„Alina – die Liebe und der Sex“

Alina Schröder spricht gerne über Sex, Selbstbefriedigung und sonstige „Schweinereien“. Und sie teilt es gerne mit der ganzen Welt. Auf ihrem Youtube-Channel „Alina – die Liebe und der Sex“ holt sie die körperliche Liebe aus der Schmuddelecke und feiert sie ungeniert. Als „Sexpertin“ möchte sich die 30-jährige Videobloggerin trotzdem nicht bezeichnen.

Von Carsten Lübke

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Foto: Screenshot

Alina fällt gerne mit der Tür ins Haus. Auf der Straße spricht sie wildfremde Menschen an und fragt sie: „Wie müsste ein Porno heißen, in dem du mitspielst?“ oder „Könntest du dir einen Dreier vorstellen?“. Ja, richtig gelesen. Ein bisschen unverschämt ist das schon, aber Alina traut sich. Auch mit Prominenten quatscht Alina über Sex, Liebe und Pornos. Von Sido wollte sie zum Beispiel wissen: „Wann hattest du das letzte Mal Sex?“ Sie bekam auch eine Antwort: „Wenn Hand nicht zählt, dann ist es länger als zehn Stunden her.“

Alle Welt würde jetzt rot werden, Alina nicht: „Ich habe das Gefühl, dass es eine Grenze gibt, wenn es um persönliche intime Fragen geht. Wir sind ständig von Sex umgeben, können uns im Netz über alle möglichen Praktiken informieren. Es gibt Apps für One-Night-Stands, egal ob schwul, bi oder hetero. Trotzdem fällt es uns oft schwer, über Sex zu sprechen, zumindest wenn es um uns geht“, moniert sie. Doch genau das möchte sie ändern. Die Videobloggerin glaubt, dass ein bisschen Fetisch in vielen steckt. Die meisten seien einfach nur zu verklemmt, es zuzugeben. „Das hat man auch bei ‚Fifty Shades of Grey‘ gesehen. Vorher war das Thema SM oder Bondage eher in der Schmuddelecke. Durch das Buch und den Film wurde plötzlich offen und ohne Tabu darüber gesprochen. Inzwischen ist es fast salonfähig, sich Handschellen anlegen oder die Augen verbinden zu lassen. Das zeigt, dass die Neigung schon vorher da war, aber viel verkrampfter damit umgegangen wurde“, glaubt Alina.

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Alina ist nicht nur auf dem Bildschirm zu sehen, sondern auch bei dem deutschen Radiosender DasDing zu hören. Fotos: Südwestrundfunk/ DasDing

Auch aus ihrem eigenen Sexleben macht die 30-Jährige kein Geheimnis. Also Alina, wann hattest du das letzte Mal Sex? Um eine Antwort ist sie nicht verlegen: „Letzte Woche.“ Außerdem verrät sie, welche No-Go’s es bei ihr im Bett gibt (1. String Tangas bei Männern, 2. sich beim Sex filmen und 3. Tiernamen für den Partner) und sie spricht offen über die Themen Selbstbefriedigung und Fremdgehen. „Sex und Liebe ist immer ein wichtiges Thema in meinen Beziehungen gewesen. Ich rede gerne mit Freunden über Beziehungen, Verlieben und intime Momente.“ Jetzt hat sie einfach ihren Freundeskreis um ein paar Tausend Youtube-Fans erweitert.

Für ihren Channel produziert sie regelmäßig neue Episoden rund um das Thema Sex und Liebe. Für eine „Sexpertin“ oder die neue „Dr. Sommer“ hält sich Alina aber nicht: „Ich bin keine Expertin auf dem Gebiet Sex und auch keine Ratgeberin, wenn es darum geht, dass sich die Periode um drei Tage verschoben hat oder der Partner keinen hoch kriegt. Ich habe weder Sexualforschung studiert, noch habe ich persönlich alles ausprobiert, zum Glück“, lacht Alina. Aber darum geht es auch nicht. Alina stellt nur die Fragen. Beantwortet werden die von Experten, wie beispielsweise Paar-Therapeuten. „Ich versuche Themen so zu behandeln, dass sie für den Großteil meiner User interessant sind. Dafür muss ich nicht selber schon alles ausprobiert haben.“

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Auf Tabus hat Alina in ihren Videos überhaupt keinen Bock. So viel Offenheit kommt an: Das Projekt „Alina – die Liebe und der Sex“ ist erst vor einigen Monaten gestartet und bereits gut angelaufen. Im Oktober ging das erste Video online. Bis heute wurde es schon über 11.000 Mal angeklickt. „Das Feedback ist durchweg positiv. Ich bekomme viele liebe Kommentare und Nachrichten. Ich bin selber ziemlich überrascht.“ Und wer sich einmal ein Video angeschaut hat, klickt immer weiter. Mittlerweile hat Alina 25 Videos hochgeladen. Nur die Hater vermisst die 30-Jährige auf ihrem Channel noch: „Hater gibt es immer, aber die haben wahrscheinlich mein Format noch nicht entdeckt“, scherzt Alina.

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Ein Franzose mischt Youtube auf

Dialoge mit der Kamera, Rollenspiele vor der Kulisse einer chaotischen Ikea-Wohnung und stets diesen stark verwirrten Out-of-Bed-Look im Gesicht: Norman Thavaud scheint mit seinen Videos den humoristischen Nerv französischer Internetnutzer zu treffen.

Seine One-Man-Show verbreitet der 26-Jährige von Montreuil bei Paris aus über das Internet: Facebook, Twitter, Youtube oder die französische Variante Dailymotion – die Klicks sprengen oft die Fünf-Millionen-Marke. Hemdenträger, bartlose Jungs oder Schüchternheit sind nur einige Schlagwörter, auf denen als „Norman fait des vidéos“ seine drei bis vierminütigen Spots aufbaut. Hin und wieder hat auch seine Katze Sergi Gastauftritte.

Für die Themenauswahl hat er nicht mal ein spezielles Konzept entwickelt. „Die Idee ist einfach mit seiner Kamera zu reden, aus seinem Alltag und von lustigen Dingen zu erzählen.“ Sein bisheriger Renner? „Da mache ich mich ein bisschen über die Fans von Apple lustig.“

Im Video zur Quarter-Life-Crisis um den 25. Geburtstag erzählt Norman von altersbezogenen Klischees. Anspielungen auf das abgeschlossene Vierteljahrhundert oder erste altersbedingte Diätvorsätze nimmt er auf die Schippe. In einer Café-Szene bestellt er dann: „Einen Kaffee. Ohne Zucker. Ohne Tasse. Und ohne Kaffee, bitte!“ Dafür bekommt er dann eine Untertasse auf den Tisch geknallt – und führt das Gespräch mit einem imaginären Freund über ruhige Ausflüge in die Bretagne unbeirrt fort.

Neben Norman nutzen auch andere junge Franzosen soziale Netzwerke für ihre meist witzigen Videos. „In Frankreich gibt es nicht viele Sendungen, die den Humor der Jugendlichen treffen“, sagt Norman. Immer mehr Menschen tauschten den Fernseher gegen das Internet ein. „In gewisser Weise bilden wir eine neue Generation und deren Humor ab.“

Der aus Arras in Nordfrankreich stammende 26-Jährige ging nicht ganz unvorbereitet ins Video-Fach. Nach einem Studium der Filmwissenschaften arbeitete er zwei Jahre als Cutter bei einer Produktionsfirma und produzierte nur gelegentlich mit zwei Freunden Sketche. 2011 drehte Norman dann sein erstes Video unter dem inzwischen zur Marke gewordenen Namen. Das Werk schaffte es schnell auf 300.000 Klicks im Netz. „Das war unglaublich und hat mir Lust gemacht weiterzudrehen“, erzählt er und schaut noch immer verblüfft drein. Sein zweites Video knackte dann schon die Millionengrenze auf Youtube.

Das Hobby ist nun zum Beruf geworden: Tägliche Arbeit ist nun notwendig, um alle zwei bis drei Wochen ein neues Video veröffentlichen zu können. Norman lebt mittlerweile von den Einnahmen der Videos, Auftragsarbeiten und Gagen bei diversen Auftritten in Fernsehshows. „Nach dem fünften oder sechsten Video hat mich Youtube angerufen und gefragt, ob ich mit meinen Videos nicht Geld verdienen möchte“, erzählt Norman und fügt hinzu: „Aber Geld ist eigentlich sekundär, denn es geht mir ja um den Spaß.“ Momentan schreibt er am Drehbuch für einen Kinofilm.

Mit den Klicks im Netz kam die Popularität im Alltag. „Die Leute erkennen mich oft auf der Straße. Zuerst waren es vorwiegend Jugendliche, jetzt auch viele Erwachsene“, sagt Norman – und wird beim Bezahlen seiner heißen Schokolade am Tresen prompt um ein gemeinsames Foto gebeten: „Ich habe dich vorhin gleich erkannt.“

Norman Thavaud