheimatet. Wir machen aber auch Balladen oder Rock/Pop“, erzählt der gelernte Schreiner mit Dutt, der sich in erster Linie um die Komposition der Songs kümmert. „Jan und ich sind eher Typ Chaoskünstler. Steven ist sozusagen unsere Mami. Er managt das Ganze und führt uns. Er hatte auch damals die Idee, gemeinsame Sache zu machen und professionell in die Musikbranche einzusteigen“, klärt Beri auf. Steven stimmt zu: „Musikalisch kommt der größte Teil von den beiden. Ich gebe aber Feedback und ab und zu habe auch ich schon mal eine musikalische Eingebung“, lacht der 32-Jährige.

Wenn ein Song fertig ist, fängt jedoch die richtige Arbeit erst an. Musiklabels müssen angeschrieben und immer wieder kontaktiert werden. Gefällt ein Song, sucht der Verlag nach Künstlern, zu denen die Nummer passen könnte. Diese entscheiden dann wiederum, ob sie den Song auch wirklich herausbringen wollen. Kommt es zum Deal, kümmert sich der Künstler um die Produktion, d.h. die Aufnahme im Studio. In direkten Kontakt mit den Stars treten Jan, Steven und Beri eigentlich nicht. Eins haben die drei Quereinsteiger in ihrer kurzen Zeit im Musikbusiness auf jeden Fall schon gelernt: „Man darf sich nie zu früh freuen“, fasst Steven nüchtern zusammen. „Es herrscht oft viel Hin und Her. Wenn man nichts Schriftliches hat, bedeutet eine Zusage von einem Künstler gar nichts.“ In der Vergangenheit kam es daher schon öfter vor, dass aus einem Ja später wieder ein Nein wurde. Nicht unterkriegen lassen, lautet da die Devise, mit der Jan, Steven und Beri bisher immer gut gefahren sind. „Für mich wäre eine goldene Schallplatte das Größte. Und mal mit Helene Fischer zusammen zu arbeiten“, träumt Jan vor sich hin. Abheben kommt für das eingespielte Team trotzdem nicht in Frage: „Wir sind Kinder vom Land und wollen einfach nur Musik machen“, lacht Beri. Im Vordergrund wollen sie gar nicht stehen. Stattdessen freuen sie sich schon auf die nächste lange Arbeitsnacht voller Musik, mit der die Freunde vielleicht schon bald wieder im Hintergrund die Charts stürmen werden.

DJ-Duo «Gestört aber Geil»

Das deutsche DJ-Duo Gestört aber GeiL ist seit fünf Jahren erfolgreich. Foto: dpa

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